Jahrgang 
1928
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V. CESCHICHTE DER ANSTALT 1. BERICIIT OBER DIE JAHRE 1922- 1027

Zum erstenmal seit 1016 legen wir einen gedruckten Bericht vor. Soweit es sich um das Seminar für Volksschul- lehrerinnen handelt, sind für die Jahre 1016- 1020(wo das Seminar aufgelöst wurde) die Angaben in derGeschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen enthalten, die Herr Geheimerat Jacobi verfaßte. Wir können uns deshalb auf eine Zusammenstellung der Ereignisse beschränken, die für die Entwidlung der Aufbauschule wichtig sind.

Die Aufbauschulen sind das jüngste, erst 1921 geschaffene Glied unseres höheren Schulwesens in Hessen. Sie führen ebenso wie die Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen und Studienanstalten zur Reifeprüfung, nehmen aber im Gegensatz zu allen grundständigen Schulen, d. h. Schulen, die mit der Sexta beginnen, ihre Schüler erst nach mindestens siebenjährigem Besuch der Volksschule und zwar in IIIb auf. Allerdings können das Ziel der Aufbauschulen die Reifeprüfung schon nach sechs anstatt nach neun Jahren nur wirklich begabte und körperlich widerstandsfähige Schüler erreichen. Die hessischen Aufbauschulen, ein Werk des leider zu früh verstorbenen Ministerialrats Bach, sind nach dem Lehrplan derdeutschen Oberschulen eingerichtet, d. h. in ihnen soll das nationale Kulturgut deutsche Sprache und Literatur, Kunst und Geschichte eine besondere Pflege finden. Nach ihrer Eigenart ist die Aufbauschule in erster Linie für solche Schüler bestimmt, die die Anstalt bis zur Ober-Prima durchlaufen wollen, da naturgemäß beim Austritt aus einer anderen Klasse die Schüler eine unfertige und ungenügende Bildung erlangt haben. Im Jahre 1925 haben die Regierungen der deutschen Länder(mit Ausnahme von Bayern) das Reifezeugnis der Aufbauschulen anerkannt, und ihre Reifeprüflinge sind seit diesem Zeitpunkt zu dem Studium und zu den akademischen Prüfungen an ihren Universitäten und Hoch- schulen zugelassen. Hessen hat 4 Aufbauschulen: 3 für Knaben in Alzey, Bensheim und Friedberg und unsere Aufbauschule für Mädchen. Nachdem zu Ostern 1021 mit Rüdsicht auf die geplante Umstellung der Lehrer- bildung der Abbau des Seminars mit dem Eingehen der untersten(6.) Seminarklasse begonnen hatte, und nachdem im Herbst 1921 dem Seminar für Volksschullehrerinnen der erste und zweite Stod des früheren neuen Gymnasiums überwiesen worden war im Erdgeschoß wurde das pädagogische Institut untergebracht- erfolgte die erste Aufnahme für die IIIb der Aufbauschule zu Ostern 1922, so daß dieses Jahr als Gründungsjahr der Aufbauschule für Mädchen gilt. Von den 28 Schülerinnen, die aufgenommen wurden, haben es allerdings nur 13 bis zur Reifeprüfung gebracht. Die Aufnahmeziffern für die folgenden Jahre sind: 1023: 27; 1024: 21; 1925: 33; 1926: 27; 1927: 34.

In den Berichtsjahren fand ein größerer Wechsel im Lehrkörper statt. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1023 trat der hochverdiente Leiter des Seminars für Volksschullehrerinnen, Geheimerat Dr. Jacobi, in den Ruhestand. Gerade 22 Jahre, von dem 5. Juni 1902 ab, dem Tage der Eröffnung des Seminars für Volksschullehrerinnen, hat Herr Geheimerat Dr. Jacobi die Anstalt vorbildlich und zielsicher geleitet. Die Dankbarkeit der Lehrenden und der Schülerinnen und die Anerkennung der vorgesetzten Behörde fand ihren starken Ausdrud bei der Abschiedsfeier, die unter Teilnahme des Herrn Ministerialdirektors Urstadt am 26. September für den scheidenden Direktor und die gleichfalls in den Ruhestand tretende Musiklehrerin Frl. Streb abgehalten wurde.

Studienassessor Dr. Awemarie, der vom 12. Oktober 1923 an beurlaubt war, schied zu Ende des Schuljahrs 1923 aus der Anstalt aus. Seine Stelle wurde zunächst nicht wieder besetzt. Am 4. Oktober 1924 wurden Studien- assessor Dr. Mahr und und Seminarlehrer Borngässer zu Studienräten ernannt. Professor Lic. D. Matthes erhielt am 18. Mai 1925 die venia legendi für ev. Religionspädagogik, und Professor Roos promovierte in dem gleichen Jahr in Freiburg. Die Musiklehrerin Frl. Stahl wurde mit Wirkung vom 1. Mai 1026 in den Ruhestand versetzt. An ihre Stelle und zur Entlastung des am pädagogischen Institut verwendeten Studienrats Borngässer übernahmen Lehrer Niebergall, Frl. Weber und Frl. Weitzel den Klavierunterricht. Seminarlehrer Schwinn wurde mit Beginn des Schuljahres 1926 unter Ernennung zum Studienrat an das Realgymnasium versetzt. Mit Wirkung vom 10. April 1926 wurde Studienassessor Dr. Stiefenhofer die Verwaltung einer Studienratstelle übertragen.

Der Unterrichtsbetrieb erlitt eine große Störung, als am 23. August 1923 unser Schulhaus zur Unterbringung von Ausgewiesenen beschlagnahmt wurde, so daß wir die beiden Aufbauklassen in das Schulhaus der Eleonoren- schule verlegen mußten. Gegen Ende des Schuljahrs 1924/25 wurde das Schulhaus von derFlüchtlingsfürsorge freigegeben, und mit Beginn des Schuljahrs 1926/27 das pädagogische Institut in das frühere Lazarett in der Alexanderstraße verlegt, so daß uns seit dem Schuljahre 1920/27 das Schulhaus, von dessen Schönheit einige photographische Aufnahmen ein Bild geben, ganz zur Verfügung steht. Durch Einbauen von Wandschränken und durch Aufstellen von Schaukästen konnten wir unsere reichhaltige naturwissenschaftliche Sammlung wenigstens zum Teil auf dem Gange des ersten Stods unterbringen und damit ein wertvolles Anschauungsmaterial den Schülerinnen zugänglich machen. 1020 konnte in den Räumen im Erdgeschoß das vom Landtage bewilligte Schülerinnenheim eröffnet werden.

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