Jahrgang 
1877
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26 auch seit vielen Jahren Lehrer der Anstalt, erst als provisorischer, dann seit 1868 als definitiver Director. Nach dem Tode Hofmanns am 30. März 1873 wurde Hermann Lorey, seit 1844 Lehrer an der Realschule, provisorisch mit der Leitung des Directoriums beauftragt und am 15. Juni 1873 definitiv als Director bestätigt.

Bei der früherenHöheren Gewerbschule und der nachherigentechnischen Schule waren 2 untere sogenannteallgemeine Curse gewesen, welche eigentlich als Oberklassen einer Realschule I. Ordnung anzusehen waren. Als das Polytechnikum eingerichtet wurde, strebte man natürlich dar- nach, diese Klassen dort zu beseitigen und als Oberklassen der Realschule anzufgen. In Folge dessen erhielt der Director Lorey, alsbald nachdem er provisorisch sein Amt angetreten, den Auftrag, einen Lehrplan für eine Realschule I. Ordnung auszuarbeiten. Nachdem dieser Plan die Genehmigung der höchsten Staatsbehörde gefunden hatte und mit dem Gemeinderathe der Stadt ein neuer Vertrag wegen der gegenseitigen Leistungen abgeschlossen war, trat im Herbste 1873 die Realschule I. Ordnung zu- nächst mit 7 Klassen ins Leben neben der Realschule II. Ordnung, welche 6 Klassen zählt. Im Herbst 1874 wurde dann die 8. Klasse, die Ober-Prima, der Realschule I. Ordnung noch zugefügt, sodass von da an Darmstadt eine Realschule I. Ordnung mit 8 Klassen hat und damit eng verbunden eine Realschule II. Ordnung mit 6 Klassen. Durch Bekanntmachung des Reichskanzleramts vom 3. Mai 1876 wurde diese Grossherzogliche Realschule zu Darmstadt als eine berechtigte Realschule I. Ordnung im deutschen Reiche anerkannt. Dieses Erweitern und Herausbilden der Realschule hatte eine ziemlich stetige Vermehrung der Schülerzahl zur Folge. Es mussten Parallelklassen errichtet werden. Da in dem Hauptgebäude die technische Schule keine Räume mehr an die Realschule ab- geben konnte, wurden erst 2 Parallelklassen in dem nahegelegenen städtischen Eichgebäude unter- gebracht, und als noch mehr Klassen nöthig wurden, räumte die Stadt das Kyritzische Haus der Real- schule ein. Die Einrichtung und Erweiterung des Polytechnikums machte es aber nöthig, dass die Realschule den Theil des früher gemeinsamen Gebäudes, welchen sie seither innegehabt, den west- lichen Flügel, ganz räumte, und so zog sie denn zu Ostern 1872 in das alte Pädagog-Gebäude über, welches seither für städtische Schulen benutzt worden war. Als mit der Entstehung der Realschule I. Ordnung neue Klassen errichtet wurden, übergab die Stadt die 4 Schulsäle in dem Backsteinbau in der Niederramstädter-Strasse der Realschule zur Benutzung, und wie im Herbst 1876 die Errichtung von 4 neuen Parallelklassen nöthig wurde, kaufte sie das in der Nähe des Kyritzischen Hauses stehende Pfarrhaus und liess darin Schulzimmer herrichten. Aus Mangel an Lehrkräften konnten zu- nächst nur 3 Parallelklassen eingerichtet werden. So hat die Stadt immer mit anerkennenswerther Bereitwilligkeit für die Realschule gesorgt. Allein demungeachtet waren die Schulräume in 4 ver- schiedenen Gebäuden ungeeignet, und man musste an einen Neubau ernstlich denken, worüber dann auch bereits im Jahre 1872 Verhandlungen stattfanden. Als aber Aussicht da war, dass ein neues Gebäude für die polytechnische Hochschule hergestellt werden würde, hegte man die Absicht von Seiten der Stadt einen namhaften Beitrag zu diesem Gebäude zu geben und dagegen das von dem Polytechnikum bisher benutzte Gebäude für die Realschule zurückzuerwerben und dieser ganz zu über- weisen. Die Stände des Grossherzogthums lehnten jedoch die Erbauung eines Polytechnikums ab, und sofort stellte nun im Anfang des Jahres 1875 die Direction der Realschule bei Hoher Staats- behörde und dann bei Grossherzoglicher Bürgermeisterei den Antrag auf Erbauung eines neuen Real- schulgebäudes und legte zugleich ein provisorisches Bauprogramm vor. In der Sitzung vom 11. März 1875 beschloss die Stadtverordnetenversammlung einstimmig den Bau mit der Absicht, die Sache so zu fördern, dass wo möglich schon im Herbst 1876 das Gebäude bezogen werden könne. Der Stadt- baumeister Herr Hechler arbeitete einen vorläufigen Plan aus, und dieser wurde von einer besonderen Baucommission geprüft, zu welcher ausser der Bau- und Schulcommission der Stadtverordnetenver- sammlung noch die Herrn Oberbaurath Müller, Professor Wagner vom Polytechnikum und General-