Jahrgang 
1930
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V. Zur Geſchichte der Anſtalt.

1. Das Schuljahr begann am 15. April 1929 mit den Aufnahmeprüfungen, der Unterricht am 16. April nach einer einfachen Eröffnungsfeier. Unſere Jahresarbeit werden wir am 5. April 1930 beenden.

2. Am 1. Okt. 1929 wurde Herr Studienrat Prof. Dr. Breidenbach zum Oberſtudienrat ernannt.

Herr Studienrat Neher war während des ganzen Schuljahrs wegen Krankheit beurlaubt. Er wurde vertreten von den Herren Studienreferendaren Axt, Eimer und Hering(vgl. dieVerteilung des Unterrichts, S. 5 u. 6).

Herr Pfarraſſiſtent zur Nieden, der einen Teil des ev. Religionsunterrichts übernommen hatte, ſchied am 9. Nov. 1929 wieder aus. Dadurch wurden Zuſammenlegungen mehrerer Klaſſen nötig. Ein erſprießlicher Religionsunterricht iſt unter ſo mißlichen Verhältniſſen kaum möglich, und es iſt dringend zu wünſchen, daß durch Einſtellung eines Hilfslehrers hier Abhilfe geſchaffen wird.

3. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen gut. Wegen Krankheit mußten ver⸗ hältnismäßig viele Lehrer den Unterricht ausſetzen und von den anderen Herren des Lehrkörpers ver⸗ treten werden. Die Herren Oberſtudienrat Dr. Breidenbach, Studienrat Dern und Studienrat Dr. Malzan mußten wegen Krankheit mehrere Wochen fehlen.

Herrn Studienrat Prof. Dr. Maſſing war vom 21.28. September ein Erholungsurlaub bewilligt. Herr Studienrat Dr. Imgram war zur Fertigſtellung einer wiſſenſchaftlichen Arbeit eine Woche im Juni beurlaubt.

Am 13. und 14. Januar 1930 nahmen alle Lehrer an den Lehrgängen teil, die vom Zentral⸗ inſtitut für Erziehung und Unterricht in Berlin gemeinſam mit dem Heſſiſchen Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen veranſtaltet wurden, um in Vortrag und Unterrichtsbeiſpiel die Bedeutung vonAus⸗ landsdeutſchtum und Schule zu erörtern.

Die Philologenverſammlung in Salzburg beſuchten die Herren Studienräte Dr. Ausfeld und Dr. Malzan.

4. Eine empfindliche Störung des ganzen Schulbetriebs verurſachte der Einbau einer Sammel⸗ heizung in unſerm Schulgebäude. Er war erſt während der Sommerferien in Angriff genommen worden und nötigte uns nach den Sommerferien, auszuwandern und die Gaſtfreundſchaft des benachbarten Real⸗ gymnaſiums in Anſpruch zu nehmen. Unter erſchwerenden Umſtänden mußte dort an den heißen Nach⸗ mittagen des Auguſt der Unterricht abgehalten werden. Zur gleichen Zeit ſtellten die Vorbereitungen der 300⸗Jahrfeier an Lehrer und Schüler ganz beſondere Anforderungen. Mit Rückſicht auf dieſe un⸗ gewöhnlichen Verhältniſſe wurden mit Genehmigung der oberſten Schulbehörde die Herbſtzeugniſſe erſt am 15. November ausgegeben und auf die Verſendung beſonderer Mitteilungen vor Weihnachten verzichtet.

Der Verwaltung der Stadt Darmſtadt und beſonders der Leitung des Realgymnaſiums ſind wir zu aufrichtigem Dank verpflichtet für die gaſtfreundliche Aufnahme, die wir während der drei Wochen in der benachbarten Schweſteranſtalt gefunden haben.

5. An den Vorniittagen des 14. Mai, 11. November, 21. Januar und 4. März unternahmen alle Klaſſen Schulſpaziergänge in die nähere und weitere Umgebung von Darmſtadt. Ein Tagesaus⸗ flug am 24. Juni führte die einzelnen Klaſſen in die Bergſtraße, den vorderen und hinteren Odenwald, den Rheingau und in das Nahetal. Im Sinn des Jugendfeiertags ſollten dieſe Fahrten einer Verfügung der oberſten Schulbehörde entſprechendder Werbung für Jugendwandern und Jugendherbergen dienen.

6. Bei der Verfaſſungsfeier am 16. Auguſt hielt Studienrat Dr. Heſcher, bei der Totenfeier am 23. November Studienrat Gräber die Anſprache. Die FeſtſchriftDeutſche Einheit, deutſche Freiheit erhieltals beſonders würdiger Schüler Siegfried Lubinski 1a2.

Am 28. Juni gedachten wir desTages von Verſailles; Studienrat Dr. Boller ſprach über die Bedeutung des Werkes von Verſailles für Gegenwart und Zukunft. Die Schrift von Karl Bröger Verſailles wurde unter die Schüler der Oberklaſſen verteilt.

Am 4. September 1929 kehrte das LuftſchiffGraf Zeppelin von ſeiner Weltreiſe wohlbe⸗ halten zurück. Oberſtudienrat Dr. Schlamp würdigte in einer Anſprache an die im Turnhof verſammelte Schülerſchaft dieſen neuen Sieg deutſchen Könnens und Wollens. Der Unterricht fiel an dieſem Tage aus.

7. Das wichtigſte Ereignis des vergangenen Jahres war die große Erinnerungsfeier, die dem 300 jährigen Beſtehen des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums galt.

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