bestand im Juli 1868 vor der wissenschaftlichen Prüfungscommission zu Marburg das Examen pro facultate docendi in den philologisch-historischen Fächern. Durch Verfügung des Königlich Preussischen Provinzialschulcollegiums zu Kassel wurde er am 29. August 1868 zur Erstehung seines Probejahrs dem Gymnasium in Kassel zugewiesen, aber schon durch Verfügung derselben Behörde vom 8. Oktober 1868 mit Versehung einer ordentlichen Lehrerstelle am Gymnasium in Hanau beauftragt. Ostern 1871 wurde derselbe durch Königliches Provinzialschulcollegium zu Coblenz an das Gymnasium und die Real- schule I. O. zu Duisburg berufen und am 23. August 1871 dort definitiv angestellt. Im Winter von 1873/74 privatisirte er in Kassel. Ostern 1874 wurde er durch das Grossh. Oldenburgische Staats- ministerium als Gymnasiallehrer in Jever angestellt und am 7. Juni 1875 durch Allerhöchstes Dekret Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs von Hessen zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt ernannt mit Wirkung vom 1. Oktober 1875 an.
Dr. Otto Schneider wurde am 3. September 1846 in Biedenkopf geboren, legte auf dem Gymnasium zu Darmstadt die Maturitätsprüfung ab im Herbst 1864, studirte in Erlangen und Giessen neuere Sprachen, war 1868/69 als Hauslehrer in Frankreich und bestand die(nach der Examinations- ordnung von 1868 vorgeschriebene) Vorprüfung für Candidaten des höheren Lehramts vom Standpunkte der neueren Sprachen am 24. Mai 1869, in Mathematik am 29. Juli 1869 und die Facultätsprüfung im November 1869. Von Ende November 1869 bis 30. September 1870 war er provisorischer Lehrer an der Realschule zu Alsfeld. Dann war er wissenschaftlicher Hülfsfehrer an der Realschule I. O. zu Siegen, zuletzt designirter IV. resp. III. ordentlicher Lehrer. Durch Allerhöchstes Dekret vom 20. Januar 1872 wurde er zum ordentlichen Lehrer an der Grossh. Realschule zu Alsfeld ernannt und am 17. März 1876 zum Lehrer an der hiesigen Realschule mit Wirkung vom 15. April 1876 an.
Durch Allerhöchstes Dekret von 5. April 1876 warde der seitherige provisorische Reallehrer Dr. Ludwig Walther definitiv angestellt.
Durch Verfügung Grossh. Ministeriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 8. Oktober 1874 wurde die durch die Pensionirung Delp's erledigte Pedellenstelle dem Trompeter i. P. Johann Christian Weidner provisorisch übertragen; derselbe trat am 20. Oktober 1875 seinen Dienst an. 8
Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im Allgemeinen gut; doch hatten wir im Laufe des Schuljahres den Tod von 3 Schülern zu beklagen, welche von ihren Lehrern und Mit- schülern feierlich bestattet wurden.
Ferdinand Gilbert vom Dippelshof, Schüler der Ober-Secunda, Verunglückte beim Baden im Rhein. Die erst später geländete Leiche wurde am 30. Juli auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt; da Ferien waren, konnten nur der Director, der betreffende Klassenführer und die gerade hier an- wesenden Schüler ihm die letzte Ehre erweisen.
Julius Sauer aus Darmstadt, Schüler der Tertia, wurde am 7. August und Karl Melsheimer aus Darmstadt, Schüler der Unter-Prima, welcher seiner Kränklichkeit halber kurz vorher ausgetreten war, am 1. September beerdigt.
Sonst war ein reges und frisches Leben unter den Schülern, und wie in vorderen Jahren so boten
auch in diesem mancherlei Spaziergänge und Wanderungen Gejesepheit zur Anregung und erziehlichen Einwirkung.—
Freistellen waren im Schuffaht 1875/76 32 vergeben.
Der Grossh. Baurath Herr Kluuk machte bei seinem 50 jährigen Jabiltam eine Stiftung von 500 Mark, welche unter Verwaltung Grossh. Bürgermeisterei bei hiesiger Stadt verzinslich angelegt sind, und wovon die Zinsen im Betrage von 22,50 Mark zu Prämien für wenig bemittelte, aber wúrdige Schüler der Oberklassen hiesiger Realschule verwendet werden sollen. Nach Beenlus verehrlicher
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