Jahrgang 
1877
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Dadurch wurde leider auch in diesem Jahre ein tief eingreifender Lehrerwechsel herbeigeführt, was natürlich nicht ohne Rückwirkung auf den ungestörten Unterrichtsgang bleibt.

Anstatt des Herrn Soldan wurde der seitherige Rector der hiesigen Mittelschule, Herr Dr. August Freiherr von Gall durch Allerhöchstes Dekret vom 9. März 1877 zum Lehrer an der Realschule ernannt. Für das Sommerhalbjahr versieht er nebenbei noch die Direction der Mittelschule.

Herr Dr. Hangen, dessen Stelle nicht sofort wieder besetzt werden konnte, erklärte sich bereit, bis zum Schlusse des Schuljahrs noch 9 Unterrichtsstunden fort zu geben; seine 12 anderen Unterrichts- stunden wurden während des Sommerhalbjahrs von anderen Reallehrern vicarirt.

Mit Beginn des neuen Schuljahres wird an dieser Stelle eintreten Herr Conrector Dr. Hermann Behne zu Otterndorf bei Cuxhaven, zum Lehrer an hiesiger Realschule ernannt durch Allerhöchstes Dekret vom 16. April 1877 mit Wirkung vom 1. October l. J. Für Herrn Walther trat am 28. Mai I. J. Herr Joseph Papst ein, bisher Reallehrer in Alzey, durch Allerhöchstes Dekret vom 5. Mai 1877 an die Realschule nach Darmstadt versetzt.

Dr. August Freiherr von Gall, geboren zu Bessungen den 26. Februar 1846, bestand nach Absolvirung der Grossh. Realschule und der allgemeinen Klassen der höheren Gewerbschule zu Darmstadt die Maturitätsprüfung im September 1863 an der letztgenannten Schule. Er widmete sich dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften vom Februar 1863 bis 1864 in der chemisch-tech- nischen Fach-Klasse der höheren Gewerbschule und von 1864 bis Herbst 1868 an der Landesuniversität Giessen. Nachdem er im Herbst 1866 die nachträgliche Prüfung in der Religionslehre, im Griechischen und Lateinischen an dem Gymnasium zu Darmstadt und im August 1868 die Facultätsprüfung für das Gymnasiallehramt vom mathematischen Standpunkte aus bestanden, wurde er im August 1868 zur Ableistung des pädagogischen Probejahres unter gleichzeitiger Verwendung als wissenschaftlicher Hilfslehrer an dem Gymnasium und der damit verbundenen Realschule I. Ordnung zu Minden durch Dekret des Ministers der geistlichen Angelegenheiten zugelassen. Nach Beendigung desselben erhielt er am 1. Oktober 1869 eine ordentliche Lehrerstelle an dem Fürstlich Lippischen Gymnasium zu Lemgo als Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften für die oberen Klassen. Durch Dekret Grossh. Ministeriums des Innern vom 28. Juli 1874 wurde ihm mit Wirkung vom 29. September 1874 die Rectorstelle an der Mittelschule für Knaben in Darmstadt übertragen; durch Dekret Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs vom 9. März 1877 wurde derselbe zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1877 ernannt.

Joseph Papst wurde am 15. März 1841 zu Darmstadt geboren. Er besuchte daselbst die Privat- lehranstalt des Herrn Schmitz, bis er Ostern 1852 in das Gymnasium zu Darmstadt überging. Nach- dem er im Herbste 1858 das Maturitätsexamen bestanden, bezog er die Universität Giessen. Dort absolvirte er im Herbst 1862 das Examen für die Gymnasial-Lehramts-Canditatur vom philologischen Standpunkte aus. Den vorgeschriebenen Access machte er an dem Gymnasium zu Darmstadt, war aber zugleich als Lehrer an dem Knaben-Institute des Herrn Schmitz thätig, an welcher Anstalt er bis Ostern 1866 wirkte. Durch Verfügung Grossh. Oberstudien-Direction vom 19. März 1866 wurde er zunächst als Vicar an der Grossh. Realschule zu Alzey verwendet, bis ihm eine in Folge der Er- weiterung dieser Anstalt neu errichtete Lehrerstelle durch Allerhöchstes Dekret vom 23. November 1867 definitiv übertragen wurde. Nach 11 jähriger Wirksamkeit an der Realschule zu Alzey wurde er durch Allerhöchstes Dekret vom 5. Mai 1877 zum Lehrer an der hiesigen Realschule ernannt.

Herr Hofkupferstecher Karl Rauch, welcher seither als ausserordentlicher Lehrer Zeichen- unterricht gab, wurde durch Ministerialdekret vom 26. März 1877 als Zeichenlehrer definitiv angestellt.

Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schilern war in diesem Jahre gut; nur Herr Münch und Herr Förmes waren durch Krankheit eine Zeit lang gehindert ihren Dienst zu versehen. Einen Sterbfall speciell an unserer Schule hatten wir glücklicherweise nicht zu beklagen.