Jahrgang 
1928
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5. Im Jahre 1925 ſind dieLehrpläne für die höheren Schulen im Volksſtaate Heſſen veröffentlicht worden. Sie ſollendie allgemeinen und beſonderen Bildungsaufgaben, die den höheren Lehranſtalten zufallen, in den äußeren Rahmen der Einheitsſchule und das innere Gefüge der deutſchen Bildungseinheit einordnen und ſtellen bei allen Schularten in gleichmäßiger Betonung den Gedanken der deutſchen Bildung in den Vordergrund.

In denStundentafeln iſt beſtimmt, wieviele Wochenſtunden jedem einzelnen Fach für jede Klaſſe zugewieſen ſind. In denallgemeinen Richtlinien für die Lehrpläne iſt ausgeführt, von welchen Grundſätzen aus die Neuordnung des höheren Schulweſens für Heſſen gedacht iſt. In den fol⸗ genden Abſchnitten iſt für jedes einzelne Lehrfach das Lehrziel bezeichnet, der Lehrſtoff abgegrenzt und das Lehrverfahren erläutert. In zahlreichen Verhandlungen des geſamten Lehrkörpers und der Fach⸗ gruppen ſind mittlerweile dieſe Lehrpläne, die zunächſt als Entwurf gedacht ſind, beſprochen worden.

Die Ergebniſſe dieſer Beratungen ſollen dann die Unterlage bilden für die endgültige Geſtaltung der Lehrpläne. Den Bedürfniſſen einer neuen Zeit entſprechend mußten die ſeither benutzten Lehrbücher vielfach umgeändert oder durch ganz neue Werke erſetzt werden. Die Auswahl und Einführung folcher neuen unentbehrlichen Hilfsmittel im Unterricht bedeutet für die Lehrerſchaft eine Menge verantwortungs⸗ voller Arbeit, für die Eltern aber auch geldliche Opfer, weil manche Bücher, die ſich ſeither innerhalb der Familien oder unter Schulkameraden zu vererben pflegten, nunmehr ausſcheiden müſſen. Da die Entſcheidung, welche Bücher durch neue erſetzt werden müſſen, nur nach gewiſſenhafter und gründlicher Prüfung getroffen werden kann, iſt es nicht möglich, ſchon in dieſem Jahresbericht eine überſichtliche Zuſammenſtellung der an unſerem Gymnaſium eingeführten oder demnächſt einzuführenden Bücher uſw. zu geben, wie es ſeither Brauch und Vorſchrift war. Auf alle Fälle ſollen die Schüler ſich ohne aus drückliche Weiſung keine neuen Bücher beſchaffen.

6. Schon im vorigen Jahresbericht war darauf hingewieſen worden, daß im Jahre 1929 unſer Gymnaſium auf ein 300 jähriges Beſtehen werde zurückblicken können. Mittlerweile ſind die erſten Vorbereitungen zu dieſer Feier getroffen worden, über die vorläufig folgendes mitgeteilt ſei:

Das Darmſtädter Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium, das der Landgraf Georg II. im Jahre 1629, eine ihm von ſeinem Vater Ludwig V. letztwillig gemachte Auflage erfüllend, ins Leben rief, blickt im nächſten Jahre auf ſein dreihundertjähriges Beſtehen zurück. Dieſes Ereignis darf nicht ſang⸗ und klanglos vorübergehen, ſondern ſoll feſtlich begangen werden wie ſchon frühere Jubelfeiern, zuletzt die zweihundert⸗ fünfzigjährige im Jahre 1879. Die Feier iſt ſowohl eine Sache der zu dieſer Zeit dem Gymnaſium an⸗ gehörenden Lehrer und Schüler als auch der ehemaligen Schüler und Lehrer der Anſtalt. Die Vor⸗ bereitung einer ſolchen Feier läßt ſich nicht von heute auf morgen treffen, ſondern verlangt eingehende und reifliche Ueberlegung. Nachdem das Lehrerkollegium einen allgemeinen Plan Begrüßung und Kommers, akademiſche Feier, gemeinſames Eſſen, Schüleraufführungen theatraliſcher und ſportlicher Art, ſowie Ausflug in die Bergſtraße entworfen hatte, ſetzte es ſich in einer am 1. März im Fürſtenſaal abgehaltenen Vorbeſprechung mit einem kleinern Kreis ehemaliger Schüler in Verbindung, um mit ihnen dieſen Plan, der allgemein gutgeheißen wurde und die Art und Weiſe ſeiner Ausführung zu beraten und die dazu erforderlichen Arbeitsausſchüſſe zu bilden. Die erſte Frage war die des Zeitpunktes der Feier: als ſolcher wurde der Anfang September 1929 in Ausſicht genommen, die endgültige Feſt⸗ ſetzung wird von der Möglichkeit der Ueberlaſſung des großen Hauſes des Landestheaters für die akademiſche Feier und die Schüleraufführung abhängen. Die zweite Frage betraf die Ermittelung der Anſchriften ehemaliger Schüler, die als Feſtteilnehmer in Betracht kommen. Die dritte Frage war die der Heraus⸗ gabe einer Feſtſchrift, die die Geſchichte der letzten fünfzig Jahre des Gymnaſiums im Anſchluß an die 1879 erſchieneneGeſchichte des Großherzoglichen Gymnaſiums zu Darmſtadt von Wilhelm Uhrig dar⸗ zuſtellen hätte, ſowie der Herausgabe von bunten Schülererinnerungen etwa unter dem TitelUnter der Diltheykaſtanie. Dann wurde über die außer dem Landestheater für die verſchiedenen Veranſtaltungen in Betracht kommenden Räumlichkeiten und die Unterbringung der Feſtgäſte geſprochen ſowie vor allem die Frage der Finanzierung der Feier erörtert. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der ſehr anregend ver⸗ laufenen Verſammlung, an der etwa fünfundzwanzig Herren teilnahmen, war die Gründung eines Vereins der ehemaligen Angehörigen der Schule unter dem NamenVerein Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſium. Man erwartet, daß ſich dieſem Vereine die ehemaligen DarmſtädterPennäler, denen die Feier eine einzigartige Gelegenheit des Wiederſehens mit ihren Schulkameraden bietet, möglichſt vollzählig anſchließen werden.

Der Zweck dieſer Ausführungen iſt, die ehemaligen Angehörigen des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums und des im Herbſt 1890 von ihm abgezweigten und Oſtern 1921 mit der Mutteranſtalt wieder vereinigten Neuen Gymnaſiums auf die 1929 ſtattfindende Dreijahrhundertfeier ihrer Schule aufmerkſam zu machen und ſie zu veranlaſſen, wofern das noch nicht geſchehen, ihre Anſchrift Herrn Studienrat Profeſſor Keßler,

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