Jahrgang 
1928
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und Berater geworden waren. Die Anſprachen hielten bei dieſen Feiern die Herren Studienräte Stauß und Wentzel. Wie bei allen unſeren Veranſtaltungen wirkten auch hier Chor und Orcheſter unſerer Schüler unter der bewährten Leitung des Herrn Studienrat Kaiſer mit. Ihm verdanken wir auch die erfolgreiche Darbietung zweier Schüler⸗Konzerte, bei denen Orcheſter und Chor erfreuliche Beweiſe ihres Könnens ablegten.

6. Eine beſondere Erwähnung verdient auch in unſerm diesjährigen Bericht die Schülerauf⸗ führung, die am 16. Dezember 1927 dasMärchenſpiel von Euripides,Odyſſeus bei dem Rieſen Polyphem zur Darſtellung brachte. Der Ouvertüre zuIphigenie in Aulis von Gluck folgte ein einführender Vortrag und Szenen aus dem 9. Geſang der Odyſſee, in deutſcher und griechiſcher Sprache dargeboten, als Ueberleitung zu der eigenartigen Dichtung des Euripides. Zu ganz beſonderem Dank ſind wir auch diesmal wieder dem Darmſtädter Komponiſten Herrn Wilhelm Peterſen, einem ehemaligen Schüler unſerer Anſtalt, verbunden, der die begleitende Muſik zu dem Satyrſpiel geſchrieben hatte.In ſchönen vollen Klängen leitet ſie in die Grundſtimmung ein; mitreißend begleitet ſie die Tänze der Satyrn; dramatiſch führt ſie zu dem tragiſchen Höhepunkt der Blendung und ſchließt mit dem rhythmiſchen Triumph des Silen und ſeiner Söhne.Ein geradezu köſtlicherSilen mit draſtiſcher Mimik hatte ſich wieder wie im vorigen Jahre in Werner Laumann gefunden, dem würdigen Vater einer tollenden und hopfenden Satyrſchar. Als gewaltiger, bärenſtarker RieſePolyphem überragte Max Weber das übrige Volk. Seine plumpe und rohe Kraft unterlag dem liſtigen und verſchlagenenOdyſſeus des Klaus Mangold.Solche Aufführungen ſind wohl geeignet, die Schüler zu einem vertieften Verſtändnis der Antike hinzuführen und in Eltern und Freunden der Anſtalt das Intereſſe für das klaſſiſche Altertum zu wecken und zu erhalten.Die unter der bewährten Spielleitung von Studienrat Dr. Malzan vorzüglich gelungene Aufführung war eine tatkräftige Werbung für die Sache des huma⸗ niſtiſchen Gymnaſiums. Auch der von Studienrat Kaiſer geleiteten Schülerkapelle muß ebenſo wie der Geſchicklichkeit des Koſtümwarts Studienrats Dern und des Bühnenbildgeſtalters Walter Hof anerkennend gedacht werden. Die zahlreichen Zuſchauer ſpendeten den anregenden Darbietungen reichen Beifall. (Aus Zeitungsberichten.)

7. Ein Elternabend gab uns am 28. Februar Gelegenheit, Eltern und Angehörige unſerer künftigen Sextaner kennen zu lernen. Der Direktor erläuterte die zur Zeit geltenden Beſtimmungen über den Uebergang aus der Grundſchule in die höhere Schule, Studienrat Dr. Boller ſprach über den Zweck und den Verlauf der Aufnahmeprüfung. In der Ausſprache konnte auf mancherlei Anfragen Auskunft erteilt werden.

8. Unſere Schüler beſuchten, wie ſeither, verſchiedene Lehrfilmvorführungen, die Schülervor⸗ ſtellungen des Landestheaters und die Konzerte der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. Die Verhandlungen mit den Veranſtaltern führten die Herren Dr. Ausfeld und Veith.

Unter ſachverſtändiger Führung beſichtigten einzelne Klaſſen oder Abteilungen die Internationale Ausſtellung in Frankfurt a. M.Muſik im Leben der Völker, die Ausſtellung im LandesmuſeumAlte Kunſt am Mittelrhein und die landwirtſchaftliche Ausſtellung auf dem ehemaligen Exerzierplatz.

9. Im Sommerhalbjahr trieben wir Bewegungsſpiele aller Art auf der Wieſe am Böllenfalltor und auf unſerem Spielplatz an der Soderſtraße; bei dem Mangel an verfügbaren Lehrkräften konnten wir dieſen Teil der Leibesübungen im Winterhalbjahr nur in beſchränktem Maße durchführen.

An den Schlagballwettkämpfen um die Meiſterſchaft von Heſſen und um den vom Heſſiſchen Philologenverein geſtifteten Wanderpreis, dasHeſſenbanner, beteiligte ſich eine aus Schülern unſerer Oberklaſſen ausgewählte Mannſchaft.

An den Reichsjugendwettkämpfen nahmen 150 Schüler teil. 78 von ihnen wurden Sieger im Sinn der Wettkampfbedingungen, ſodaß 8 die Ehrenurkunde des Herrn Reichspräſidenten, 70 die Ehren⸗ urkunde des Deutſchen Reichsausſchuſſes für Leibesübungen erhielten.

Bei dem Schulwettſchwimmen in der großen Schwimmhalle des ſtädtiſchen Hallenbades wurde in der 10= 50 m Staffel unſere Mannſchaft wieder zweiter Sieger.

Die Leitung der Leibesübungen, der Wettſpiele und der Reichsjugendwettkämpfe lag in den Händen

des Herrn Studienrats Dr. Rink. Den verbindlichen Schwimmunterricht der Quarta erteilte in dieſem Jahre Direktor Lauteſchläger.

10. Der Heſſiſche Landesverein vom Roten Kreuz veranſtaltete im Oktober und November 1927 einen Lehrgang für Schüler höherer Lehranſtalten in der erſten Hilfeleiſtung bei Unglücks⸗ fällen. Von unſern Primanern und Oberſekundanern nahmen 20 daran teil.

11. Der Schulgruppe des Vereins für das Deutſchtum im Ausland(V. D. A.) gehörten im abgelaufenen Schuljahr 290 an. Gleich bei Beginn des Schuljahres hat ſich unſere Schulgruppe an der

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