Jahrgang 
1893
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VII. Bekanntmachung und Mitteilung an die Eltern.

Unſere letztjährige Bitte an die Eltern, durch eine ſorglame Ueberwachung des häus- lichen Fleißes und eine ununterbrochene Prüfung und Beobachtung der Zeiteinteilung ihrer Kinder, der Schule zu Hülfe zu kommen, hat, wahrnehmbar wenigſtens, nicht den er- wünſchten Erfolg gehabt. Es iſt kaum anzunchmen, daß die zuläſſige häusliche Arbeitszeit in der That auch in den meiſten Fällen zu einer geregelten Arbeit verwendet wird. Einen mittelbaren Beweis für unſere Vermutung, mindeſtens für eine recht ſchlechte Zeiteinteilung, glauben wir darin zu finden, daß gerade nach Sonn- und Feiertagen die häuslichen Arbeiten bei vielen Schülern recht viel zu wünſchen übrig laſſen.

Häufig haben wir auch Eltern den Verſuch empfohlen und erſolgreich gefunden, den Kindern nicht den Hõchſtbetrag der häuslichen Arbeitszeit zu geſtatten, ſondern ſie zu veranlaſſen, in Zuſammenhaltung ihrer Geiſteskräfte, mit entſchiedener Willensſtärke und Arbeitsluſt, den auf- gegebenen Lernſtoff in kürzeſter Zeit zu bewältigen. Man bekämpft hierdurch am beſten den angeborenen Trieb zu geſchäftigem Müßiggang, ſowie den jugendlichen Hang zu Träumerei und Zerſtreutheit.

Dieſer Untugend muß das Elternhaus auch ſonſt auf jedmögliche Weiſe ſtetig und kraft- voll entgegentreten. Auch die Erholung und das Vergnügen ſoll zu dieſem Zwecke innerhalb gebührlicher Grenzen gehalten werden. Iſt es nötig, daß zu einem Bade im großen Woog 34 Stunden verplempert werden, daß bis zur Uebermüdung und Erſchlaffung nach- mittagelang dem Eisſport gehuldigt wird? Iſt es nicht bedenklich dazu und förderlich für die Ueberſättigung und Unempfänglichkeit unſerer heutigen Jugend, wenn die älteren Schüler ſtundenlang gedankenlos in wenigen Straßen der Stadt herumſchlendern, oder wenn ſelbſt jüngere auch nicht den kleinſten Spaziergang unternehmen mõgen, ohne daß derſelbe mit der Einkehr zu einem Glaſe Bier belohnt wird? Muß endlich für den Weg von und zur Schule sfach die dazu nötige Zeit verbraucht werden?

Auch hier heifst es Maß halten in allen Dingen.

Wenn wir zur Verhütung und Ausmerzung ſolcher inhaltsloſen Zerſtreuungen und Genüſſe die Mithilfe des Elternhauſes beſonders dringend und herzlich begehren, bitten wir auch die Eltern, einerſeits bei ſorgfältiger Selbſtbezwingung und Wahrung des nötigen Ernſtes und des elterlichen Anſehens, wohl Maß zu halten in der von aller Härte freien Weiſe, mit der Ver- ſäumniſſe, Vergehen und Ueberſchreitungen der Jugend beſtraft werden, andererſeits aber auch den Kindern gegenüber an ſich zu halten in übertriebener Nachſicht und Schwäche bei jeglicher Untugend und Ausſchreitung und in der Gewährung einer ſchrankenloſen, eigenwilligen Aus- nutzung der Erholungs- und Arbeitszeit.

Austrittsanzeigen müſſen ſchriftlich der Direktion überreicht werden.

Die Angehörigen auswärtiger Schüler unterſtützt der Direktor gern bei Auswahl der Penſion und der zuverläſſigen Unterbringung ihrer Kinder. Auf alle Fälle iſt die Zuſtimmung des Direktors zu dieſer erforderlich, ebenſo wie derſelbe auch von jeder Veränderung in Pen- ſion oder Koſthaus rechtzeitig in Kenntnis geſetzt werden muß.