Jahrgang 
1928
Einzelbild herunterladen

Dem Muſeum ſtatteten die Klaſſen Ib 1, IIa 1, IIb 4, IIIb 1, IIIb 2 und IIIb 3 Beſuche ab.

Mit beſonderer Freude können wir von dem Umbau in unſerer Schule berichten. Das alte Be⸗ ſtreben der Direktion, für die früher im Kellergeſchoß untergebrachten Klaſſen einwandfreie Räume zu beſchaffen, iſt damit erfüllt. Durch die Beſeitigung der Schüleraborteinrichtungen in den vier Stock⸗ werken, durch die Verlegung der Aborte in das Kellergeſchoß, ſowie durch den Neubau einer Piſſoir⸗ anlage in der nordweſtlichen Hofecke iſt es ermöglicht worden, vier einwandfreie, freundliche Klaſſenzimmer zu gewinnen. Der Stadtverwaltung ſei auch an dieſer Stelle der Dank der Schule für die Bewilligung der Mittel ausgeſprochen.

Durch das Freiwerden der Kellerklaſſen konnten dort Räume für Lichtbildervorführungen, für die Hilfsbücherei und für das Milchfrühſtück geſchaffen werden. Unſere Hilfsbücherei umfaßt jetzt rund 800 Bände, von denen im Lauf des Schuljahres 340 ausgeliehen waren. Ueber ihren Zweck iſt unter Mitteilungen an die Eltern Näheres geſagt.

Freudig dankt die Schule allen denen, die ſie mit Geſchenken bedacht haben. Wertvolle Bücher, Zeitſchriften, Abhandlungen und Programme ſtifteten das Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen, Herr Miniſterialrat Dr. Dorfeld, Ihre Exzellenz Frau General von Wachter, Herren des Kollegiums, frühere und jetzige Schüler.

Zahlreiche Verlage ſtifteten wiſſenſchaftliche Werke und Schulbücher. Frau Kaufmann Helmreich in Langen übermittelte uns eine Zeichnung ihres im Weltkrieg gefallenen Sohnes, des Primaners Ludwig Helmreich. Frau Baronin von Stetten ſchenkte ein Herbarium, Herr Forſtmeiſter Hallwachs Muſikinſtru⸗ mente fürs Orcheſter, die Keramiſche Manufaktur eine Sammlung ihrer Erzeugniſſe.

Die Klaſſen IIb 1 und IIIa 1 ſtifteten photographiſche Aufnahmen zur Ausſchmückung ihrer Klaſſen⸗ zimmer, Junkers u. Co., Deſſau eine Schnittzeichnung ihres Gas⸗Kalorimeters, Herr Dr. Vetter ein Modell vonOsramlampen, Spitzner Ia 2 einen ſelbſtgefertigten Plan von Darmſtadt.

X. Mitteilungen an die Eltern.

Seit Oſtern 1926 ſind an den höheren Schulen Heſſens neue Lehrpläne eingeführt. Für unſere Liebigs⸗Oberrealſchule iſt dies beſonders wichtig, da dadurch Lehrziel und Lehrgang der früheren Oberrealſchule gewiſſe Aenderungen erfahren haben. Die Oberrealſchule trug vor Einführung der neuen Lehrpläne, alſo vor Oſtern 1926, im Unterſchied zu anderen höheren Lehranſtalten ihr weſentliches Merkmal in der ſtarken Betonung der Mathematik und Naturwiſſenſchaften auf der einen und der neueren Sprachen auf der anderen Seite. Außerhalb des ſtundenplanmäßigen Unterrichts konnten ihre Schüler von der Unterſekunda ab freiwillig Latein lernen(2 Wochenſtunden).

Die Gründe für die durch die neuen Lehrpläne bedingten Abweichungen vom bisherigen Plan der Oberrealſchule liegen in dem Weſen der Reform, einem ſtärkeren Betonen der deutſchkundlichen Kernfächer, die in allen höheren Schulen etwa gleich ſtark betrieben werden ſollen, bei gleichzeitiger Verwirklichung des alten Beſtrebens, den Schüler wöchentlich mit nicht mehr als 30 wiſſenſchaftlichen Stunden zu belaſten.

Ab Oſtern 1926 ſetzt ſich nunmehr die ſeitherige Oberrealſchule mit ihrem etwa gleich ſtarken Betonen der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen und der neuſprachlichen Fächer in zwei verſchiedenen Anſtalten fort, in der neuen Oberrealſchule und in dem Reformrealgymnaſium.

Die neue Oberrealſchule läßt die neueren Sprachen(Franzöſiſch und Engliſch) etwas zurück⸗ treten. Sie pflegt die Ausbildung des Geiſtes, wenn man von den deutſchkundlichen Kernfächern und den Fremdſprachen abſieht, hauptſächlich an den Bildungsſtoffen der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen Fächer. Wie an der alten Oberrealſchule kann von der Unterſekunda ab Latein freiwillig und außerhalb des ſtundenplanmäßigen Unterrichts in 3(früher 2) Wochenſtunden gelernt werden.

Das Reformrealgymnaſium ſtellt die ſprachliche Seite der Geiſtesbildung mehr in den Vorder⸗ grund, ohne jedoch Mathematik und Naturwiſſenſchaften zu ſtark zurückzudrängen. Neue Sprachen und Mathematik und Naturwiſſenſchaften ſind vielmehr mit nahezu gleicher Stundenzahl vertreten. Dazu kommt von Unterſekunda ab Latein, aber jetzt nicht mehr wie bei der alten Oberrealſchule als Wahlfach außerhalb des eigentlichen Stundenplanes, ſondern als verbindliches Fach mit 4 Stunden innerhalb der 30 wiſſenſchaftlichen Wochenſtunden..

Mit Genehmigung des Landesamtes für das Bildungsweſen laufen ſeit Oſtern 1926 an unſerer Liebigs⸗Oberrealſchule Parallelklaſſen der neuen Oberrealſchule und des Reformrealgymnaſiums neben⸗ einander her. Für beide Klaſſenzüge iſt der Unterbau in den Klaſſen Sexta bis Quarta gemeinſam. Es bedeutet dies einen unbeſtreitbaren Vorteil, weil damit die Entſcheidung der Eltern, ob ſie ihren

17