Jahrgang 
1869
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IX. Rede des Directors bei der Schlußfeier des Schuljahres 186768. (Ueber Einführung einer Schlußfeier.)

Hochverehrte Feſtverſammlung!

Es gereicht mir zur beſonderen Freude und Ermuthigung, Sie im Namen unſerer Schule hier begrüßen zu können. Ihre zahlreiche Gegenwart gibt uns die freudige Zu⸗ verſicht, daß ſie unſerer Einladung zu dieſer Feier mit freundlichem Vertrauen gefolgt ſind und hier Etwas erwarten, das Ihre Theilnahme auf eine anſprechende Weiſe be⸗ friedigen werde. Und wir hoffen dies zu vermögen, wenn Sie an die jugendlichen Leiſtungen einen beſcheidenen Maßſtab anlegen und ſie mit Nachſicht und Wohlwollen auf⸗ zunehmen geneigt ſind. Es gereicht uns aber auch zur Ermuthigung, Sie ſo zahlreich hier verſammelt zu ſehen; denn es iſt etwas Neues, das wir mit dieſer Feier an unſerer Schule einführen, an andern ähnlichen höheren Anſtalten freilich etwas Altes. Zwar hatten wir ſchon vor einem Jahre am Schluß des Schulcurſus, um das AIntereſſe für die öffentlichen Prüfungen zu erhöhen, einen Verſuch gemacht, mit denſelben unterhaltende Uebungen in Rede und Geſang zu verbinden und eine freundliche Aufnahme und zahl⸗ reiche Theilnahme gefunden; allein der Ernſt ſolcher Prüfungen will nicht geſtört ſein und fordert eine größere und geſpanntere Aufmerkſamkeit, während eine ſolche Feier durch den raſchen Wechſel und die Mannigfaltigkeit der Gegenſtände eine anmuthige Unterhal⸗ tung gewähren und doch zugleich einen Blick in die Wirkſamkeit und den Geiſt der Schule geſtatten kann. Und ſo hat denn das Lehrercollegium einſtimmig den Beſchluß gefaßt, eine ſolche öffentliche Feierlichkeit, wie wir ſie eben zu begehen im Begriffe ſind, zu ver⸗ anſtalten und Großh. Oberſtudien⸗Direction hat wohlmeinend ihre hohe Genehmigung dazu gegeben. Warum aber jetzt erſt, nachdem Eure Schule über ein Menſchenalter be⸗ ſtanden, fragen Sie vielleicht, eine ſolche Neuerung einführen? Darauf laſſen Sie mich mit wenigen Worten erwiedern. Seit der neuen Organiſation unſerer Schule im Jahre 1834 und 1835 war ſie mit der höheren Gewerbſchule aufs engſte verbunden und durch ſie gebunden. Beide Anſtalten waren neu, Kinder und Bedürfniß der Neuzeit, und woll⸗ ten auch darin neu ſein, daß ſie die altherkömmlichen, jährlich wiederkehrenden Schul⸗ feierlichkeiten und die Gewerbſchule wenigſtens ſelbſt die öffentlichen Examina fallen ließen. Sei es nun, daß die Schattenſeiten, welche ſolche öffentliche Veranſtaltungen für eine Schule auch haben können, ſie als etwas Veraltetes beſeitigen ließen, oder ſei es, daß die ſogenannte practiſche oder gewerbliche Tendenz ſolche Feierlichkeiten für etwas Unnützes hielt und es nicht zu der rechten Feſtſtimmung kommen ließ. Die Gewerbſchule hat ſich unterdeſſen überlebt und die herkömmlichen öffentlichen Prüfungen und Schul⸗

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