Jahrgang 
1905
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durch private Ausbildung möglich war, auch die Frau in die Lage zu ſetzen, ſich in den Dienſt der Schule zu ſtellen, um der individuellen Ausbildung des weiblichen Geſchlechts noch mehr als bisher gerecht zu werden. Darmſtadt ſei zum Sitz der Anſtalt gewählt worden, da es durch ſeine verſchiedenartigen Anſtalten(Volks⸗ und Mittelſchulen) am beſten in der Lage ſei, die zu⸗ künftigen Lehrerinnen für die Praxis vorzubereiten. Da nur durch gemeinſames Zuſammen⸗ wirken aller etwas Erſprießliches erreicht werden könne, ſo forderte er die Lehrer und Lehrerinnen der Anſtalt zu harmoniſcher Zuſammenarbeit, die Schülerinnen aber zu ausdauerndem Fleiße auf.

Hierauf hielt Direktor Dr. Jacobi die Feſtrede. Nach dem gebührenden Danke an Se. Königliche Hoheit den Großherzog, die Schulbehörde und die Landſtände führte er aus, daß der Volksſchullehrerin, die ſich ſeither meiſt privatim eine nur unzureichende Ausbildung für das Lehramt erwerben konnte, durch die Errichtung dieſer Anſtalt Gelegenheit geboten ſei, ſich eine der Lehrerbildung gleichwertige Ausbildung zu erwerben. Wie die Lehrerſeminare, ſo ſolle auch dieſe neue Anſtalt eine Pflanz⸗ und Pflegeſtätte echt deutſchen Geiſtes und echt deutſchen Weſens ſein, die ihren Zöglingen neben einer gediegenen allgemeinen Bildung eine gründliche Fachbildung für den Lehrberuf geben müſſe.

Um dieſer doppelten Aufgabe gerecht zu werden, bedürfe es in hohem Maße des einmütigen Zuſammenwirkens aller Lehrkräfte, an die ſich der Nedner nun wandte und ſie zur freudigen und opferwilligen Mitarbeit aufforderte mit dem Verſprechen, ihnen allezeit ein treuer Mithelfer und Berater zu ſein. Die Schülerinnen ermahnte er, ſtets eingedenk zu ſein, daß ſie ſich zwar einem der ſchönſten und idealſten, aber zugleich auch einem der ſchwerſten und verantwortungs⸗ vollſten Berufe widmen wollten. Der Wichtigkeit und hohen Verantwortlichkeit dieſes Berufes wegen ſei es nötig, ſtets gewiſſenhaft und pflichttreu zu ſein, um ſich eine gründliche Ausbildung anzueignen und durch ſtrenge Selbſtzucht ſich zum Charakter auszubilden.

Mit dem Wunſche, daß alle Hoffnungen für die Ausgeſtaltung und Entwicklung der An⸗ ſtalt und die Erwartungen hinſichtlich ihrer Bedeutung um die Hebung der Volksbildung und Volkserziehung in vollſtem Maße in Erfüllung gehen möchten, ſchloß der Redner.

Ein zweiter Vortrag des Herrn Höcker auf dem Harmonium beendete die Feier, an die ſich eine Beſichtigung der Schulräume anſchloß.

Der Unterricht begann am 6. Juni. Wegen des ſpäteren Beginns wurden Sommer⸗ und Herbſtferien in dieſem Schuljahre zuſammengelegt; ſie dauerten vom 16. Auguſt bis 17. September.

Am 11., 13. und 14. Auguſt beehrte Herr Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth die Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterrichte in allen Klaſſen bei.

Außer den monatlichen Spaziergängen in die nähere Umgebung unternahmen die drei Klaſſen der Anſtalt mit ihren Lehrern und Lehrerinnen am 16. Juli einen Ausflug nach der Saalburg und Bad Homburg.

Der ſeitherige Wagenführer der elektriſchen Straßenbahn, Herr Karl Mink, wurde am 29. Oktober zum Schuldiener der Anſtalt ernannt.

Mit Wirkung vom 1. April 1903 wurde Fräulein Welſch definitiv angeſtellt.

Am Geburtstage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs hielt Herr Hofmann die Feſt⸗ rede über denLandgrafen Ernſt Ludwig; am Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers ſprach der Direktor überdie Geſchichte und Entwicklung der Barbaroſſaſage.

Der Geſundheitszuſtand von Schülerinnen und Lehrenden war gut.

Während der Oſterferien wurde Herr Hofmann durch Allerhöchſtes Dekret zum Kreis⸗ ſchulinſpektor zu Bingen ernannt. Unſere beſten Wünſche begleiten ihn in ſeine neue Stellung.

Schuljahr 1903/04.

Das Schuljahr begann am 22. April 1903 und ſchloß am 23. März 1904.

Die Aufnahmeprüfung am 2. und 3. April 1903 beſtanden 42 Schülerinnen, von denen 25 nach der fünften, 4 nach der vierten, 11 nach der dritten und 2 nach der zweiten Klaſſe aufgenommen wurden.

Durch die Errichtung der zweiten Klaſſe war eine neue Oberlehrerſtelle notwendig geworden, die dem ſeitherigen Leiter der höheren Bürgerſchule für Mädchen zu Alzey, Herrn Sberlehrer