1893/94.
Die Aufnahmen fanden am 10. und I1. April statt, das Schuljahr wurde am 12. April feierlich eröffnet, am 13. April begann der Unterricht.
Mit Beginn des Schuljahres erkrankte die Zeichenlehrerin Fräulein ScHIEIERMACHER und musste bis zum Schluss der Herbstferien beurlaubt werden. In den ersten Wochen fiel der Zeichenunterricht in den ihr zugewiesenen Klassen aus; vom 12. Juni 18903 ab konnte eine Ver- tretung eingerichtet werden, indem Fräulein AMALIE SCHADEI die oberen Klassen und Herr Real- lehrer GETROST die Mittelklassen übernahm. Fräulein ScHADEI, und Herr GErRosr haben der Anstalt damit einen grossen Dienst geleistet, für den wir auch an dieser Stelle unseren Dank aussprechen.
Nachdem Herr Kaplan MaAv, der katholische Religionslehrer der Victoriaschule, nach Worins versetzt worden war, trat Herr Kaplan MörEEk an seine Stelle. Er wurde am 16. Juni 1893 in den Dienst eingewiesen.
Am 18. Mai 1803 starb die Schülerin der IX. Klasse ALIlcE KaAHN, ein braves und hoff- nungsvolles Kind, vom Kollegium und den Mitschülerinnen aufrichtig betrauert.
Mit Beginn der Sommerferien erhielt Herr Dr. BEkkER zum Zwecke eines Aufenthalts in der französischen Schweiz einen Urlaub, der bis zum Beginn des Wintersemesters dauerte. Vom 7. August bis zum 23. September 1893 wurden seine Stunden von Fräulein VICroRIA VON HERFF erteilt, die schon wiederholt mit bestem Erfolg Aushilfe geleistet hat.
Die Krankheit des Fräulein RöMER und ihr Urlaub dauerten fort, ebenso ihre Stellvertretung durch Fräulein STRECKER.
Durch hohes Dekret vom 17. Januar 1894 wurde Fräulein RöMER„auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer treu geleisteten Dienste“ in den Ruhestand versetzt.
Fräulein RöMER hat über 20 Jahre mit unermüdlichem Eifer und grösster Pflichttreue an unserer Schule gewirkt, so dass das Lehrerkollegium und die Schülerinnen sie mit Bedauern scheiden sahen. Möge es ihr beschieden sein, sich der durch redliche Arbeit wohl verdienten Ruhe noch recht lange zu erfreuen.
Gegen Schluss des Schuljahres hatte die Schule abermals den Verlust einer Schülerin zu beklagen. Am 14. Februar 1804 starb OLGA WExr, aus Klasse IX. Die Schule wird dem braven Kinde ein gutes Andenken bewahren.
Die Entlassungsprüfung für 1803/04 fand am 14. März 1804 ihren Abschluss. Es wurden wiederum 14 Damen geprüft, die alle in unserem Seminar vorgebildet waren. Drei erhielten die Note„Sehr gut“, sieben die Note„Gut“, vier die Note„Im ganzen gut“.
Mit Beginn des Wintersemesters wurde auf unseren Antrag für die Seminarklassen ein fakultativer Zeichen- und Turnunterricht eingerichtet, nachdem die Stadtverordneten-Versammlung mit dankenswerter Bereitwilligkeit die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt hatte. Die Zeichenstunden wurden Fräulein ScHIL.EIERMACHER, die Turnstunden Herrn FöRMEs übertragen.
Der Sedantag und die Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs und Seiner Majestät des Kaisers wurden in herkömmlicher Weise festlich begangen. Am 2. September hielt Herr FöRMEs die Festrede, am 25. November sprach der Unterzeichnete über„die Pfalzver- wüstung von 1688 und 1680, soweit sie sich auf früher oder jetzt hessisches Gebiet erstreckte,“ am 27. Januar sprach Herr THVILMANN über„die deutsche Marine“.
Am 13. März wurde das Schuljahr mit Censur und Versetzung geschlossen.
1894/95.
Das Schuljahr wurde am 3. April feierlich eröffnet. Sofort nach der Eröffnung begann der Unterricht.
Die Anmeldungen zur II. Seminarklasse waren so zahlreich eingelaufen, dass die Klasse geteilt werden musste. Hierdurch wurde die Errichtung einer provisorischen Lehrerstelle nötig, mit deren Verwaltung Herr Lehramtsassessor EDUARD PFAFF, Dirigent der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt, beauftragt wurde. Herr PFAFF trat den Dienst am 3. April 1804 an.


