Jahrgang 
1896
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Die 25 jährige Erinnerungsfeier zur Wiederaufrichtung des Deutſchen Reiches und der Kaiſer⸗ proklamation in Verſailles am 18. Januar 1896 geſtaltete ſich wiederum beſonders feſtlich. Nachdem in den einzelnen Klaſſen die Ordinarien ihren Schülern die Bedeutung des Tages in der ihrem Alter entſprechenden Weiſe klargelegt hatten, begab ſich die geſamte Schule in die Turnhalle, wo nach Chor⸗ geſängen und Deklamationen der Direktor die eigentliche Feſtrede hielt. Er gab darin einen Überblick über die Einheitsbeſtrebungen der Deutſchen von den Karolingern an und deren wiederholte Miß⸗ erfolge im Laufe der Jahrhunderte. An der Hand dieſer Überſicht ſuchte er zu zeigen, welche Ge⸗ fahren durch Hingabe an Sonderbeſtrebungen und falſchen Idealismus der glücklich errungenen Einheit drohen, und wie nur durch ſelbſtloſe, pflichtvolle und in gewiſſem Sinne nüchterne Hingabe an Fürſt und Vaterland, Kaiſer und Reich das teuer und ſchwer Erkämpfte erhalten werden könne.

Der Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers brachte uns wenige Tage ſpäter eine weitere Schulfeier, bei der Herr Reallehrer Schmid ein anregendes Bild der Jugendzeit Kaiſer Wilhelms I. und damit der Zeit unſerer tiefſten Erniedrigung entrollte, aber auch die geſchichtliche Notwendigkeit einer gründlichen Abrechnung mit dem alten Erbfeinde unſeres Volkes zeigte, wie ſie uns der große Krieg der Jahre 1870/71 endlich gebracht hat.

Die vorgeſchriebenen monatlichen Spaziergänge fanden regelmäßig ſtatt.

Wegen allzugroßer Hitze fiel der Unterricht an elf Nachmittagen aus.

VI. Mitteilungen an die Eltern und Bekanntmachung.

Wir halten es für angezeigt, wieder einmal auf die Frage der häuslichen Arbeiten zurückzu⸗ kommen. Bekanntlich erſtrebt die Schule, durch dieſe nicht nur ihre Zöglinge zu einer Wiederholung und Vertiefung des in der Stunde Erlernten und Erworbenen zu veranlaſſen, ſondern ſie vor allem zur Selbſtthätigkeit und zu ſelbſtändigen Leiſtungen heranzuziehen, ohne freilich die zur geiſtigen und leiblichen Erholung nötige Zeit verkümmern zu wollen. Hierbei können wir aber die Mithilfe des Elternhauſes nicht entbehren. Dieſes allein iſt im ſtande, den häuslichen Fleiß, wie das geſamte Treiben und Verbleiben ſeiner Kinder in der ſchulfreien Zeit zu überwachen.

Sollte es wider unſeren Willen einmal vorkommen, daß das den Schülern bekannte Maß der häuslichen Arbeitszeit überſchritten würde, ſo bitten wir dringend darum, den betreffenden Klaſſenführer oder den Direktor hiervon in Kenntnis zu ſetzen.

Nur bitten wir, keinerlei anonyme Anzeigen an uns gelangen zu laſſen. Dieſe können weder die gewünſchte Berückſichtigung finden, noch zur nötigen Aufklärung dienen.

Die Geſuche um Gewährung einer Freiſtelle müſſen bekanntlich jedes Jahr erneuert werden. Wir bitten darum, dieſe ſpäteſtens bis zum 1. April bei der Direktion einzureichen.

Austrittsanzeigen müſſen der Direktion ſchriftlich übergeben werden.

Die Angehörigen auswärtiger Schüler unterſtützt der Direktor gern bei Auswahl der Penſion und der zuverläſſigen Unterbringung ihrer Kinder. Auf alle Fälle iſt die Zuſtimmung des Direktors zu dieſer erforderlich, ebenſo wie derſelbe auch von jeder Veränderung in Penſion oder Koſthaus rechtzeitig in Kenntnis geſetzt werden muß. Kein Schüler darf an einem Wirtstiſche ſeine Koſt nehmen.