17 ſeine Eigenſchaft als Landtagsabgeordneter behinderten Profeſſors Friedrich mit der proviſoriſchen Ver⸗ waltung einer Lehrerſtelle beauftragt.
Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde der Acceſſiſt Karl Völzing der Anſtalt zur Ableiſtung des zweiten Probejahres überwieſen und durch Min.⸗Verf. vom 17. Januar 1898 zum Zwecke der Vertretung eines erkrankten Lehrers an das Gymnaſium zu Büdingen berufen.
Eine öffentliche Schulfeier konnte in dieſem Schuljahre nicht abgehalten werden, da der Zuſtand der zur Aula befindlichen Treppe dies verbot. Wir beſchränkten uns daher auch an den Allerhöchſten Geburtstagen Ihrer Kgl. Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin ſowie Sr. Majeſtät des Kaiſers auf eine beſcheidene Feier mit Feſtrede, muſikaliſchen und deklamatoriſchen Aufführungen im engeren Kreiſe. Es ſprachen dabei Prof. Dr. Matthäi über den Anteil der Heſſen an dem erſten Koalitionskriege und Dr. Buchhold über deutſche Kolonieen und Flotte. Der Unterzeichnete brachte jedesmal mit einem Schlußwort das Hoch aus. Zum Sedanstage ſprach Prof. Friedrich vor der verſammelten Schule.
Für verſchiedene der Bibliothek und den Sammlungen gemachte Geſchenke bleibt die Anſtalt den freundlichen Gebern zu herzlichem Dank verpflichtet. In dieſem Zuſammenhang möge man es uns nicht verargen, wenn wir die Freigiebigkeit unſerer Freunde auf folgendes verweiſen: Es fehlte der Anſtalt ſeither an einer Schülerbibliothek. Da aus den laufenden Mitteln allein es nicht möglich geweſen wäre, den für unſere große Schülerzahl nötigen Büchervorrat in abſehbarer Zeit zu beſchaffen, ſo hat die vorgeſetzte Behörde auf unſeren Antrag genehmigt, daß an der Anſtalt ähnlich wie z. B. in Gießen und Bensheim ein Schulleſeverein ins Leben gerufen wird, der ſich durch geringfügige Beiträge und unter Mitwirkung der Schüler ſelbſt erhält. Selbſtverſtändlich iſt die Teil⸗ nahme einem jeden durchaus freigeſtellt, und wir verwahren uns im voraus gegen die Unterſtellung, daß irgend eine Preſſion auch nur mittelbar ausgeübt werden ſolle. Durch eine urſprünglich für andere Zwecke beſtimmte größere Summe, die zu unſerer Verfügung ſtand, iſt eine genügende Grund⸗ lage gegeben, ſo daß wir daraus und aus den zahlreichen kleinen Schülerbeiträgen ſchon im Sommer beginnen können, unſeren Schülern eine⸗paſſende Lektüre in die Hand zu geben.
Nach einem Beſchluſſe der Lehrerkonferenz wird in Zukunft auf den halbjährigen Zeugniſſen der Schüler nicht mehr eine ſogen. Generalnote vermerkt werden. Die ziffermäßige Ermittelung einer ſolchen aus der verſchiedenartigen Wertſchätzung der einzelnen Lehrfächer wird ſtets künſtlich und des⸗ halb unzuverläſſig bleiben, und die ganze Einrichtung, die nur auf ſtatiſtiſche Zwecke zurückgeht und als ſolche Großh. Regierung gegenüber auch beſtehen bleibt, hat nachweisbar oft Geſamturteile über die Leiſtungen hervorgebracht, die offenkundig falſch waren und zu recht mißlichen Folgen führten. Übrigens kennen auch zahlreiche andere Anſtalten dieſes ziffermäßige Geſamturteil in den Zeugniſſen ihrer Schüler nicht.
Wegen des Neubaues einer breiteren maſſiven Treppe im Südbau werden diesmal die Oſter⸗ ferien unter Wegfall der ſogenannten öffentlichen Prüfungen auf volle vier Wochen verlängert.


