Jahrgang 
1890
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Aber auch die Zeit der Selbständigkeit für unsere Schule ging bald wieder vorüber durch die im Jahre 1873 erfolgte Errichtung der Realschule I. Ord., mit der sie weiter ein lebendiges Ganze bilden sollte. Es gereichte dies unserer Anstalt auch bald zum handgreiflichen Gewinn, als sie mit der schnell und üppig heranwachsenden jüngeren Schwester 1879 den prachtvollen Neubau beziehen durfte. Unter den folgenden Herren Direktoren ALBERT und Kun vermehrte sich die Schülerzahl der vereinigten Anstalten der Art, dass sich der letztere veranlasst sah bei der vorgesetzten Behörde die Trennung autf's nachdrücklichste zu betreiben. Dank der Initiative Grossh. Ministeriums und dem bereitwilligsten Entgegenkommen der städtischen Behörden konnte die Selbständigmachung der Schule, nach erfolgter Genehmigung durch beide Häuser des Landtages im Frühjahr 1889, schon für das Sommerhalbjahr ds. J. in Aussicht genommen werden. Nachdem Seine Königliche Hoheit der Grossherzog die Ermächtigung hierzu gnädigst erteilt hatte, erfolgte in kürzester Frist die Erledigung aller einschlägigen Detailfragen. Die Vertretung der Stadt bewilligte in grossherziger Freigebigkeit über 20 000 Mk. als erste Aus- steuer der grossjährig gewordenen Schule, worin sich Summen von je 3000, 700, 800, 400& 300 Mk. für Ausstattung des physikalischen Kabinetts, chemischen Laboratoriums, der Natu- raliensammlung, sowie für Landkarten und Schülerbibliotheken befinden. Das städtische Bau- amt nahm die Restauration der Schulräume im Pädagog& Kieritz'schen Stift engerisch in die Hand; die Beschaffung der fehlenden Schulgeräte wurde schleunigst ausgeschrieben und vergeben. Wir können uns nicht versagen bei dieser Gelegenheit der Vertretung der Stadt und sämtlichen städtischen Behörden für alle der Realschule zugewiesenen Wohlthaten pfficht- schuldigen und warm gefühlten Dank auszusprechen.

Durch allerhöchste Verfügung vom 1. April 1889 wurde für die Anstalt ein eigener Direktor in der Person des Referenten ernannt. Derselbe hat unserer Anstalt von 1859 bis 63 als Schüler und von 1877 bis 80 als Lehrer angehört. In den letzten sechs Jahren leitete er als Direktor die Grossh. Realschule zu Oppenheim.

Durch Verfügung Sr. Kl. Hoheit des Grossherzogs vom 2. April wurden die Lehrer der gemeinsamen Anstalt durchgeteilt und unserer Schule die Kollegen DR. ZIMMERMANN, WüRTI, DR. NES, DR. UNvERZAGT, DR. ScCHMEHIL, Da BEHNE, DR. WEINSHEIMER, FEDER, KASSLICk, TöRK& HEiss überwiesen. Durch ministerielle Verfügung vom 13. Mai wurde provisorisch die Teilung der beinahe 60 Schüler zählenden dritten Klasse genehmigt. Durch Verfügungen von demselben Tage und vom 27. April waren die Accessisten ScüMul& DR. DrrTMAR zu provisorischen Lehrern an unserer Anstalt ernannt worden. Ersterer besitzt die fac. doc. für Physik, Chemie und beschreibende Naturwissenschaften, letzterer diejenige für Physik, Mathe- mathik& Mineralogie. Auf Wunsch und Antrag des neuernannten Directors bewilligte die Stadtvertretung nachträglich dankenswerterweise nahezu 2000 Mk., um die nicht hellen Schul- räume des Pädagogs durchgängig mit Gasleitung zu versehen. Das physikalische Kabinett und chemische Laboratorium wurden nach Angabe des Referenten mit Wasserleitung und dem nötigen Inventar reichlich ausgerüstet. Trotz aller Anstrengung konnte jedoch die städtische Bauleitung die vielerlei Arbeiten nicht zum Beginn des Sommerhalbjahrs am 29. April fertig- stellen, sodass die Osterferien bis zum 16. Mai verlängert werden mussten.

Das neue Schuljahr begann mit der Aufnahme von 100 neu angemeldeten Schülern, so- dass die Schule den höchsten bis jetzt erreichten Stand von 426 Schülern erlangte und die