Am 27. Januar 1931 hielten wir, anläßlich des 175. Geburtstags Mozarts, eine Mozartfeier, bei der Chöre und Orcheſterwerke des großen Tonſetzers vorgetragen wurden und Oberſekundaner Simon von Mozarts Leben und Wirken erzählte.
Am 29. Oktober und am 11. November 1930 führte unſer Chor und unſer Orcheſter unter Leitung des Herrn Studienrat Kaiſer„Die Bremer Stadtmuſikanten“, eine luſtige Kantate von Franziskus Nagler, auf. Beide Darbietungen fanden begeiſterten Beifall. Auch an dieſer Stelle ſei nochmals allen Beteiligten, insbeſondere auch den Damen Ottenheimer und Herber und den Herren Penk und Dr. Stiefenhofer, für ihre wertvolle und uneigennützige Mitwirkung gedankt. Der Reinertrag der beiden Veranſtaltungen war für unſer Landheim beſtimmt.
Am 9. Dezember gaben unſere Oberprimaner Meinhart Becker und Werner Hauck in unſerm Feſt⸗ ſaal ein Konzert, ebenfalls zu Gunſten unſeres Landheims. Auch ihnen ſei nochmals gedankt für ihre Darbietungen, die— nach dem Urteil berufener Zuhörer— ihr künſtleriſches Wollen und Können mit vollem Erfolg bewieſen haben.
Am Jugendfeiertag, 1. Juli 1930, fuhren alle Klaſſen unſeres Gymnaſiums mit der Eiſenbahn bis Höchſt, Wiebelsbach, Groß⸗Umſtadt oder Babenhauſen, um von dort aus in Form einer Stern⸗ wanderung das gemeinſame Marſchziel Dorndiel zu erreichen. Dort gedachte Herr Oberſtudienrat Prof. Dr. Breidenbach in ſeiner Anſprache des Tages, an dem durch den Abzug der franzöſiſchen Truppen unſer deutſches Rheinland wieder frei geworden war von fremder Beſatzung. Zugleich hatten alle Schüler Gelegenheit, unſer neues Landheim mit ſeiner herrlichen Umgebung kennen zu lernen und ſich dann in fröhlichen Wettkämpfen und Spielen zu betätigen. Der vom ſchönſten Wetter begünſtigte Tagesausflug wird allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben.
An den Reichsjugendwettkämpfen 1930 nahmen 150 Schüler teil; 8 von ihnen errangen die Ehrenurkunde des Herrn Reichspräſidetnen, 67 die von dem Herrn Staatspräſidenten unterzeichnete Ehrenurkunde...
Im allgemeinen litt der Betrieb der Bewegungsſpiele und der ſportlichen Übungen unter dem ſchon oft beklagten Mangel an verfügbaren und entſprechend vorgebildeten Lehrkräften.
Den Schwimmunterricht der beiden Quarten erteilte, wie bisher, Oberſtudiendirektor Laute⸗ ſchläger, bis zum 15. Dezember gemeinſam mit Studienaſſeſſor Kadel. Nach deſſen Ausſcheiden wurden die Referendare des Pädagogiſchen Seminars zur Beaufſichtigung und Leitung des Schwimmunterrichts herangezogen, um ſie auch in dieſem wichtigen Zweig der Leibesübungen auszubilden.
8. Der Heſſiſche Landesverein vom Roten Kreuz veranſtaltete auch in dieſem Jahre wieder einen Lehrgang für Schüler höherer Lehranſtalten in der erſten Hilfeleiſtung bei Unglücksfällen. Von den Schülern der Oberſekunda I nahmen 13 daran teil.
9. Unſere Schüler beſuchten, wie ſeither, verſchiedene Vorträge und Lehrfilmvorführungen, die Schülervorſtellungen des Landestheaters und die Konzerte der Akademie für Tonkunſt. Die Verhandlungen mit den Veranſtaltern führten die Herren Studienräte Dr. Ausfeld, Kaiſer und Veith.
10. Bei der Verabreichung des Milchfrühſtücks hat ſich die Neuerung bewährt, daß den Schülern die Milch in Fläſchchen geliefert wurde. Herr Studienrat Prof. Dr. Ausfeld leitete, wie bisher, ihre Ausgabe.
11. Der Schularzt unſeres Gymnaſiums, Herr Dr. med. Leydhecker, überwacht nach den Be⸗ ſtimmungen der von der Stadt Darmſtadt erlaſſenen Dienſtanweiſung dauernd den Geſundheitszuſtand unſerer Schüler. Die Kinder der einzelnen Klaſſen werden planmäßig unterſucht. Die für einen Kur⸗ aufenthalt in Betracht kommenden Schüler werden von ihm beſonders berückſichtigt. Ueber die Ergeb⸗ niſſe ihrer Unterſuchungen erſtatten die Darmſtädter Schulärzte beſonderen Bericht.
12. Im Laufe des Sommers wurde der Hitze wegen mehrmals die letzte Vormittagsſtunde und der Nachmittagsunterricht ausgeſetzt.
Der Winter bot im Januar für kurze Zeit Gelegenheit zur Ausübung des Schlittſchuhlaufens und des Schneeſchuhſports. Der Nachmittagsunterricht fiel während einer Woche zugunſten des Winterſports aus.
13. Die Beſtände unſerer Hilfsbücherei, an unſerer Anſtalt eingeführte Lehrbücher, ſollen an Söhne unbemittelter Eltern unentgeltlich verliehen werden. Für neuangeſchaffte Bücher muß in der Regel eine geringe Leihgebühr erhoben werden. Guterhaltene Schulbücher nimmt die Hilfsbücherei— als Geſchenk oder gegen entſprechende Vergütung— jederzeit entgegen.
14. Die Leſeabende des Vereins der Freunde des Humaniſtiſchen Gymnaſiums, die an jedem Mittwoch Abend Angehörige der verſchiedenſten Berufe zur gemeinſamen Lektüre antiker Schrift⸗ ſteller in unſerem Lehrerzimmer zuſammenführen, waren auch in dieſem Winter gut beſucht. Studienrat Dr. Ausfeld behandelte das 5. Buch der Aeneis, Studienrat Dr. Malzan das Monumentum Ancyranum und Oberſtudienrat i. R. Dr. Büchner die erſten Geſänge der Odyſſee.
15. Am 20. März 1931 führten Schüler unſerer Oberklaſſen in unſerem Feſtſaal die Komödie„Das Haus⸗ geſpenſt“ von Ludwig Holberg, dem„däniſchen Molidre“, eine Umdichtung von Plautus’„Moſtellaria“,
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