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planmässigen Kombinationen in den starken unteren Klassen wohl nicht länger durchführbar sind. Das Einleben in die neuen Verhältnisse gelang ohne wesentliche Schwierigkeit beson- ders dank der liebenswürdigen Aufnahme und selbstlosen Unterstützung, die Herr Direktor Kunl dem Referenten stets zu teil werden liess nnd durch das herzliche Entgegenkommen und die einmütige Hülfe, die ihm seine Kollegen erwiesen. Es sei dem Referenten gestattet hierfür seinen innigen Dank auch an diesem Orte auszusprechen.
Leider erlitt der Vorsommer wegen der anhaltenden Hitze ferner unliebsame Unterbre- chungen. An 8 Nachmittagen musste innerhalb 6 Wochen der Unterricht ausfallen. Besser konnte der Störung begegnet werden, die eine erneute längere militärische Dienstleistung des Reallehrers HEis zu bringen drohte, indem Volontär SINXNIGSON während der ganzen Zeit des- sen volle Vertretung in grösster Uneigennützigkeit übernahm. Am 17, Juni wohnte der Herr BiscHloF vox MAINz dem römisch-katholischen Religionsunterricht sämtlicher Klassen bei. Die Feier des Sedanfestes musste des fehlenden Gesangunterrichts wegen auf Ansprachen in den einzelnen Klassen beschränkt bleiben; auch konnte die Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs nur durch einen kleinen Schulaktus mit einer Festrede des Kollegen DR. BERHNE über die Zeit des Ministers von Gagern und dessen Bestrebungen gefeiert werden. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde wieder nur durch Einzelfeiern in den Klas- sen begangen. Zu einer gemeinsamen Festlichkeit reichten unsere Gesangeskräfte noch nicht aus. Da nämlich schon im Beginn des Schuljahrs Herr Cantor VéLSING aus Gesundheitsrück- sichten seine Stelle als Gesanglehrer der Realschule niedergelegt hatte und Verhandlungen mit anderen geeigneten Lehrkräften nicht zum gewünschten Ziele führten, so konnte erst Ende August der Singunterricht wieder aufgenommen werden, als infolge ministerieller Verfügung Kollege Kasstik behufs Uebernahme dieses Unterrichtszweiges durch Volontär SIEonRr um 6 Stunden wöchentlich entlastet wurde. Von Ende October bis Anfang Februar wirkte mit diesem noch Volontär WALGER an unserer Anstalt. Wir verloren denselben ungern, als er zur Vertretung eines erkrankten Kollegen nach Alsfeld gesandt wurde. Ausserdem war es dem Turnlehrer- aspiranten Georg PFEIEER gestattet worden, den Purnstunden des Kollegen HEiss beizuwohnen.
Durch ministerielle Verfügung vom 30. Oktober wurde Lehramtsaccessist W. ScHuLEUSSNERR zur Ablegung seines Accesses an unserer Schule zugelassen.
Am 1. December wurde durch Allerhöchste Verfügung der Gr. Reallehrer DR. Nis an das Gymnasium und die Realschule zu Worms versetzt. Zugleich wurde zum Ersatz des Scheidenden der prov. Gymnasiallehrer DR. FiscHER zum ordentlichen Lehrer an unserer An- stalt ernannt. Derselbe ist geboren zu Nieder-Erlenbach, Kreis Friedberg, am 27. April 1863 und erhielt seine Ausbildung in dem Realgymnasium zu Darmstadt, woselbst er auch das Ma-— turitätsexamen im Jahre 1880 bestand. Nach Ablegung seiner Fakultätsprüfung trat er 1884 als Accessist in das Gymnasium zu Darmstadt ein, um dort mit kurzer Unterbrechung bis zu seiner definitiven Anstellung zu wirken. Er besitzt die fac. doc. für Physik, Mathematik und Chemie.
Vom 6. bis 9. Dezember war die Schule wegen der Anwesenheit des Kaisers geschlos- sen. Die Schüler beteiligten sich bei dem feierlichen, grossartigen Empfang an der Spalierbildung. So herrlich und erhebend dieser Augenblick auch war, wurde unsere Jugend nicht minder in patriotische Begeisterung versetzt, als der jugendliche, aber zielbewusste Herrscher die hessischen


