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Am 4. Juli trat Frl. Ruths, die den Handarbeitsunterricht in Klasse Vc und VIe erteilt hatte, aus, um sich zu vermählen.
Während der Sommerferien, am 21. Juli, verloren wir eine liebe, brave Schülerin der Klasse IXa, Marie Andreß, die nach kurzer Krankheit einer schweren Blinddarm- entzündung zum Opfer fiel.
Vom 26. August bis 25. September war der Direktor wegen Krankheit beurlaubt, ebenso vom 12. bis 31. Oktober. Großherzogs Geburtstag konnten wir leider dieses Mal nicht in freudiger Stimmung begehen, da wir alle um das geliebte Kind unseres Landes- herrn, die allzufrüh heimgegangene Prinzessin Elisabeth, trauerten. Herr Oberlehrer Herrmann gab dieser Trauer am 25. November ernsten und herzlichen Ausdruck; bei der Beisetzung der hochseligen Prinzessin am 19. November hatten die Lehrer und Schülerinnen in der Rheinstraße Spalier gestanden, und am 25. November war es den Kindern gestattet, von ihrem Liebling im Mausoleum auf der Rosenhöhe Abschied zu nehmen.
Im Dezember 1003 hatte Se. Königl. Hoheit der Großherzog die Gnade, dem Direktor das Ritterkreuz I. Klasse des Philippsordens zu verleihen.
Eine große Freude wurde uns im Januar 1904 dadurch bereitet, daß die hohe Patin unserer Schule, Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Ludwig von Battenberg, Prinzessin Viktoria von Hessen und bei Rhein, welcher wir bei Gelegenheit der Vermählung Ihrer Tochter, der Prinzessin Alice von Battenberg, mit Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Andreas von Griechenland, unsere ergebensten Glückwünsche aussprechen durften, der Schule Ihr wohlgelungenes Bild schenkte, welches nun seinen Ehrenplatz in der Halle des Mittelstockes erhalten hat. Der Direktor hatte die Ehre, von Ihrer Großherzoglichen Hoheit empfangen zu werden, wobei er eingehenden Bericht über die Schule und ihre Entwickelung abstatten und für das schöne Geschenk danken konnte.
Kaisers Geburtstag beging die Schule durch eine Feier, bei der die Schülerinnen eine Auswahl deutscher Volkslieder vortrugen.
Vom 25. Januar bis 20. Februar(bezw. 9. März teilweise) fehlte Frl. Reh, konnte jedoch durch das Kollegium vertreten werden..
Am 22., 25. und 27. Februar nahm Herr Superintendent Oberkonsistorialrat D. Dr. Fléöring eine Prüfung sämtlicher Klassen der Viktoriaschule und des Seminars in der evangelischen Religion vor, deren Resultate in zweckentsprechender Weise bei der Revision des Lehrplans(s. diesen) verwertet wurden.
Vom 8. bis I1. Februar fand die schriftliche Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an hõheren Schulen statt, es folgten am 3.— 5. März die Prüfungen im Zeichnen, Turnen und die Lehrproben, am 14. März die mündliche Prüfung unter dem Vorsitz des Herrn Ministerialrat D Eisenhuth. Die 18 Schülerinnen der ersten Seminarklasse bestanden sämtlich diese Prüfung.
Es sind 1904:
Frl. Gertrud Berger. Frl. Antonie Naumann. „ Erna Einsmann.„ Thekla zu Putlitz a. Kötzschenbroda. „ Elisabethe Gerhard aus Michelstadt i. O.„ Therese Reuter.. „ Katharine Heiß.„ Katharine Schäfer aus Bensheim. „ Ida Kahn aus Alzey.„ Magdalene Schrader aus Mannheim. „ Elisabethe Kaiser.„ Adele Schröder. „ Helene Lehr.„ Sophie Weber. „ Maria Lindenborn aus Fürth i. O.„ Pauline Weinsheimer. „ Sophie Lotheibßen.„ Ida Zimmermann aus Worms.(18) Hiervon erhielten: 2 die Note I sehr gut. Io„„„ II gut, 6„„ III genuügend.
Vom 19. März bis 16. April war Herr Professor Dr. Röll aus Gesundheitsrücksichten beurlaubt.
Das Schuljahr schloß am 23. Mârz 1904.


