Jahrgang 
1901
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A. Schulbericht der Viktoriaschule und des Lehrerinnenseminars über die Schuljahre 1899/00 und 1900/01.

1899/00.

Da im Schuljahre 1898/99 die erste Klasse des Seminars infolge der Umformung dieser Anstalt in ein dreijähriges Lehrerinnenseminar nicht vorhanden war, fand eine Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen im Frühjahr 1899 nicht statt, zumal da sich auch von auswärts keine Prüflinge gemeldet hatten.

Das Schuljahr 1899/% begann am 10. April 1899, morgens 9 Uhr mit der Anmeldung der Schülerinnen für die Klassen VIII, nachdem die Anmeldungen für die Klassen X VIII schon vor den Osterferien am 27. Februar erfolgt waren.

Es konnte schon bei Eröffnung unseres neuen prächtigen Schulhauses mit Sicherheit voraus- gesehen werden, daß die Zahl der Schülerinnen eine starke Vermehrung zeigen werde. Die Anmel- dungen waren auch in der That so zahlreich, daſy die bis dahin ungeteilten drei Unterklassen XVIII in Parallelklassen zerlegt werden mubten, so daß, da auch die zweite Seminarklasse geteilt blieb, das Seminar aus den vier Klassen I, 2a, 2b, 3, die Schule aus 20 Klassen Ja Xb bestand.

Die Anfangszahl der Schülerinnen war 669, die Gesamtzahl derselben, einschließlich der während des Schuljahres aufgenommenen, 709, die Schlußzahl 585(637 ohne Abzug der am Schluß austretenden*).

Die Teilung der Unterklassen brachte eine Vermehrung der Lehrkräfte mit sich. Es traten am 10. April 1899 ein: Herr Dr. KARL BERGMANN**) von der höheren Mädchenschule zu Offenbach a. M., Herr Schulverwalter Gösràv MàAV***), Fräulein ELISABETIH FRIEDRCIH), Fräulein MARIE KAVvSER ††).

Leider erkrankte Herr WEINXMANN schon zu Beginn des Schuljahres, so dab auch für ihn ein Stellvertreter, Herr PufIpP NEHRBASS ††), berufen werden mubte.

Am II. April 1899 konnte der Unterricht um 7 Uhr 30, bezw. 8 Uhr 30 in allen Klassen beginnen. Herr GEiss, der schon längere Zeit an einem Augenübel gelitten, konnte leider bei

*) Siehe Statistik ff. Seiten, D.

4*) Lebenslauf: KaAkl. BERGMANN, geboren am 14. Mai 1870 zu Darmstadt, besuchte zuerst das Rein- hardtsche Institut und dann das Realgymnasium zu Darmstadt, das er Ostern 1889 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er widmete sich dem Studium der neueren Sprachen auf den Universitäten zu Gießen, Genf und Berlin. Nachdem er im Sommer 1893 zu Gießen die Staatsprüfung bestanden hatte, legte er von 1893 1894

seinen Acceß am Neuen Gymnasium zu Darmstadt ab. Von 1894 1896 bekleidete er die Stelle eines Privat- lehrers in Monaco. Nach einem vierteljährigen Aufenthalt in Paris war er im Winter 189697 als Volontär am Realgymnasium zu Darmstadt thätig. Durch Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 26. April 1897 wurde er mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Mädchenschule zu Offenbach a. M. beauftragt und durch Allerhöchstes Dekret vom 8. März 1898 mit Wirkung vom 1. April genannten Jahres zum ordentlichen Lehrer an dieser Schule ernannt. Zum Lehrer an der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt wurde er durch Allerhöchste Entschließung vom 4. Mai 1899 ernannt.

***) Lebenslauf: Gusràv Mav, geboren 1869 zu Friedberg, besuchte die dortige Realschule und von 1886 1889 das Lehrerseminar daselbst. Nach kurzer Verwendung als Schulverwalter an der Höheren Bürger- schule zu Pfungstadt war er vom Frühjahr 1889 an in gleicher Eigenschaft an der Stadtknabenschule II zu Darmstadt thätig. 1891 bestand er die Definitorialprüfung. Am 30. März 1899 wurde ihm die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der Viktoriaschule zu Darmstadt übertragen; durch Dekret vom 10. Oktober 18909 erfolgte seine definitive Anstellung an dieser Anstalt.

) Lebenslauf: ErisABETIH FRIEDRICIHI, Tochter des Professors am Ludwig-Georg-Gymnasium ALEXANDER FRIEDRICH, ist den 23. Mai 1869 zu Darmstadt geboren, besuchte seit Ostern 1883 die Viktoriaschule und das Lehrerinnenseminar und bestand am 7. März 1887 die Staatsprüfung mit der Notée 1I. Dann war sie in Privat- stellungen in Darmstadt und Heringsdorf a. O. thätig, bis sie den 16. Juli 1891 an die Stadtschule zu Bad-Nau- heim als Schulverwalterin kam. Am 13. juni 1894 wurde ihr die Mädchen-Oberklasse daselbst definitiv über- tragen. Am 29. März 1899 kam sie mit Wirkung vom 10. April 1899 als provisorische Lehrerin an die Viktoria- schule zu Darmstadt, wo sie seit dem 8. August 1900 mit Wirkung vom 1. August 1900 definitiv angestellt ist.

†f) Lebenslauf: MäARIE KäAVSER, geboren am 28. September 1867 zu Kirch-Beerfurth im Odenwald, besuchte von 1873 an die höhere Mädchenschule in Darmstadt und bestand 1885 daselbst ihre Prüfung für das höhere Lehrfach. Von 1886 bis 1890 war dieselbe in Nieder-Wöllstadt in Privatstellung als Lehrerin thätig, von 1892 99 am Institut Kirschbaum dahier und ist seit 10. April 1899 als provisorische Lehrerin an der hie- sigen Viktoriaschule verwendet.

†fr) Lebenslauf: PamIPP NEHRBASS, geboren am 23. November 1872 in Partenheim, besuchte von 1890093 das Lehrerseminar in Alzey, erhielt seine erste dienstliche Verwendung in Mainz und kam im Herbste 1893 an

die Stadtknabenschule I zu Darmstadt, wo er bis zum Frühjahr 1899 thätig war. 1*