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V. Zur Geſchichte der Anſtalt. (Oſtern 1900 bis Oſtern 1910.)
Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 20. April und ſchloß Mittwoch den 29. September 1909. Das Winterhalbjahr begann Freitag den 15. Oktober 1909 und wird Samstag den 19. April 1910 ſchließen.
Am 1. April 1909 wurde Herr Pfarrer Axt) als Oberlehrer angeſtellt und erhielt zugleich den Charakter als Profeſſor. Herrn Profeſſor Dr. Leidolf wurde am 25. November 1909 das Ritterkreuz I. Kl. des Philippsordens verliehen.
Herr Turninſpektor Schulrat Schmuck wurde mit Beginn des Schuljahres von der Erteilung der 4(2) Turnſtunden entbunden, die er ſeit Herbſt 1898 an unſerer Anſtalt gegeben hatte. Im Herbſt 1909 ſchied infolge des Eingehens der unterſten Herbſtklaſſe Herr Claß von uns, nachdem er in mehr als zehnjähriger Arbeit ſeine Kräfte unſerer Vorſchule, insbeſondere den Anfängern. gewidmet hatte; er über⸗ nahm eine Lehrerſtelle an der hieſigen Mittelſchule I.
Zu militäriſchen Uebungen waren Herr Oberlehrer Dr. Ausfeld im April und Mai, Herr Ober⸗ lehrer Dr. Ranft im Auguſt und September beurlaubt; wegen Krankheit Herr Profeſſor Dr. Matthäi von Oſtern bis zu den Sommerferien, Herr Profeſſor Dr. Zimmermann während des ganzen Winter⸗ halbjahres. Sie wurden durch die Herren Lehramtsreferendare Wilhelm Heyl, Ernſt Büttner, Dr. Hermann Knöllinger und Dr. Karl Kircher vertreten.
Herr Heyl blieb weiter an unſerer Anſtalt; ebenſo gehörten ihr an von Herbſt bis Weihnachten Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Wilhelm Riedel, von Herbſt bis Oſtern Herr Lehramtsreferendar Ludwig Emrich, von Januar bis Oſtern Herr Lehramtsaſſeſſor Auguſt Kleinſchmidt.
Wir haben in dieſem Jahr den Tod von zwei hoffnungsvollen, braven Schülern, Erich Stein IIb 0 und Eduard Langsdorf II H, zu beklagen.
Der Sedantag wurde, wie üblich, durch Ausflüge gefeiert. Am 10. November 1909 fanden in den Klaſſen Schiller⸗Gedächtnisfeiern ſtatt. Auch die Geburtstagsfeier ſeiner Königlichen Hoheit des Großherzogs am 25. November 1909, zu der die Angehörigen unſerer Schüler und die Freunde der Anſtalt eingeladen waren, wurde zugleich zu einer Schillerfeier geſtaltet. Unſere Kaiſer⸗ feier beſtand diesmal in der Aufführung der Antigone von Sophokles(Donner'ſche Ueberſetzung) durch Primaner. Die eigentliche Schulfeier, nur für Lehrer und Schüler, fand am 26. Januar nachm. ſtatt; dann wurde die Antigone am 28. und am 29. Januar nachm. für Angehörige und Freunde wiederholt. Unſere Primaner haben ſich ihrer Aufgabe mit großer Hingabe und mit gutem Erfolge gewidmet. Wir hatten die hohe Freude, zu ſehen, wie mächtig das erhabene Werk auch in anſpruchsloſer Darbietung noch heute die Herzen ergreift, und hoffen, daß alle Zuhörer von dem lebhaften Gefühl durchdrungen worden ſind, wie wertvoll die eingehende Beſchäftigung mit ſolchen Werken für die Entwicklung von Geiſt und Gemüt eines heranwachſenden Menſchen iſt.
Unſere Jugendſpiele wurden, wie im Vorjahr, gepflegt und ſchloſſen auch diesmal wieder mit Wett⸗ ſpiel und Preisverteilung.
Herr Medizinalrat Dr. Lehr hielt in dankenswerter Weiſe unſeren Abiturienten wieder einen Vortrag über ſittliche und geſundheitliche Gefahren.
Das Prämium zum Andenken an Profeſſor Heinrich Wagner wurde in dieſem Jahr dem Ober⸗ primaner Eberhard Schenk zu Schweinsberg verliehen.
*) Friedrich Axt, geboren 1870 zu Elsheim, Kreis Bingen, beſuchte zuerſt die Volksſchule ſeines Heimatortes, von 1884—87 die Privat⸗Lehranſtalt des Pfarrers Lic. Dr. Krumm zu Groß⸗Winternheim, von 1887 an das Gym⸗ naſium zu Worms, wo er Oſtern 1890 die Reifeprüfung beſtand. Von 1890 ab ſtudierte er in Gießen ev. Theologie, beſtand im März 1894 daſelbſt die Fakultätsprüfung, genügte im April 1894/5 ſeiner Militärpflicht, beſuchte Oſtern 1895/6 das Predigerſeminar zu Friedberg und beſtand im Auguſt 1896 die Definitorialprüfung. Von Nov. 1896 ab war er zuerſt Pfarraſſiſtent, dann Pfarrvikar in Ober⸗Ramſtadt, von Mai 1901 ab Pfarrer in Mommenheim, deris Oppenheim, und wurde Oſtern 1908 mit der Verwaltung einer Oberlehrerſtelle am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium beauftragt.


