A. Schulbericht der viktoriaschule und des Lehrerinnenseminars über die Schuljahre 1903/04 und 1904/05.
1903/04.
Das Schuljahr 1903/04 begann am 20. April 1903 mit den Anmeldungen für die Schule; am 21. April um 7 ½ bezw. 8 ½ Uhr fing der Unterricht an, und zwar in 22 Schul- und 3 Seminarklassen. Die Klassen V und VI mußten in 3 Klassen Vabc und Vlabc zerlegt werden. Die Schülerinnenzahl betrug zu Beginn des Schuljahres in Schule und Seminar 801(Vorjahr 778). Näheres s. Statistik S. 18. Am 22. April fand die Aufnahme- prüfung für das Seminar für diejenigen statt, die eine der fünf voll entwickelten rostufigen höheren Mädchenschulen des Landes nicht besucht hatten.
Mit Beginn des Schuljahres 1903/04 schied aus unserem Kollegium Herr Oberlehrer Professor Keil. Derselbe gehörte der höheren Mädchenschule seit dem 20. Mai 1867 an und hat in diesen 36 Jahren die Entwickelung derselben bis zu ihrer jetzigen Ausdehnung mit erlebt. Der hochverdiente Senior unseres Kollegiums trat am 20. April 1903 in den wohlverdienten Ruhestand, und es wurde ihm bei dieser Gelegenheit von S Königl. Hoheit dem Großherzog die Krone zu dem Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Bei seinem Abschied verehrte ihm das Kollegium zur Ppunolichen Erinnerung an die langjährige segensreiche Tätigkeit an der Schule in Verehrung und Dankbarkeit Böcklins Einsiedler. Wir wünschen von Herzen, es möge unserem scheidenden Kollegen vergönnt sein, die wohlverdiente Ruhe noch lange in körperlicher wie geistiger Frische und Heiterkeit zu genießen.
Am 12. Mai 1903 beging die Schule festlich den Tag, an dem Justus von Liebig in Darmstadt das Licht der Welt erblickt hat. Herr Oberlehrer Professor Dr. Röll hielt die Festrede und würdigte die Bedeutung dieses großen Sohnes unserer Vaterstadt.
Am 2. Juni 1903 wurde Herr Pfarrer Lic. Herrmanni¹) von Alsfeld als Nachfolger für Herrn Professor Keil in den Dienst eingewiesen; er übernahm den evangelischen Religionsunterricht in dem Seminar und den Oberklassen der Schule sowie die Lehrer- bibliothek. 1
Vom 20. Juni bis 2. August war Frl. Lips beurlaubt, ihre Vertretung vom 20. Juni bis 4. Juli wurde von dem Kollegium übernommen.
¹) Lebenslauf: Lic. theol. Fritz Herrmann, geboren am 24. Oktober 1871 in Guntersblum, verließ Ostern 1801 das Gymnasium zu Mainz mit dem Zeugnis der Reife, studierte Theologie in Berlin und Gießen, wo er im Sommer 1804 das theologische Fakultätsexamen bestand, absolvierte Oktober 1894 bis ebendahin 1895 sein Militärjahr beim 3. Großh. Hess. Inf.-(Leib-) Reg. Nr. 117 in Mainz, war von Herbst 1895 bis 1896 Mitglied des Evangelischen Predigerseminars in Friedberg und wurde nach Ab- legung der Definitorialprüfung im Frühjahr 1897 als Vikar bezw. Verwalter und Assistent in Pfarrstellen zu Lengfeld, Offenbach a. M. und Schotten verwandt. Von Januar 1809 bis März 1901 bekleidete er die Stelle eines Repetenten an der theologischen Fakultät der Landesuniversität und wurde am 1. April 1901 zum Pfarrverwalter, am 10. August d. J. zum Pfarrer in Alsfeld ernannt. Durch Verfügung Großh. Mini- steriums des Innern wurde ihm am 16. Mai 1003 die Verwaltung der Religionslehrerstelle an der Viktoria- schule und dem Lehrerinnenseminar übertragen und er am 26. Februar 1904 zum Oberlehrer ernannt.


