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ihrer Zöglinge; und da bietet gerade eine ſolche Feier eine günſtige Gelegenheit dar, Manches zur Sprache zu bringen, das zur Aufklärung und zur Beherzigung und vielleicht zur Anregung zu weiteren Beſprechungen dient und für ſie von hohem Werthe ſein kann.
Aber auch für uns Lehrer hat eine ſolche Feier einen hohen Werth. Wir ſind zwar keine Schauſpieler, die vor dem Publikum aufſpielen und auf den Beifall der großen Maſſe warten. Unſere Wirkſamkeit zieht ſich beſcheiden in die Stille zurück, ſie erfordert vor Allem Ruhe und Sammlung des Gemüthes, liebevolle Hingabe und Treue, Geduld und Ausharren und muß in Demnth warten, ob der ausgeſtreute Same in den jugend⸗ lichen Herzen keime, wachſe, blühe und endlich anch gute Früchte bringe, namentlich auch die Frucht der Anerkennung und Dankbarkeit. Sie gedeiht nicht durch Poſaunen und Lärmmachen, durch geräuſchvolle Demonſtrationen oder gar Verſammlungen der Maſſe, die können nur zerſtören, aber nicht aufbanen. Und dennoch ſind gerade wir Lehrer den mannigfaltigſten Kritiken ausgeſetzt und erfahren oft die liebloſeſten und ungerechteſten Urtheile von denen, die ſich am wenigſten mit uns in Bezichung ſetzen, auf keiner öffentlichen Prüfung erſcheinen, oder gar in die Schule ſelbſt kämen, denen es gar nicht um eine genane Erkundigung um den gegenwärtigen Stand der Schule zu thun iſt, ſon⸗ dern, die ſich nur von einem Hörenfagen oder irgend einer vorgefaßten Meinung leiten laſſen. Darum freuen wir uns über Ihre Gegeuwart, und daß Sie zur Feier gekommen ſind, ſelbſt zu hören und zu ſehen; Ihre Theilnahme thut uns wohl und iſt uns eine Ermunterung und ein Sporn, ſie noch mehr zu gewinnen. Wenn wir Ihnen heute unſere Schule nur in Galla und zwar in beſcheidener Galla vorführen, ſo wird es uns immer mehr eine Frende ſein, ſie noch reicher auszuſtatten und Ihnen, verehrte Anwe⸗ ſende, immer mehr die Ueberzengung beizubringen, daß dies kein eitler Flitter und erborgter Staat, ſondern ein wohlerworbener und wohlverdienter Sonntagsputz iſt, und daß, was Sie Angenehnies und Schönes von Ihren Söhnen hier vernehmen, auf ſolider Grundlage beruht und nur ein Ausfluß und eine angenehme Seite von dem iſt, was ſie zu leiſten vermögen und was ſie durch ernſtes Streben an Wiſſen und Können in der Schule gewonnen haben.
Aber auch für unſere Schüler hat eine ſolche Feier und Ihre Gegenwart einen hohen Werth. Sie waren bisher nur immer gewohnt, im Schulzimmer und vor ihren Mitſchülern, deren Geſichter Ihnen wohl bekannt ſind, ſich in der Kunſt frei zu reden, zu üben. Und nun dürfen ſie öffentlich auftreten und zu einer großen Verſammlung ſprechen und zur gemeinſamen Feier unſerer Schule mitwirken. Dazu gehört mehr Be⸗ herztheit, Sicherheit und Freiheit, und muß zugleich das Gefühl in ihnen erwecken, wie ſchön es iſt, zum Gedeihen einer gemeinſamen Sache Etwas beitragen zu können. Daß ſie gerade reden dürfen, iſt auch eine Belohnung und Anerkennung ihrer Fortſchritte und Leiſtungen im freien Ausdruck der Rede und muß ihnen und ihren Mitſchülern zum An⸗ trieb gereichen, in der Kunſt frei und öffentlich zu reden, die bei der fortgeſchrittenen


