Jahrgang 
1901
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IV. Geſchichte der Anſtalt.

Der Unterricht im Schuljahr 1900/1901 begann den 24. April.

Durch Miniſterialdekret vom 21. März 1900 wurde der Realgymnaſiallehrer Eduard Bender auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte mit Wirkung vom 16. April 1900 in den Ruheſtand verſetzt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog geruhten, ihm das Ritterkreuz zweiter Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen Allergnädigſt zu verleihen.

An ſeine Stelle trat mit Wirkung vom 16. April der aus Wimpfen hierherverſetzte Großh. Real⸗ gymnaſiallehrer Hans Kahl.

Am 16. Mai wurde der Lehramtsaſſeſſor Auguſt Klein durch Allerhöchſtes Dekret zum Oberlehrer ernannt. Er verließ die Anſtalt Ende Januar 1901, um ſich auf Anordnung Großh. Miniſteriums d. J. der Großh. Direktion der Auguſtinerſchule zu Friedberg zu Zwecken der Vertretung zur Verfügung zu ſtellen. Seinen Unterricht übernahmen die Herren Lehramtsacceſſiſten Gütlich und Tſchöpe.

Wegen Ueberfüllung mußten drei Quarten eingerichtet und durch Zuſammenlegung der beiden Unter primen die hierzu nötigen Lehrkräfte freigemacht werden.

Vom 25. Juni bis zum 4. Auguſt war Oberlehrer Prof. Falkenhagen zu einem Studienaufenthalt nach Grenoble beurlaubt. Seine Vertretung übernahmen die übrigen Lehrer der Anſtalt.

Durch ſehr dankenswertes Entgegenkommen Großh. Bürgermeiſterei wurden im Laufe des Schuljahres ſämtliche Klaſſenzimmer mit neuen Bänken ausgeſtattet, was urſprünglich für den Zeitraum von drei Jahren vorgeſehen war.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. Mai wurde der Oberlehrer Karl Müller zum Profeſſor er nannt. Am 25. November geruhte Se. Königl. Hoheit der Großherzog, dem Oberlehrer Profeſſor Dr. Wilhelm Zimmermann das Ritterkreuz I. Klaſſe des Philippsordeus zu verleihen.

Bei der Beiſetzung Ihrer Großh. Hoheiten der Prinzen Wilhelm und Heinrich von Heſſen fiel der Unterricht am Vormittag aus; Direktor und Lehrerkollegium beteiligten ſich an den Feierlichkeiten.

Am 13. Mai geleiteten die Lehrer und Schüler den Geh. Schulrat Kuhl, den früheren Leiter der Anſtalt, zur letzten Ruheſtätte. Der Direktor legte mit einem kurzen Nachrufe einen Kranz am Grabe nieder.

Schulfeierlichkeiten fanden am Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin, ſowie am Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers ſtatt. Es ſprachen die Herren Profeſſor Müller über Ludewig I. und Profeſſor Dr. Schneider über Joh. Friedrich Gauß.

Die auf Wunſch von Eltern unſerer Schüler ſeit 1896/97 eingerichteten Arbeitsſtunden wurden von 180 Schülern(V. I. Obertertia) in zehn Abteilungen beſucht und ſind für die meiſten Schüler, die daran teilnahmen, von Vorteil geweſen.

Der fakultative Unterricht in darſtellender Geometrie für die Schüler der Oberprimen wurde auch in dieſem Jahre abgehalten. 17 Schüler nahmen daran teil.

Die phyſikaliſchen Schülerübungen fanden in 3 Abteilungen ſtatt. In jeder übten 6 bis 8 Schüler der Oberſekunda und Unterprima wöchentlich zwei Stunden. Den Uebungen war zu Grund gelegt der Leitfaden für phyſikaliſche Schülerübungen von Dr. Noack(Berlin, Springer 1892).

Auf Veranlaſſung des Herrn Prof. Dr. Lenz, des Mitarbeiters an der deutſchen Zeitſchrift für Aus⸗ ländiſches Unterrichtsweſen, wurden zu Gunſten von deutſchen Schulen im Auslande unter den Schülern Unterhaltungsbücher geſammelt. Es liefen ungefähr 800 Exemplare ein, die zu gleichen Teilen durch die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts in Berlin an die deutſchen Schulen in Victoria in Kamerun, in Windhoek in Deutſch⸗Südweſtafrika und in Curityba in Braſilien geſendet wurden.

Das vom Kaiſerlichen Geſundheitsamte bearbeitete Tuberkuloſe-Merkblatt wurde auf Schulkoſten angeſchafft und am 13. September an alle Lehrer und Schüler der Anſtalt verteilt.