IV. Geſchichte der Anſtalt.
1. Organiſation der Schule.
Das Schuljahr begann am 23. April 1928; an dieſem Tage fand die Prüfung der neu eintretenden Schüͤler ſtatt, der Unterricht nahm am 24. April ſeinen Anfang.— Die Schule hatte in dieſem Jahre 36 Klaſſen: VI, V und IIIb hatten je 3, IIb, IIa und Ib je 5, die anderen Jahrgänge je 4 Parallel⸗ klaſſen. Neben dem normalen Realgymnaſium, in dem mit Lateiniſch in VI begonnen wird, hat die Anſtalt ein Reformrealgymnaſium, wo in VI mit Franzöſiſch ſtatt Lateiniſch begonnen wird. Dieſe Anſtalt iſt jetzt bis Ib gediehen und ſetzt Oſtern 1929 eine Ja auf.— Das Schuljahr ſchloß am 23. März 1929. Oſtern 1930 werden die erſten Reformrealgymnaſiaſten die Reifeprüfung ablegen.
In das Realgymnaſium und in das mit ihm verbundene Reformrealgymnaſium werden Schüler aus ganz Darmſtadt und aus den umliegenden Orten aufgenommen.
2. Lehrer.
Zu Beginn des Schuljahres 1928/29 verließ uns Studienrat Dr. Büchner(ſeit 1919 am Real⸗ gymnaſium); er kam an die Viktoriaſchule und tauſchte mit Studienrat Finkenwirth.
Den katholiſchen Religionsunterricht übernahm von Oſtern 1928 ab Studienrat Schorn(vorher Bensheim).
Studienrat Dr. Diemer war wieder für die Hälfte ſeines Dienſtes beurlaubt, um die Belange des V. D. A.(des Vereins für das Deutſchtum im Ausland) wahrnehmen zu können.
Ebenſo war Studienrat Dr. W. M. Becker wieder während dieſes ganzen Schuljahres zur Dienſt— leiſtung auf das Staatsarchiv(Abteilung Urkundenpflege) beurlaubt. Die Vertretung für beide Herren hatte wieder zum Teil Studienrat Wermbter.
Studienrat Jacob war von einem Teil ſeiner Stunden befreit, um für die Darmſtädter Volks— hochſchule tätig ſein zu können.
Die Studienräte Prof. Dr. Dingeldey, Prof. Seeger, Prof. Pfannmüller, Prof. Kemmer, ſowie Konrektor Dr. Poepperling wurden zu Oberſtudienräten, Oberreallehrer Weide zum Muſikoberlehrer und Oberreallehrer Luley zum Turnoberlehrer ernannt.
Oberſtudienrat Seeger trat auf ſein Nachſuchen„unter Anerkennung ſeiner dem Staat geleiſteten Dienſte“ mit Wirkung vom 1. Januar 1929 in den Ruheſtand, nachdem er ſeit Herbſt 1890 im Dienſte und ſeit Oſtern 1908 am Realgymnaſium tätig geweſen war. An ſeine Stelle trat von Neujahr bis Oſtern 1929 Studienrat Koch. Seines Ruheſtandes konnte ſich Oberſtudienrat Seeger nicht lange erfreuen: am 4. März 1929 iſt er nach kurzem Krankenlager verſchieden. Die Schule verliert in dem Verſtorbenen einen gewiſſenhaften, dienſteifrigen Lehrer, wir alle einen lieben, heiteren, zuverläſſigen und ſtets hilfs— bereiten Amtsgenoſſen. An ſeinem Grabe legte der Direktor im Namen des Lehrkörpers einen Kranz nieder. Auch ſeine Schüler hatten Kränze geſtiftet.
Während des ganzen Schuljahres mußte Oberſtudienrat Pfannmüller wegen nervöſer Erkrankung beurlaubt werden. Seine Vertreter waren die Pfarraſſiſtenten Dr. Wendel(23. bis 30. April 1928), Georgi(23. April bis 23. Juni 1928), Lic. zur Nieden(3. Mai bis 13. Juli) und Hemmes(im Winterhalbjahr 28/29). Für die gütige, raſche Vermittlung der Aushilfe ſind wir dem Landeskirchenamt, insbeſondere Herrn Geheimerat D. Dr. Flöring, ſowie den Herren ſelbſt für ihre Hilfe zu beſonderem Dank verpflichtet. Mit Wirkung vom 1. April 1929 trat Oberſtudienrat Pfannmüller auf ſein Nachſuchen „unter Anerkennung ſeiner dem Staate geleiſteten Dienſte“ in den Ruheſtand.(Dienſtzeit ſeit 1894, am Realgymnaſium ſeit 1908). Dem ſcheidenden Amtsgenoſſen wünſchen wir unter dem gleichzeitigen Aus— druck des Dankes der Schule einen geſegneten Ruheſtand.
Längere Zeit mußten wegen Erkrankung die Amtsgenoſſen Luley, Weide, Finkenwirth und Naujoks— ohne daß wir einen Vertreter erhielten— beurlaubt werden. Auch die Kälte im Anfang des Jahres 1929 und die durch ſie verurſachten Erkrankungen zwangen viele Amtsgenoſſen, der Schule vorübergehend fern zu bleiben. In allen dieſen und in den anderen im Laufe des Schuljahres eintretenden Krankheitsfällen leiſteten die Amtsgenoſſen und die Mitglieder des Seminars Aushilfe.
Studienrat Wermbter nahm an dem Fortbildungslehrgang für Philologen an der Hochſchule für Leibesübungen in Berlin teil(14.—26. Mai 1928); ſeine Vertretung übernahm für einige Stunden Herr Studienreferendar Schoch von der Liebigs-Oberrealſchule.
Studienrat Dr. Grünewald war vom 9. Juli 1928 auf 6 Wochen nach England beurlaubt.
Studienrat Jacob beſuchte in den Herbſtferien die Tagung der philoſophiſchen Geſellſchaft in Leipzig.
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