Jahrgang 
1897
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Herrn Reallehrer Heinrich Getroſt wurde von Großh. Miniſterium ſein Urlaub nach Italien bis zum Schluſſe der Pfingſtferien 1896 verlängert, und mit ſeiner Stellvertretung wurden weiter die Herren Brückel und Repp betraut.

Der Geſundheitszuſtand war bei Lehrern und Schülern ein günſtiger. Nur Herr Prof. Dr. Schmehl wurde im März 1896 wegen Erkrankung länger als eine Woche vertreten. Auch mußte der katholiſche Religionsunterricht wegen Erkrankung des Herrn Gymnaſiallehrers Laufer vom 7. September bis 7. November 1896 ausfallen.

Am 3. März 1897 ſtarb nach längerem Krankenlager Joſeph Heiniſch aus Klaſſe 5 b, tief betrauert von ſeinen Eltern, Lehrern und Mitſchülern. Wir verloren in ihm einen braven, gewiſſen⸗ haften Schüler und werden ſein Andenken in Ehren halten.

Am 19. Oktober 1896 konnten wir den lang erſehnten Umzug in die für unſere Schulzwecke eingerichteten und neu hergeſtellten Räume des früheren Gebäudes der techniſchen Hochſchule bewerk⸗ ſtelligen, nachdem mit Genehmigung Großh. Miniſteriums zur Fertigſtellung der Bauarbeiten die Herbſtferien um 8 Tage verlängert worden waren. Gehobenen und dankbaren Herzens verſammelten ſich Lehrer und Schüler vor Eröffnung des Unterrichtes in dem einfach⸗ſchönen und zweckentſprechend ausgeſtatteten Feſtſaal, um durch eine kleine, würdige Schulfeier unſerer großen Freude und unſerem tiefgefühlten Dank Ausdruck zu verleihen. In Vertretung der hohen vorgeſetzten Behörde war der Herr Geheime Oberſchulrat Soldan erſchienen. Herr Oberbürgermeiſter Morneweg, die Direktoren der andern hieſigen höheren Lehranſtalten, Vertreter der ſtädtiſchen Behörden und zahlreiche Mitglieder der Stadtverordnetenverſammlung beehrten uns und die Feier mit ihrer Gegenwart. Der Berichterſtatter dankte vor allem hoher Schulabteilung für das reiche Wohlwollen, das ſie unſerer Schule bei jeder Gelegenheit erwieſen. Der Verwaltung und Vertretung der Stadt aber erſtattete er aufrichtigſten, wärmſten Dank für die Großherzigkeit und Freigebigkeit, mit der ſie unſerer Schule die im Jahre 1845 zuerſt über⸗ wieſenen und im Jahre 1872 verlaſſenen Schulräume ganz und in reicher, neuer Ausſtattung zurück⸗ gab. Er verſprach weiter im Namen von Lehrern und Schülern, daß wir uns dieſer reichen Gabe wie ſeither durch treueſte Pflichterfüllung und Hochhaltung aller erziehlichen Ideale würdig erweiſen wollten. Nicht im Gegenſatz, ſondern in Nacheiferung mit den humaniſtiſchen höheren Anſtalten erſtrebten wir mit dieſen das gleiche Ziel der Erziehung und Ausbildung der uns anvertrauten Jugend zu einer

idealen Auffaſſung des Lebens und ſeiner höchſten Aufgaben. Ein Rundgang durchdieweiten, ſchönen und geſunden Räume der Schulebeſchloß unſere Einweihungsfeier.

Das ſtattlich ſchöne Schulhaus gereicht der Geberin, unſerer lieben Vaterſtadt Darmſtadt, zur hohen Zier und Ehr'.

Eine eingehende Beſprechung der inneren Einrichtung unſeres Hauſes finden wir bereits vor ſeiner Vollendung in einer bei Herrn L. Pabſt dahier im Jahre 1843 erſchienenen Druckſchrift. Sie führt den Titel: Über Zweck und Einrichtung der höheren Gewerbeſchule des Großherzogtums Heſſen und der damit verbundenen Realſchule zu Darmſtadt von ihrem Direktor Dr. Theodor Schacht, Mitglied des Oberſtudien⸗ und Oberſchulrats, nebſt einer lithographiſchen Beilage. Die Erläuterung des dieſer Schrift beigegebenen Riſſes des damals bereits begonnenen Gebäudes rührt von dem ver⸗ ſtorbenen Herrn Baurat Harres, Lehrer der Architektur an der Anſtalt und Verfaſſer des Bauplans, her. Die ſtädtiſche Bauleitung hat bei den Erneuerungs⸗ und Wiederherſtellungsarbeiten dieſen alten Riß zu Grunde gelegt. Nur iſt der ſchon ſeit 1872 gefallene eigene Treppenaufgang für die früher im Weſtflügel untergebrachte, 1843 nur 4 Klaſſen zählende Realſchule nicht wieder hergeſtellt worden.