Jahrgang 
1925
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I. Der Unterricht.

A. Behandelter Lehrſtoff.

Dem Unterricht der Höheren Mädchenſchule lag der von der oberſten Schulbehörde herguegegebene Lehrplan(Staatsverlag 1913) zugrunde.

Frauenſchule.

Bedingung zum Eintritt in unſere Frauenſchule iſt der Beſitz des Abgangszeugniſſes aus der oberſten Klaſſe einer höheren Mädchenſchule oder der erfolgreiche Beſuch der Unterſekunda einer höheren Lehranſtalt für Knaben. Bei anderer Vorbildung ſind die entſprechenden Kenntniſſe durch eine Aufnahme⸗ prüfung nachzuweiſen. Das Schulgeld beträgt zur Zeit monatlich 15 Mark. Beſuchen noch Geſchwiſter eine Schule, ſo tritt die übliche Ermäßigung ein.

In der, Frauenſchule werden folgende Stoffe behandelt:

Klaſſe II.

Deutſch, 2 St. w. Literatur ohne geſchichtlichen Zuſammenhang: Lektüre und Beſprechung, Deutſch⸗ kundliches, Vorträge von Schülerinnen.

Englich, 2 St. w.[wahlfrei] Vorträge über die engliſche Literatur von Chaucer bis Shakeſpeare. Sprechübungen über Dinge des täglichen Lebens. England und ſeine Einrichtungen.

Franzöſiſch, 2 St. w.[wahlfrei! Vorträge über die Entwicklung der franzöſiſchen Sprache und Literatur bis zum 18. Jahrhundert; das klaſſiſche Drama. Leſen einiger Muſterſtücke. Konverſation über Stoffe des praktiſchen Lebens, Frankreich, Land und Leute.

Kunſtgeſchichte, 2 St. w. ſwahlfrei]j Ausgewählte Kapitel aus der Kunſtgeſchichte.

Kochen, 4 St. w. Zubereitung aller in der gut bürgerlichen Küche vorkommenden Speiſen, wie Suppen, Gemüſe, Salate, Braten, Wild, Geflügel, Ragout, Mehl⸗ und Eierſpeiſen, Süßſpeiſen, Gelees, Torten, Kuchen, Gebäck und Liköre. Der Einkauf von Gemüſe und Obſt wird von den Schülerinnen unter Aufſicht einer Lehrerin abwechſelnd beſorgt.

Nahrungsmittellehre, 1 St. w. Beſprechung der wichtigſten Nahrungsmittel mit einigen Aus⸗ arbeitungen. Kinder⸗ und Krankenkoſt, Nährwertberechnungen, Anwendung der Kochkiſte, Chemie.

Hausarbeit, 2 St. w. Reinigen der verſchiedenen Küchen⸗ und Hausgeräte, Vorhänge anmachen, große Wäſche, Reinhalten der Wohn⸗ und Schlafräume, Haus⸗ und Küchenputz. Bügeln von Tiſch⸗, Bett⸗ und Leibwäſche. Stärken und Bügeln der Herrenwäſche und Vorhänge.

Rechnen, Buchführung, 1 St. w. abw. a) Die vier Grundrechnungsarten, die Bruchrechnung, Geſellſchafts⸗-, Prozent⸗ und Zinsrechnung nachkaufmänniſcher Methode. b) Aufſtellung mehrerer Voranſchläge. Führung des Wirtſchaftshauptbuchs nebſt Abſchluß.

Nadelarbeit, 4 St. w. Weißnähen: Angefertigt wurden Hemden, Beinkleider, Schürzen, Friſier⸗ jacken, Bettwäſche, z. B. Kiſſenbezüge, Überſchlagstücher, Bettbezüge; Prinzeß⸗ und Taillenunterröcke, Untertaillen, Damennachthemden, Herrentag⸗ und Nachthemden. Flicken und Stopfen von Gegenſtänden. Gezeichnet wurden verſchiedene Muſter.

Erziehungslehre, 2 St. w. Geſchichte der Pädagogik in Umriſſen, Pſychologiſche Grundlegung, Entwicklung der Kindesſeele, PeſtalozziLienhard und Gertrud.

Bürgerkunde, 1 St. w. Wichtige Abſchnitte aus der Städteordnung, der Verfaſſung des Volks⸗ ſtaates Heſſen und des Deutſchen Reiches..

Wohlfahrtspflege, 1 St. w. Einführung in die Wohlfahrtspflege. Der Säugling, das Kind im vorſchulpflichtigen und ſchulpflichtigen Alter, Jugendfürſorge. Beſuche der verſchiedenen Anſtalten.