IiILeitülg.
Jahresbericht über das Studienjahr 1875— 76.
Das eben ablaufende Studienjahr, das siebente des Bestehens unserer polytechnischen Schule, war von nicht geringer Bedeutung für deren Einrichtungen und deren Fortent- wickelung. Vor Allem brachte der Beginn desselben unserer Hochschule die gewünschte Vermehrung und Erweiterung ihrer Räumlichkeiten: den provisorischen Neubau in der Heinrichstrasse. Dieses unter der Leitung des Herrn Professor Marx aus- geführte Gebäude ist für die Zwecke unserer Anstalt auf eine längere Reihe von Jahren gemiethet. Mit Anfang November v. J. konnte der gesammte Unterricht im Freihand- zeichnen(Professoren Kumpa und Noack) dahin verlegt werden. Seit Neujahr ist auch die Chemische Technologie, die Mineralogie und die Gesteinslehre(Professor Dr. Thiel) daselbst untergebracht. Im Hauptgebäude unserer Hochschule konnten alsdann weitere Constructionssäle, ferner einige Sammlungsräume und Lehrerzimmer beschafft werden.
In gleicher Weise hat die Vertretung der Stadt Darmstadt ausser ihren regelmässi- gen Zuwendungen extraordinäre Mittel zur Beseitigung der Nebentreppe in unserm Haupt- gebäude bewilligt, wodurch die Herstellung eines neuen Auditoriums und eines weitern Lehrerzimmers ermöglicht wurde. Auch für die Ergänzung der Gaseinrichtungen und sonstiger zur Ausstattung unserer Unterrichtsräume nothwendigen Gegenstände wurden von derselben Stadtvertretung besondere Mittel gewährt.
Auf diese Weise sind manche räumliche Beschränkungen gefallen, welche bisher oft schwer genug den Bestrebungen nach Erweiterungen und Verbesserungen des innern Aus- baues unserer Hochschule hindernd in den Weg getreten waren.
Die äusserst beschränkten Raumverhältnisse des chemischen Labora- toriums, deren wir schon im vorigen Berichte gedachten, haben während des vergan- genen Studienjahres eine nennenswerthe Verbesserung nicht erfahren. Die diesfälligen Verhandlungen mit der Stadt Darmstadt, deren wir gleichfalls im Vorjahre erwähnten, stiessen auf Schwierigkeiten. In Folge dessen musste, um der momentanen Nothlage ab- zuhelfen, ein Souterrain-Raum unseres Hauptgebäudes zu einem Noth-Laboratorium umge- wandelt werden. Für das kommende Studienjahr wird jedoch auch diesen Uebelständen in ausgiebigerer Weise abgeholfen sein, indem während der Herbstferien im Hofraume unseres Hauptgebäudes ein Barackenbau für die Zwecke des chemischen Laboratoriums ausgeführt werden wird.


