Jahrgang 
1915
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In den Sommerferien wurden mehrere Schüler, die im zweiten Jahre die Oberſekunda be ſuchten, mit dem Reifezeugnis für Ib, ferner zwei Repetenten der Unterſekunda und einige Unter⸗ ſekundaner, die in das Heer eintraten, mit dem Reifezeugnis für den einj.⸗freiw. Militärdienſt entlaſſen. Notprüfungen für unſre Schüler, die in das Heer eintraten oder in der Krankenpflege oder auf einem Militärbüro Beſchäftigung annahmen, wurden abgehalten. In und nach den Sommerferien unterzog ſich bei uns eine größere Zahl von Nichtſchülern der Prüfung für den einj⸗freiw. Militärdienſt, ſo⸗ wie der Prüfung für die Reife für la, Ib, Ila. Eine Anzahl Schüler wurde für Mithilfe bei den Erntearbeiten beurlaubt. Von den Sommerferien bis Herbſt wurden die wenigen übrig gebliebenen Oberprimaner im Unterrichte faſt ausſchließlich mit den Unterprimanern vereinigt. Der Zeichen⸗ unterricht und die meiſten Turnſtunden fielen aus. Die einzelnen Lehrer erhielten einige Zuſatzſtunden im Unterricht. Dadurch wurde es ermöglicht, mit 1 Lehrer, Herrn Lehramtsaſſeſſor Hilsdorf als Vertreter, zunächſt auszukommen. Mit Beginn des Winterſemeſters trat Herr Prof. Rothermel wieder in ſeinen Dienſt ein. Herr Edelmann erhielt außer den ihm übertragenen Stunden noch den ſelb⸗ ſtändigen Unterricht in Deutſch in IIb und VI. Für la konnte jetzt wieder der Unterricht beinahe vollſtändig eingerichtet werden. Auch der Zeichenunterricht wurde vom 9. November an wieder auf⸗ genommen, indem Herr Architekt Leonhard Kraft uns als Vertreter überwieſen wurde. Herrn Lehr⸗ amtsaſſeſſor Edelmann wurde vom 7. Januar an die volle Vertretung einer Lehrerſtelle übertragen. Ferner erhielten wir vom 7. Januar an Herrn Lehramtsaſſeſſor Goes als Vertreter des Herrn Prof. Weyell.

Gegen Ende November traten für kurze Zeit 9 Flüchtlinge aus Schleſien als Gaſtſchüler in unſere Oberklaſſen ein.

Gemäß Miniſterial⸗Verfügung erhielten die 5 Abiturienten, die im Auguſt in das Heer ein⸗ getreten waren, am 2. Januar auf Grund ihrer im Auguſt beſtandenen Notreifeprüfung das Reife⸗ zeugnis. Ebenſo wurde am Schluß des Schuljahres 2 Abiturienten, die ſich verpflichteten, während der ganzen Dauer des Krieges beim Roten Kreuz tätig zu bleiben, mit Anerkennung ihrer im Auguſt beſtandenen Notreifeprüfung das Reifezeugnis ausgeſtellt. Außer 3 Abiturienten, die in der Schule geblieben waren, nahmen nach Weihnachten 9 Abiturienten wieder an dem Unterrichte teil. Für dieſe 12 fand am 1. März unter dem Vorſitz des Unterzeichneten, die Reifeprüfung ſtatt. Sämtliche Schüler beſtanden die Prüfung; 11 wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Da unſer Geſanglehrer zum Heer eingezogen war, wurde an Großherzogs⸗ und Kaiſers Geburtstag an unſrer Schule keine gemeinſame Feier veranſtaltet, vielmehr in den einzelnen Klaſſen durch Anſprachen der Bedeutung des Tages gedacht.

Am 7. Dezember hielt Herr Doſe, Vorſtandsmitglied des deutſchen Flottenvereins, unſern Schülern einen Vortrag über die deutſche Marine und überließ uns von dem gezahlten Eintrittsgelde 29 Mk. für das Rote Kreuz.

Viele unſrer Schüler beſorgten ſeit Mobilmachung als Radfahrer regelmäßig Aufträge des Roten Kreuzes; einzelne Schüler ſtellten ſich dem Roten Kreuz beim Eiſenbahnverkehr zur Verfügung. An vier Tagen halfen der ſtädtiſchen Verwaltung unſre Unterprimaner bei der Regelung der Brot⸗ und Mehlvorräte, ebenſo mehrere Unterſekundaner an einem Nachmittag bei der Einſammlung von Kleidern und Wollſachen.

In das Heer traten als Kriegsfreiwillige nach der Mobilmachung ein: Aus Oberprima Geibel, Hechler, Huſar, Knapp, Ortwein; aus Unterprima Schwank(im Auguſt), Feil(im Dezember); Bücking wurde Ende Oktober eingezogen; aus Oberſekunda Petri; aus Unterſekunda Jacobſen und John.

. Nach Verfügung Großh. Miniſteriums fiel an Faſtnacht im Hinblick auf den Ernſt der Zeit der Unterricht nicht aus.

Herr Prof. Laufer war krankheitshalber von Weihnachten bis Oſtern beurlaubt. Seine Stunden übernahm Mitte Februar Herr Pfarrer Fink in V VI, Herr Kaplan Jung in I- IIlb.

Leider ſtarben zwei brave Schüler unſrer Anſtalt, Karl Eymann, Klaſſe IIIbe, am 16. April nach einer ſchweren Blinddarmentzündung und Friedrich Rauſch, Klaſſe IIla, am 12. Februar an Nierenkrankheit.

Ende Februar und anfangs März fanden auf unſre Anregung Goldſammlungen durch unſre Schüler ſtatt. Schon nach kurzer Zeit wurden uns 2½000 Mk. Gold abgeliefert und bei hieſiger Reichsbank gegen Papiergeld eingezahlt.

Einer Verfügung Großh. Miniſteriums entſprechend, wird der letzte Schultag vor den Oſter⸗ ferien dem Gedenken Bismarcks anläßlich ſeines 100. Geburtstages gewidmet; den vereinigten Klaſſen IbIIb wird von Herrn Prof. Dr. Dietz, den Klaſſen IIla und IIIb von Herrn Prof. Dr. Sturmfels und den Klaſſen IV VI von Herrn Liſtmann eine entſprechende Anſprache gehalten.