Jahrgang 
1915
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Mit tiefer Trauer haben wir ihrer in ſchlichten Feiern am Beginn des Unterrichts nach den Herbſt⸗ und Weihnachtsferien gedacht; dankbar ſind wir ihnen für das, was ſie für uns und unſer liebes Vaterland geleiſtet haben, und ehrenvoll ſoll ihr Andenken ſtets in der Geſchichte unſerer Anſtalt gewahrt bleiben.

Am 5. September trat Herr Direktor Kiſſinger als Freiwilliger beim II. Landſturmbataillon Darmſtadt ein und befindet ſich gegenwärtig als Leutnant in Polen. Mit ſeiner Vertretung in der Leitung der Schule wurde Profeſſor Zimmer von Großh. Miniſterium beauftragt.

Unter den Waffen ſtehen ferner noch im Heimatlande die Herren Profeſſor Axt, Lehramtsaſſeſſor Schömer, Reallehrer Schäfer, Reallehrer May und Handelslehrer Simon. Auch Herr Dr. Italiener wurde eingezogen. Herr Dr. Koepke konnte wegen ſeines Dienſtes in den Lazaretten den Unterricht in der Geſundheitslehre in der Frauenſchule nicht fortſetzen.

4. Die Vertretung der eingezogenen Herren und die regelmäßige Durchführung des Unterrichts wurde uns durch die Vereinigung der Klaſſen Vla und VIb und durch den Eintritt der Herren Lehramtsaſſeſſoren Dr. Ernſt Widmann und Wilhelm Bauſch, die am 5. September, bezw. am 1. Dezember von Großh. Miniſterium mit der Verwaltung von Lehrerſtellen an unſerer Anſtalt betraut wurden, ermöglicht. Eine freudig begrüßte Hilfe war es, daß einige Damen alsbald in liebenswürdigſter Weiſe in die Lücken ein⸗ ſprangen. Frl. Julie Cellarius, Frl. Hertha Dänzer, Frl. Marie Frölich, Frl. Hildegard Schenk, Frl. Dorothea Weber und Frl. Gertrud Weinsheimer haben uns durch Übernahme einer größeren Anzahl von Stunden über die ſchlimmſten Zeiten hinweggeholfen. Sie haben auf dieſe Weiſe an ihrem Teil ſich dem großen Vaterlande nützlich erwieſen und verdienen unſeren herzlichſten Dank für ihre uneigennützige, erfolgreiche Tätigkeit. Ihre Hilfe war uns umſo willkommener, als bei Kriegsausbruch auch Frl. Kayſer noch 2 ½ Wochen fehlte, weil ſie von England nicht heimkehren konnte, und weil auch Frl. Waldner noch 4 ½ Wochen nach den Sommerferien wegen Krankheit der Schule fernbleiben mußte. Ebenſo war auch Frl. Morell gezwungen, infolge von Familien⸗ und Geſundheitsrückſichten einen Urlaub vom 18. 8. bis 4. 11. zu nehmen. Frl. Cellarius, Frl. Weber und Frl. Weinsheimer waren bis zum Schluſſe des Schuljahres an der Anſtalt tätig..

Beſondere Anerkennung gebührt Herrn Pfarrer Marr, der die Hälfte der Religionsſtunden des Herrn Profeſſors Art und den Unterricht in der Wohlfahrtspflege übernahm. Das rege Intereſſe unſerer Schülerinnen, das er zu wecken wußte, ſei ihm der ſchönſte Dank für ſeine Lehrtätigkeit. Auch Herrn Dr. Nahm ſchulden wir Dank dafür, daß er den Unterricht des Herrn Dr. Koepke bereitwilligſt fortſetzte. Herr Aſſeſſor Dr. Stichel, der uns als Volontär treu zur Seite geſtanden hatte, wurde am 30. Oktober an die Schillerſchule in Friedberg verſetzt. Vom 10. Dezember bis 10. Februar mußte Frl. Fertſch abermals wegen Erkrankung vom Dienſte wegbleiben. Ihre Vertretung wurde vom 10.23. Dezember durch Frl. Weber, vom 7. Januar bis 10. Februar durch Herrn Aſſeſſor Bauſch übernommen. Vom 15. Februar bis zum Schluſſe des Schuljahres war Frl. Kayſer erkrankt. Sie wurde durch Herrn Aſſeſſor Bauſch vertreten.

5. Mit regem Eifer haben ſich unſere Schülerinnen in den Dienſt des Vaterlandes geſtellt. In der Frauenſchule wurden in den erſten Monaten des Krieges ungeheure Mengen Obſt für Lazarettzwecke eingekocht, in der Frauenhilfe und in den Kinderhorten waren unſere Frauenſchülerinnen tätig, von der oberſten bis zur unterſten Klaſſe der Schule wurde durch eifriges Stricken, Nähen und Charpiezupfen viel für unſere Soldaten und für die Kriegsfürſorge geſchaffen. Beſondere Verdienſte haben ſich hierbei unſere Haushaltungs⸗ und Handarbeitslehrerinnen erworben, denen keine Arbeit für die gute Sache zuviel war, und die ſtets gerne mit Rat und Tat uuſeren Schülerinnen zur Seite ſtanden. Ihren Höhepunkt erreichten alle dieſe Arbeiten um die Weihnachtszeit, als es galt, unſeren Kriegern und ihren hier in Not geratenen Familien eine Weihnachtsgabe zu ſenden. Ein reicher Erfolg und ein herzlicher Dank der Beſchenkten bereitete unſeren Schülerinnen ſelbſt die größte Freude über ihre Arbeiten. Sehr rege beteiligten ſich auch unſere Mädchen an der Goldſammlung. In wenigen Tagen kamen über 35 000 Mk. zuſammen, die auf der Reichsbank umgewechſelt wurden.

6. Die Feier von Großherzogs Geburtstag begingen wir durch Anſprachen der Klaſſenführer in den einzelnen Klaſſen. Am 12. Dezember veranſtalteten die Schülerinnen unſerer zweiten Klaſſe eine öffentliche Aufführung einzelner Scenen aus der Jungfrau von Orleans zum Beſten einer Weihnachts⸗ beſcherung in einem hieſigen Lazarett. Der außerordentlich günſtige Erfolg ermutigte die Mädchen, die Veranſtaltung am 15. Dezember zu wiederholen und die Verwundeten einzuladen. Etwa 250 Soldateu erſchienen, und auch viele Angehörige unſerer Schülerinnen nahmen teil. Ein von Fräulein Dietzſch ver⸗ faßter Prolog, Geſänge der Klaſſe und eine Anſprache von Profeſſor Zimmer umrahmten die Darbietungen.