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IV. Geſchichte der Anſtalt.
Der Unterricht im Schuljahr 1898/99 begann am 19. April.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 11. Mai 1898 wurden die Lehramtsaſſeſſoren Kalbfleiſch, Vogt und Wißner zu Lehrern an unſerer Anſtalt ernannt.
Mit Beginn des Schuljahres wurde eine neue proviſoriſche Stelle geſchaffen, und die Verwaltung derſelben laut Verfügung Großh. Miniſteriums vom 26. April 1898 dem Großh. Gymnaſiallehrer Dr. Karl Lindt übertragen, der durch Allerhöchſtes Dekret vom 11. Mai 1898 zum Lehrer der Anſtalt ernannt wurde.
Zur Vertretung der wegen Krankheit im Laufe des Schuljahres beurlaubten Lehrer Profeſſor Dr. Borhauer und Dr. Gaul wurden uns die Lehramtsacceſſiſten Klein und Spiegel durch die Ver⸗ fügungen Großh. Miniſteriums vom 8. Auguſt und 1. Oktober überwieſen.
Der erkrankte Realgymnaſiallehrer Völſing wurde vom 5. Dezember 1898 bis zum 5. Februar 1899 durch die anderen Lehrer der Anſtalt vertreten.
In der Zeit vom 30. Mai bis 8. Juni 1898 nahm Realgymnaſiallehrer Henk an dem dritten archäologiſchen Anſchauungskurſus für bayeriſche und heſſiſche Gymnaſiallehrer teil. Außerdem wurde er am 26. Juni zu einer ſechswöchigen militäriſchen Dienſtleiſtung eingezogen.
Durch Allerhöchſte Dekrete vom 29. Oktober 1898 wurde den Realgymnaſiallehrern Falkenhagen, Heil, Dr. Lindt und Dr. Gaul der Profeſoortitel verliehen.
Während der Pfingſtferien, die wegen baulicher Veränderungen um drei Tage verlängert werden mußten, tagte in Darmſtadt der Verein deutſcher Chemiker. Ihm zu Ehren hielt der unterzeichnete Direktor im Realgymnaſialgebäude einen Vortrag über die Verflüſſigung der Luft nach Linde mit Demonſtrationen.
Infolge Allerhöchſter Entſchließung vom 21. September beſtimmte Großh. Miniſterium des Innern, daß mit Beginn des Winterhalbjahres zunächſt aushülfsweiſe ein pädagogiſches Seminar in Verbindung mit unſerer Anſtalt errichtet werde.
Am 29. November und 15. Dezember beehrte Herr Oberſchulrat Prof. Dr. Dettweiler unſere Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterricht in verſchiedenen Fächern bei.
Zu Spaziergängen wurden folgende Tage benutzt: 5. Mai, 25. Juni(Tagesausflug), 1. November, 13. und 27. Februar. Am 2. Februar wurde den Schülern nachmittags zum Beſuche der Eisbahn frei⸗ gegeben. Wegen der Hitze fiel der Unterricht an 11 Tagen teilweiſe aus.
Am 6. Auguſt fand aus Anlaß des Todes des Fürſten Bismarck eine Trauerfeier ſtatt, bei der Profeſſor Dr. Zimmermann die Feſtrede hielt. Am 25. November beteiligte ſich unſere Schule mit den Klaſſen Ia bis IIIb bei der allgemeinen Feier der Enthüllung des Landesdenkmals für S. Kgl. Hoheit Ludwig IV. Bei der am Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers abgehaltenen Schulfeier hielt Real⸗ gymnaſiallehrer Weyell die Feſtrede.
Die auf Wunſch von Eltern unſerer Schüler ſeit 1896/97 eingerichteten Arbeitsſtunden waren im laufenden Schuljahr ſtärker als bisher beſucht, ein Zeichen dafür, daß dieſe Einrichtung von immer weiteren Kreiſen der Eltern gewürdigt wird.
Der fakultative Unterricht in darſtellender Geometrie für die Schüler der Oberprima wurde auch in dieſem Schuljahre abgehalten. 23 Schüler nahmen teil.
Die phyſikaliſchen Schülerübungen fanden in zwei Abteilungen ſtatt. In jeder übten 6 Ober⸗ ſekundaner wöchentlich zwei Stunden. Den Übungen war zu Grund gelegt der„Leitfaden für phyiitkkaliſche Schülerübungen“ von Dr. Noack(Berlin, Springer 1892) und„A Laboratory Note-Book of Elementary Practical Physics“ by L. W. Wilberforce, M. A. and T. A. Fitzpatrick, M. A. Cambridge. At the University Press 1896. Die Übungen wurden geleitet von Oſtern bis Ende Oktober von Herrn Vogt und von da bis zum Schluß des Schuljahres von Herrn Kalbfleiſch.


