Jahrgang 
1911
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Zu der Seminarprüfung wurden ſämtliche 41 Schülerinnen der beiden erſten Seminar⸗ klaſſen(1a und 1b) zugelaſſen. Die ſchriftliche Prüfung wurde am 2. 5. Februar, die Turn⸗ und Zeichenprüfung am 14. Februar und die mündliche Prüfung, nachdem am 18. und 19. Fe⸗ bruar die Lehrproben ſtattgefunden hatten, unter dem Vorſitze des Herrn Geheimerat Dr. Eiſenhuth am 25. und 26. Februar 1910 abgehalten. Sämtliche 41 Prüflinge beſtanden das Examen, 5 mit der Noteſehr gut, 26 mitgut, 10 mitgenügend(ſ. Statiſtik).

Die Entlaſſung der Oſtern 1910 austretenden Schülerinnen der Schulklaſſen Ia und Ib fand am 18. März ſtatt. Bei dieſer Gelegenheit erhielten aus der Ritſert-, Lichthammer⸗ und Wagnerſtiftung Preiſe die Schülerinnen: Johanna Bacherach(Ia), Margarete Bundſchuh(Ia), Anna Auer(1b) und Eliſabeth Leuchtweis(Ib). Von den nach beſtandener Prüfung aus dem Seminar entlaſſenen Lehramtsaſpirantinnen hatten Preiſe erhalten: Eleonore Bohlender (S. 1a), Martha Knörzer(S. 1a), Julie Cellarius(S. 1b), Katharine Eißfeller(S. 1b) und Gertrud Geiger(S. 1b).

Das Schuljahr ſchloß am 19. März 1910.

Kurz vor Schluß des Schuljahres wurden auf Grund eines Stadtverordnetenbeſchluſſes vom 17. Februar durch behördliche Genehmigung vom 10. März 1910 die Schulgeldſätze ab⸗ geändert(ſ. Schlußbemerkungen).

Schuljahr 1910/11.

Nachdem die Aufnahme der angemeldeten Schülerinnen am 2. April erfolgt war, begann am 4. April um 8 ½ Uhr vormittags der Unterricht. An dieſem Tage wurde der mit der Ver⸗ waltung der neuerrichteten Lehrerſtelle beauftragte Lehramtsaſſeſſor Dr. Ernſt Heinemann*) in den Dienſt eingewieſen. Die Prüfung und Aufnahme der für das Seminar gemeldeten aus⸗ wärtigen Schülerinnen erfolgte am 6. April 1910. Mit Anfang des neuen Schuljahres über⸗ nahm auf behördliche Anordnung Frl. Luiſe Herrmann anſtatt des Frl. Wilhelmine Graf den Handarbeitsunterricht in den Klaſſen des vormaligen Inſtituts Reineck. Das Scheiden der treuen und erfolgreichen Lehrerin aus dem Verband unſrer Schule wurde von den Amts⸗ genoſſen wie von den Schülerinnen ſchmerzlich empfunden. Am 6. April wurde Herr Lehramts⸗ aſſeſſor Karl Mangold zum Oberlehrer ernannt und an unſerer Schule endgültig angeſtellt. Bereits am 1. April 1910 war den Herren Oberlehrern Friedrich Kunkel und D. Fritz Herr⸗ mann der Charakter alsProfeſſor verliehen worden. Herr Aſſeſſor Dr. Karl Riedel wurde am Anfange des neuen Schuljahres an der Oberrealſchule zu Worms und, nachdem er wenige Tage vor Pfingſten in unſere Schule als Volontär wiedereingetreten war, am 23. Mai 1910 am Realgymnaſium in Mainz verwendet. Vom 1. Juni bis zu den Herbſtferien erteilte die Lehr⸗ amtsaſpirantin Frl. Lili Ochs als Volontärin wöchentlich 12 Stunden. Am 13. Oktober fand Herr Lehramtsreferendar Erich Schwörer als Volontär in 8 wöchentlichen Stunden an unſerer Schule Verwendung. Dem Direktor wurde am 25. November von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog der Charakter alsGeheimer Schulrat verliehen. Beurlaubt waren: Herr Prof. Dr. Röll zu einer Reiſe nach Schottland und Frl. Reh zur Wiederherſtellung der Geſundheit (Vertretung: Frl. Ochs) vom 1.13. Juli. Letztere mußte vom 19. Dezember an krankheitshalber ihren Unterricht wieder ausſetzen(Vertretung: Frl. W. Nau und Frl. G. Seip). Zum Zwecke eines Aufenthalts in Paris war Frl. Maurer vom 13.29. Oktober beurlaubt und wurde durch die Lehramtsaſpirantin Frl. Wilhelmine Nau vertreten. Dieſelbe vertrat auch Frl. Fertſch, die wegen Krankheit vom 8.24. September 1910 dem Unterricht fern bleiben mußte.(Wir fühlen uns verpflichtet, Frl. Wilhelmine Nau, ſowie den Lehramtsaſpirantinnen Frl. Marie Frölich, Frl. Hedwig Schott und Frl. Gertrud Seip, die uns in dieſem oder im vorigen Jahre freiwillig und ohne Vergütung durch Übernahme von Unterrichtsſtunden unterſtützt haben, auch an dieſer Stelle den Dank der Schule auszuſprechen.) Herr Profeſſor Henſing war vom 19.24. September zur Teilnahme an dem naturwiſſenſchaftlichen Fortbildungskurſus beurlaubt, der am hieſigen Realgymnaſium ſtattfand.

.») Dr. phil. Ernſt Heinemann iſt im Meſſeler Forſthauſe am 6. Juni 1884 geboren, beſuchte das Gym⸗ naſium zu Bensheim und das hieſige Neue Gymnaſium, das er Oſtern 1902 mit dem Zeugnis der Reife verließ. In Darmſtadt, München und Gießen ſtudierte er Mathematik und Phyſik und beſtand am 1. Auguſt 1906 in Gießen ſein Staatsexamen. Die philoſophiſche Doktorwürde erwarb er ebendaſelbſt im Jahre 1907. Von Herbſt 1906 bis zum Herbſt 1907 war er Mitglied des mit dem hieſigen Realgymnaſium verbundenen Seminars. Hieriuf trat er am hieſigen Neuen Gymnaſium das zweite Jahr ſeines Vorbereitungsdienſtes an. Seine erſte Verwendung erhielt er am Gymnaſium zu Bensheim(22. April bis 26. Mai 1909); am Neuen Gymnaſium zu Darmſtadt war er hierauf vom 8. September 1909 bis zum 19. März 1910 verwendet.