Jahrgang 
1915
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Unſere zurückbleibenden Schüler beteiligten ſich in großer Zahl an den friedlichen Arbeiten, die der Krieg erforderte und die ihren Kräften entſprachen. Zu Beginn des Krieges waren als Ernte⸗Arbeiter und Radfahrer für das Rote Kreuz oder für Militärbehörden 77 Schüler der oberen und mittleren Klaſſen tätig. Vom 17. Auguſt bis zum 22. November halfen 7 Schüler als Radfahrer bei der Verband⸗ und Erfriſchungsſtelle des Roten Kreuzes am Bahnhof, vom 13. Auguſt bis Oſtern 1915 zuerſt 22, dann, da das Bedürfnis geringer wurde und auch Wetter und Schulſorgen manchen hinderten, nach und nach weniger, zuletzt noch 7 Schüler Stein IIa, Breitwieſer IIb, Roller IIb, Kaſtner IIIa, Kißner IIIa, Lang IIIa, H. Müller IIIb als Radfahrer bei der Hauptgeſchäftsſtelle des Roten Kreuzes in der Rheinſtraße. Beim Einſammeln der Weihnachtsgaben für unſere Krieger halfen 10, beim Einſammeln der Wollſachen Ende Januar 11 Schüler. Am 2. und 3. Februar wirkten faſt alle Unterprimaner und Oberſekundaner bei der Mehlſtatiſtik, am 13. Februar die Unterprimaner bei den Vorarbeiten zur Ausgabe von Brotkarten mit.

Viele Primaner und Oberſekundaner wurden auch in den erſten Kriegswochen zu Sanitätskurſen beurlaubt, und die Oberprimaner Kleinen, Lade, Weiſſenbruch waren drei Monate, der Unter⸗ primaner Collatz vom Auguſt bis zum März beurlaubt, um Krankenpflegerdienſte zu tun, während der Oberprimaner Werner vom Auguſt bis Anfang Januar bei der Heeresverwaltung in Darmſtadt Hilfsdienſte leiſtete. Ende Februar und Anfang März widmeten ſich unſere Schüler mit großem Eifer dem Einſammeln von Gold für die Reichsbank,; beſonders eifrig und erfolgreich waren die Unter⸗ primaner Cronenbold, Knodt, Plagge, Reuß, Shuit. Schliephake, Thomas, die Oberſekun⸗ aner von Gerlach, Heid, Neßling, Stein, von Stöſſer, die Unterſekundaner Biſch, zu Dohna, Draudt, Fink, Gerhard, Köhler, Nahm, Neidhart, Scharmann, Seitz, Wolff, die Obertertianer Bangel, Breimer, Forch, Seeber, Stein, Weiß, die Untertertianer Breidenbach, Brill, Funk, Gutmann, Heldmann, H. Müller, die Quartaner Bernhard, Dinand, Georg, Lautenſchläger, Riebel, die Quintaner Breitwieſer, Glaub, Lehr, Matthes, Scheid, Vogel, die Sextaner Radke, und Wünzer und die Vorſchüler Gennes, Kloſtermann, Malzi, Magel, Manck, Maus, O. Weber. Es kamen über 30 000 Mark zuſammen. Zur Belohnung gaben wir am 8. Märzwgoldfrei. Die Maßregel iſt pädagogiſch anfechtbar. Wir denken aber nüchtern genug, um überzeugt zu ſein, daß wir damit den Schülern eine beſondere Freude machten, und hoffen, daß auch die Eltern unter den vor⸗ liegenden Umſtänden ſich über dieſes Abweichen von guten, pädagogiſchen Grundſätzen nicht beſchweren werden.

An den Übungen der Jugendwehr nehmen ſeit September 75 unſerer Schüler teil. Die Herren Profeſſor Jrig und Profeſſor Kißner wirken dabei als Gruppenführer mit.

In den Herbſtferien lag der Diviſionsſtab der neugebildeten 48. Reſerve⸗Infanterie⸗Diviſion in unſeren Schulräumen und traf hier ſeine Vorbereitungen zum Ausmarſch. Ende November und An⸗ fang Dezember beſuchten 14 junge Flüchtlinge aus Schleſien unſere Anſtalt als Gaſtſchüler.

In unſeren Schulfeiern lag in dieſem Jahr eine beſondere Kraft und Weihe. Am Sedantag verſammelte ſich die Schule im Feſtſaal. Der Direktor wies in einer Anſprache auf die beiſpielloſen Erfolge der erſten Kriegswochen hin, las eine Anzahl von Gedichten und Anekdoten vor, aus denen der Geiſt hervorleuchtet, der im Heer und im ganzen Volk herrſcht, und ſchloß mit Wünſchen für unſere Krieger, Dank für die Gefallenen und Hoffnung für die Zukunft. Dem Hoch auf das Vaterland folgte der Geſang: Deutſchland über alles! Am Vorabend des Geburtstags Sr. Kgl. Hoheit des Groß⸗ herzogs und am Geburtstag S. M. des Kaiſers waren zu unſeren Schulfeiern auch viele An⸗ gehörige unſerer Schüler und Freunde der Anſtalt erſchienen. ir feierten dieſe Tage durch Geſang und Vortrag von Liedern und Gedichten, die faſt ausnahmslos erſt jetzt in dieſer großen und ſchweren Zeit entſtanden ſind, die Zeugnis ablegen von der Bewunderung und Dankhbarkeit, die wir für unſere Helden draußen empfinden, und zugleich geeignet ſind, unſere Jugend innerlich zu erheben und zu ſtärken für die Gegenwart und für die Zukunft. Am 17. Februar kam während der erſten Unterrichtsſtunde die Nachricht von der gewaltigen, ſiegreichen Maſurenſchlacht. Die Schule wurde ſofort im Feſtſaal leſamneta der Direktor wies auf die große Bedeutung des Sieges hin und ſchloß dann die Schule ür dieſen Tag.

Der übliche Tagesausflug wurde am 23. Juni 1914 gemacht; die Jugendſpiele auf unſerer Waldwieſe fanden nur bis zu den Sommerferien ſtatt.

Unſer Lehrerrat hat beſchloſſen, in dieſem Jahre den für Prämien beſtimmten Geldbetrag(M. 92,99) nicht zur Anſchaffung von Büchern zu verwenden, ſondern dem Roten Kreuz zur Verfügung zu ſtellen. Den Schülern, die eines Prämiums würdig befunden werden, ſoll dies ſchriftlich bezeugt werden.? Wir wiſſen, daß unſere Schüler mit einer ſolchen Verwendung einverſtanden ſind, und hoffen, daß den Ausgezeichneten dieſe ſchriftliche Anerkennung ihrer Lehrer um ſo größere Freude machen wird.