Jahrgang 
1930
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Schule eingerichtete Schülerſelbſtverwaltung in allen Klaſſen iſt ein erfolgreicher Verſuch, unſeren Schülern zu dieſer Selbſtändigkeit zu verhelfen. Das Gefühl eigener Kraft erweckt Freudigkeit. Der bekannte RufMehr Freude darf auch im Schulleben, und gerade hier gelten; auch die Schul⸗ arbeit bedarf der Unterbrechung. AlsFeſt frohen Zukunftsglaubens vom damaligen Landesamt für das Bildungsweſen eingerichtet, wird ſeit 1921 alljährlich im Sommer das Jugenôfeſt gemeinſam von der ganzen Schule begangen. Klaſſenſpaziergänge, ein⸗ oder mehrtägige Ausflüge dienen dem gleichen Ziel; ebenſo die nach dem Krieg von der Schule geförderte Teilnahme der Schüler an dem künſtleriſchen Leben, ſei es durch Beſuch von Theater und Konzerten, ſei es durch eigene Ver⸗ anſtaltungen. In den Dienſt der Errichtung des Gedenkbrunnens haben ſich größere Aufführungen unſerer Schüler(Konzerte, Theateraufführungen für die Öffentlichkeit) oder kleinere Darbietungen im engeren Kreis der Schule geſtellt; durch erhöhte Pflege des Chorgeſangs und die Schaffung eines Schülerorcheſters, erfahren alle feſtlichen Veranſtaltungen der Schule wertvolle Bereicherungen.

Zu allſeitig aufnahmefähigen und offenen Menſchen verſucht die Schule an ihrem Teil ihre Zöglinge zu erziehen, aber auch zu ernſten Staatsbürgern. In den ſchweren Tagen des Waffen⸗ ſtillſtandes hat einſt der damalige Direktor der Schule, Dr. Pitz, die Schüler auf die ſich für ſie aus Kriegsende und Staatsumwälzung ergebenden ſchweren Pflichten hingewieſen. Seit Jahren wiid am 11. Auguſt gemeinſam die Verfaſſungsfeier begangen, und der im neuen Staat eingerichtete Staatsbüurgerliche Unterrricht ſoll unſeren Schülern Verſtändnis für die geſchichtliche Entwicklung, Kenntnis des heutigen Staatslebens, Teilnahme für die äußeren und inneren Nöte unſeres Volkes, Fähigkeit und Bedürfnis zur freudigen Mitarbeit geben:Deutſchland, Deutſchland über alles, und im Unglück nun erſt recht ſoll bei Schulfeiern unſere Jugend aus Herzensgrund ſingen. Sie ſoll offen werden für die deutſche Not auch außerhalb der deutſchen Staatsgrenzen. Seit 1921 als loſe Vereinigung, ſeit 1925 als feſte Einrichtung beſteht an unſerer Schule eine Schulgruppe desVer⸗- eins für das Deutſchtum im Kusland. Dank opferfreudiger Tätigkeit unſerer Schüler bei den Werbeveranſtaltungen des V. D. A. und aus ihren monatlichen Beiträgen iſt es dem Leiter der Gruppe möglich geweſen, 1925 1929 rund 700 NM. den hohen Zielen des Vereins zuzuführen. Solcher Leiſtung unſerer Schüler in heutiger Zeit gebührt der herzlichſte Dank. An den jährlichen Pfingſt⸗ tagungen haben ſtets eine Reihe von Schülern teilgenommen, die ſie nach Kufſtein, Hirſchberg i. Schl., Gnunden und Kiel bisher geführt haben. An ernſten und freudigen Tagen unſeres öffentlichen Lebens, in dem ſie als Männer einſt ſtehen ſollen, haben unſere Schüler teilgenommen. Des Meuchelmordes an dem Reichsaußenminiſter Dr. Rathenau, des Todes des erſten Reichspräſidenten, Ebert, am 28. 2. 1925 wurde in der Schule gedacht, den Beſuch des derzeitigen Reichsoberhaupts in Darmſtadt hat die Anſtalt in geſchloſſenem Spalier mitgefeiert. Ebenſo durfte ſie die Gedächtnistage geiſtiger Heroen Deutſchlands und des außerdeutſchen Europa in Gedenkfeiern miterleben. Dantes 600 jähr. Todestag, 14. 9. 1921, Kants 200 jähr. Geburtstag, 22. 4. 1924, Klopſtocks 200 jähr. Geburtstag, 2. 7. 1924, Peſtalozzis 100 jähr. Todestag 17. 2. 1927, Beethovens 100 jähr. Todestag 26. 3. 1927 und Schuberts 100 jähr. Todestag am 19. 11. 1928, letzteren durch eine Schulfeier und ein gemeinſam mit dem Verein der Freunde der Realanſtalten veranſtaltetes öffentliches Konzert im Saalbau, am 2. 12. 1928, unter Leitung des Herrn Muſikoberlehrers Pfaff. Beſonderer Dank gebührt Herrn Studienrat Dr. Stiefenhofer(Aufbauſchule) und Herrn Komponiſten Peterſen, Darmſtadt, für ihre ausgezeichnete Darbietung von SchubertsWinterreiſe am 19. 11. 1928, Herrn Dr. Stiefenhofer, und der Frau Profeſſor Kleinen für ihre uneigennützige Mitwirkung bei unſerem Konzert. Frau Prof. Kloos für ihren ſchönen Vorſpruch. Bei der öffentlichen Feier des 200 j ährigen Geburtstages Leſſings waren Schüler unſerer Anſtalt vertreten in dem aus allen höheren Lehranſtalten zuſammengeſtellten Chor und Orcheſter. Eines aufrechten Mannes aus dem geiſtigen und politiſchen Leben Deutſchlauds, Ferdinand Freiligraths, wurde an ſeinem 50 jährigen Todestag am 18. 3. 1926 in einer gemeinſamen Schulfeier gedacht. Am 13. 3. 1929 war durch teilweiſen Ausfall des Unterrichts dem Lehrkörper der Schule Gelegenheit gegeben, ſich an der Beerdigung des hochverdienten Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt, Dr. Gläſſing, zu beteiligen; Herr Oberſchulrat Ritzert, Direktor des Realgymnaſiums, legte im Namen der 7 höheren Schulen Darmſtadts, als Zeichen des Dankes für Alles, was der Verſtorbene für die höheren Schulen Darmſtadts getan, einen Kranz nieder.