Königliche Hoheit! Großherzogliche Hoheiten! Hochgeehrte Damen und Herren!
Ich habe die Ehre, Sie im Namen aller derjenigen, welche unserer Schulgemeinde angehören, ehrfurchtsvollst und ergebenst zu begrüßen, Ihnen allen für die Teilnahme, die Sie unserer Schule durch Ihre Anwesenheit beweisen, gehorsamst zu danken und Sie zu bitten, uns diese Teilnahme auch fernerhin geneigtest bewahren zu wollen..
Als im Jahre 1861 die einzelnen höheren Mädchenschulklassen, die damals in ver-— schiedenen Häusern zerstreut untergebracht waren, in ein gemeinsames großes Haus einzogen und in Gegenwart der höchstseligen Großherzogin MATHILDE, der hohen staatlichen und städtischen Behörden ihr neues Heim einweihten, da war die Freude, der Dank und der Jubel groß. Man möge es uns heute nicht verargen, wenn unsere Freude, unser Dank und unser Jubel beim Verlassen dieses Hauses ebenso groß, wenn nicht noch größer ist. Es liegt dies ganz gewiß nicht nur daran, daß unser bisheriges Schulhaus sich schon seit einer langen Reihe von Jahren als viel zu klein und ungenügend erwiesen hat, nicht allein daran, daß Schultechnik und Schulhygiene so gewaltige Fortschritte gemacht haben, daß man heute an ein großes Schulgebäude ganz andere Anforderungen stellt als vor 20 Jahren— nein— es liegt vor allem daran, daß das prächtige Haus, welches die Stadt Darmstadt heute ihren Töchtern schenkt, so über alles Erwarten groß, schön und zweckmäſiig ausgefallen ist.
Dieser schöne Bau mit seinen großen Schulsälen und geräumigen Hallen, seinem weiten Schulhof und Schulgarten, seinen zweckmäßiigen inneren Einrichtungen bildet ein Denkmal, wie es die Stadt nicht schöner und praktischer sich selbst zur Zier, dem edlen Zwecke, dem es dienen soll, zur Förderung und Freude hätte setzen können. Wir wissen wohl, welche Summe von Oberlegung, von geistiger Arbeit zu erledigen war, noch ehe man vor drei Jahren an die eigentliche Ausführung des Planes ging, welche Verhandlungen und Verzögerungen die schwierige Platzfrage mit sich brachte.
Hier, wie bei der jüngsten und wohl besteingerichteten groben Schule Deutschlands— dem Reformgymnasium in Frankfurt a. M.— hatte man große Bedenken, die Schule aus dem Mittelpunkte der Stadt in die Peripherie zu verlegen. Wir hoffen, daß sich diese Bedenken ebensowenig bei uns bewahrheiten werden, als sie es in Frankfurt gethan haben, wo trotz der weiten Entfernungen schon bald nach der Eröffnung die Räume überfüllt waren, wir hoffen, daß auch bei uns die großen Vorteile, welche die stille Lage mit sich bringt, die ge- ringen Nachteile allzuweiter Entfernung aufwiegen werden.
Wir Lehrer und die Schülerinnen sind dankbar dafür, daß man in erster Linie den Zwecken der Schule selbst bei dem Neubau Rechnung getragen hat und daß man wohl wünschenswerte Nebenzwecke wie monumentale Verschönerung eines Platzes oder einer Straße hat in den Hintergrund treten lassen. Wer wie wir unter den unglücklichen Verhält- nissen eines gar nicht für Unterrichtszwecke errichteten Hauses gelitten hat, der wird es ver- stehen, daß wir uns freuen und dankbar sind, daß uns nun ein Heim geschenkt worden ist, welches die drei Grundbedingungen, die man an die richtige Lage eines Schulhauses stellen muß, in jeder Hinsicht erfüllt, das sind: Gesunde Lage in frischer Luft, gute Lichtverhältnisse und vor allem Ruhe und Stille in der nächsten Umgebung. Sie, meine hochgeehrten Damen und Herren, wissen alle, wie es mit Ruhe und Stille Ecke der Elisabethen- und Grafenstraße


