Jahrgang 
1930
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Geſchichte der Anſtalt

Oberſtudiendirektor i. R. Dr. Eduard Otto, Geh. Schulrat

Am 14. April 1929 ſtarb der ehemalige Direktor unſerer Anſtalt, Geheimer Schulrat Dr. Eduard Otto. Von 1909 bis 1925, alſo 16 Jahre, wirkte er an unſerer Schule. In dieſe Zeit fiel die Neuordnung des heſſiſchen Höheren Mädchenſchulweſens und damit der Ausbau der Viktoriaſchule zur Studienanſtalt. Der Verſtorbene hat ſich dabei die größten Verdienſte erworben, der Deutſchkunde den gebührenden Platz im Lehrplan geſichert, früher als an anderen Anſtalten die Kunſtbetrachtung und die philoſophiſche Propädeutik eingeführt. In der ſchweren Weltkriegszeit hat er mit ſeinen Mitarbeitern und Schülerinnen vorbildlich in der Kriegs⸗ fürſorge gewirkt. Die Kriegsereigniſſe und der unerwartete Ausgang des Weltkrieges haben ihn ſeeliſch und körperlich ſchwer getroffen. Zweimal mußte er ſich längere Zeit beurlauben laſſen. Er erholte ſich jedoch bald und konnte die durch die politiſche Umwälzung bedingten Anderungen an ſeiner Schule durchführen: den Abbau der Grundſchulklaſſen und des Lehrer⸗ innen⸗Seminars. Ferner wurde neu das pädagogiſche Seminar zur Ausbildung von Studien⸗ referendarinnen der Schule angegliedert. Oſtern 1925 trat Otto in den Ruheſtand. In ſeinem Familienkreiſe fand er noch vier ruhige ſchöne Jahre, in denen er ſeinen künſtleriſchen, philoſophiſchen und geſchichtlichen Neigungen mehr als vorher nachgehen konnte. Zu unſerer Jahrhundertfeier wollte er die Geſchichte der Anſtalt ſchreiben, wozu er bereits wichtige Vor⸗ arbeiten geleiſtet hatte. Der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen. Unter den vielen Leidtragenden an ſeinem Grabe durfte natürlich unſere Schule nicht fehlen. Sie ließ es ſich aber auch nicht nehmen, in Gegenwart der nächſten Angehörigen durch eine beſondere Gedächtnisfeier, bei der der Direktor die Gedächtnisrede hielt, des Toten und ſeiner Verdienſte zu gedenken und ihm Dankbarkeit und Treue übers Grab hinaus zu geloben.

Der Lehrkörper

Das neue Schuljahr begann am 15. April. Studienaſſeſſor Allmanritter trat für die Studienaſſeſſorin Dr. Schudt ein, die wegen ihrer Verlobung mit Beginn des neuen Schuljahres aus dem Dienſt ausſchied. Mit Wirkung vom 6. Januar verließ die Studien⸗ aſſeſſorin Dr. Schork unſere Schule, um ſich zu verheiraten; mit ihrer Vertretung wurden bis Ende Februar die Referendarinnen Dr. Challier, Wrzodek, Koch und Reiſchel beauftragt. Von da an übernahmen die durch die Reifeprüfung frei gewordenen Herren ihren Unterricht. Durch Verfügung des M. f. K. B. wurde uns am 14. Oktober die Anwärterin für den Zeichenunterricht, Frl. Ruther, zum Hoſpitieren überwieſen. Vom 24. bis 26. Mai nahm der Direktor an der in Dresden ſtattfindenden Tagung des Deutſchen Verbandes der Direktoren(innen) öffentlicher Bildungsanſtalten für die weibliche Jugend teil. Ebenſo wohnte er der Hauptverſammlung der Arbeitsgemeinſchaft der Direktoren der höheren Lehr⸗ anſtalten Heſſens am 14. Dezember bei. Am 28. Juni trat Frl. Hubing einen 14tägigen Urlaub an, den ſie in Verbindung mit den anſchließenden Sommerferien ſtudienhalber in England verbrachte. Dr. Cäcilie Eckler erhielt ebenfalls zu einem Studienaufenhalt in

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