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Karl Friedrich Henning, geboren 1843 zu Höchſt im Odenwald, erhielt ſeine Schul⸗ bildung in der Schmitz'ſchen Schule und dem Gymnaſium zu Darmſtadt, ſtudirte ſeit Herbſt 1861 zu Gießen zuerſt Theologie, dann Philologie, und abſolvirte, zugleich mit Er⸗ werbung des philoſophiſchen Doctorgrades, ſein Staatsexamen vor Oſtern 1865. Nach abgelaufenem Probejahr(am Gymnaſium zu Darmſtadt neben gleichzeitiger Beſchäftigung an der Schmitz'ſchen Anſtalt) begab er ſich Oſtern 1866 nach Berlin, wo er, neben dem Beſuch von Vorleſungen, als Hülfslehrer am Cölniſchen Realgymnaſium(Quinta und Obertertia) thätig war. Seit Neujahr 1867 durch Verfügung Großh. Ober⸗Studien⸗ direction als erſter Lehrer an der Höheren Bürgerſchule zu Oppenheim a. Rh. verwendet, blieb er daſelbſt bis Ende Auguſt 1868, wo er eine Hauslehrerſtellung in St. Quentin, Frankreich, annahm. Hier ſowohl, wie nachher bei Fontainebleau verblieb er nur kurze Zeit, und wandte ſich nach Paris, wo er in die von Duruy geſtiftete und reich ausge⸗ ſtattete Ecole Pratique des Hautes Etudes eintrat. Die Pflicht der Dankhbarkeit gebietet ihm, hier ſeinen Dank auszuſprechen für die gefällige Theilnahme, welche die jene Anſtalt leitenden Gelehrten ihm und ſeinen viſſenſchaftlichen Beſtrebungen entgegenbrachten. Ende Juni 1870 begab er ſich nach England, woſelbſt er theils unabhängig, theils als Lehrer in London und Brighton bis October 1871 verblieb. Seit 16. October 1871 als proviſoriſcher Lehrer an hieſiger Realſchule thätig, iſt er durch Allerhöchſtes Decret vom 13. Mai 1872 zum definitiven Lehrer an dieſer Schule ernannt worden.
Nach Höchſter Entſchließung Großh. Miniſteriums vom 21. April 1872 hat Großh. Oberſtudien⸗Direction unterm 4. März d. J. einen israelitiſchen Religionsunterricht an der hieſigen Realſchule angeordnet und Großh. Rabbinat Darmſtadt die Schüler, welche am Unterricht Theil nehmen wollen, in 2 Abtheilungen mit je 1 Stunde wöchentlich eingetheilt. Den Unterricht ertheilt in den 3 oberen Klaſſen Dr. Landsberger, in den drei unteren Oppenheimer, Religionslehrer der hieſigen jüdiſchen Gemeinde.
Durch Höchſte Entſchließung Großh. Miniſteriums d. J. vom 11. October 1871 wurde die Remuneration des 2. Turnlehrers Völſing für weitere 4 Turnſtunden erhöhet und ebenſo Dr. Diehl, Dr. Schäffer, Treſſer und Friedrich durch Allerhöchſte Decrete vom 16. October 1871 mit einer nahmhaften Gehaltszulage erfreut.
An der von Großh. Centralſtelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein für September 1871 veranſtalteten Ausſtellung von Zeichnungen aus den Gymnaſien, Real⸗ ſchulen und Handwerkerſchulen, um das Intereſſe für den Zeichenunterricht in weiteren Kreiſen zu fördern, betheiligte ſich auch die hieſige Realſchule, indem ſowohl Zeichenlehrer Rauch als auch der Lehrer der Geometrie Dr. Diehl von ihren Schülern je 3 Zeich⸗ nungen einſandten.
Mit großem AIntereſſe betheiligte ſich die Schule den 30. Juli 1872 bei der Feier zur Enthüllung des Denkmals von Adolf Spieß, der viele Jahre die I. und II. Klaſſe mit beſonderer Liebe unterrichtet hatte. Reallehrer Lorey, Vorſtand des hieſigen Turn⸗ vereins und Leiter der Feierlichkeit, ließ dieſe Klaſſen und die IV. vor den zum ſechsten


