Jahrgang 
1906
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In dankbarer Anerkennung dieser Fürsorge des Staates für die wissenschaftliche Ausbildung ihrer Söhne hat die Stadt ihrerseits ihre Beisteuer zum Haushalt des Königlichen Gymnasiums mit den Jahrzehnten fortschreitend erhöht, hat zur Jubiläumsstiftung für bedürftige und würdige Schüler bei der Feier des 25 jährigen Bestehens des Gymnasiums eine hohe Summe beigetragen und stets seine Erinnerungs- und Ehrentage mitgefeiert.

Und sieht das Königliche Gymnasium auch schon seit Jahren infolge des weitschauenden Blickes der städtischen Behörden eine Reihe gleichstrebender Schwesteranstalten um sich, so wird es doch auch ferner, im Mittelpunkte Alt-Charlottenburgs gelegen, seinen Wert für die Stadt behalten.

In dauernder Erinnerung wird es bleiben, daß unser erster Direktor, der verewigte Herr Geheime Regierungsrat Dr. Ferdinand Schultz, die erste Chronik Charlottenburgs herausgab und damit über die Anfänge und die fernere Geschichte der Stadt wissenschaftlich Licht verbreitete.

Was Charlottenburg für unser Gymnasium, für die uns anvertrauten Schüler bedeutet, davon erfüllt uns ein lebendiges Bewußtsein. ier war der Lieblingssitz der geistvollen Königin Sophie Charlotte, der die Stadt ihren Namen verdankt, hier weilte der große Friedrich nach der Heimkehr aus dem schweren siebenjährigen Kriege in stiller Andacht, voller Dank für Gottes gnädige Führung, hier ruhen Friedrich Wilhelm III und die unvergeßliche Königin Luise, hier ihr Sohn, Kaiser Wilhelm, der Begründer des Deutschen Reiches, und seine Gemahlin, die Kaiserin Augusta, die hohe Frau, die unserer Anstalt ihren Namen verliehen hat, hier nahm Kaiser Friedrich in den 99 Tagen sein erstes Hoflager. Welch große und ernste Erinnerungen für die Herzen der deutschen, der preußischen Jugend!

Und vor diesem bedeutsamen geschichtlichen Hintergrunde erhebt sich das heutige Charlotten- burg, in seiner bevorzugten Lage neben der Reichshauptstadt, mit seiner Technischen Hochschule, seiner Hochschule für die schönen Künste, seinen zahlreichen Reichsanstalten, seinen kirchlichen und städtischen Prachtbauten, seiner ausgedehnten Gewerbtätigkeit, seinen auf der Höhe moderner Technik stehenden Verishrsaunficſtumnen aller Art. Welch eine Fülle erhebender Eindrücke für das heranwachsende

eschlecht!

Wenn irgendwo, so sind in unserer Stadt die Voraussetzungen gegeben für die Erziehung echt deutschgesinnter, königstreuer, gottesfürchtiger und nicht minder mit allen Kenntnissen für die Ansprüche unseres gegenwärtigen Lebens ausgerüsteter Jünglinge.

Möge sich Charlottenburg in dem dritten Jahrhundert seines Bestehens herrlich weiter ent- falten und seine Jugend sich ihrer Heimatstadt immer würdig erweisen!

Es lebe, wachse, blühe Charlottenburg!« (Unterschriften.)

lerr Oberbürgermeister Schustehrus beantwortete die Adresse mit folgenden Worten:

Hochverehrter Herr Direktor! Es gibt wenige Bürger in Charlottenburg, die in Charlottenburg geboren und hier alt geworden sind. Aber einen Buͤrger gibt es von hervorragender Bedeutung, der seit Menschengeschlechtern in Charlottenburg sein Heim aufgeschlagen hat, das ist Ihr Kaiserin Augusta- Gymnasium. In dem Sinne des Spruches, der einst, wenn ich recht unterrichtet bin, nach dem ersten Plan der Errichtung des Hauses, das Sie vor kurzem verlassen haben, über seiner Tür Platz finden sollte, und der lautet:»Gut, schön und wahr! Die Herzen warm, die Köpfe klar!« haben Sie, hat Ihr Gymnasium und das Lehrerkollegium die Jugend Charlottenburgs erzogen, erzogen in den Idealen, die auch in unserer realen Zeit dringend notwendig sind, ja, ich bin der Ansicht, Fe die Grundlage sind, um tüchtige Arbeit zu leisten, um alle Dinge in der Nei vorwärts zu bringen. Viele Charlottenburger Söhne sind in Ihrer humanistisch denkenden Anstalt erzogen worden zu tüchtigen Männern und Bürgern des Vaterlandes. Dafür wissen wir, die städtische Verwaltung, Ihnen, dem Lehrerkollegium Ihres Gymnasiums, aufrichtigsten und herzlichsten Dank. Und daß Sie heute zu uns gekommen sind, um sich als einer der ältesten Bürger mit uns zu freuen des heutigen Tages, dafür danken wir Ihnen ebenso herzlich.

Möge der reiche Strom des Segens, der aus Ihrer Anstalt ausge angen ist, in Jahrzehnten auch fernerhin Geist und Gemüt der Charſottenburger Jugend befruchten! Haben Sie herzlichsten Dankl⸗

Von dem zur Jubelfeier herausgegebenen Prachtwerk»Geschichte der Stadt Uhalaenburge, von Wilhelm Gundlach, das der Magistrat den Teilnehmern am Festmahl überreichen ließ, übersandte er ein Exemplar auch unserer Lehrerbibliothek.

Am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers und Königs hielt Herr Oberlehrer Dr. Schmidt die Festrede, für die er sich die Fortschritte des Deutschtums auf der Balkanhalbinsel und in Vorderasien zum Thema gewählt hatte.

Die Silberhochzeit unseres Kaiserpaares am 27. Februar 1906 wurde in Gegenwart vieler Angehörigen unserer Schüler durch einen Festakt gefeiert, mit dem die Entlassung der Reif- Leproehenen sich verband. Vorträge des Chors bildeten den Anfang und Beschluß, in seiner Festrede

ſeleuchtete der Direktor die Bedeutung des Tages, indem er den Wert des deutschen Hauses für das deutsche Volk in Frsolichtlicher Folge zum Flintergrund nahm. Die Schüler der IIV hatten sich an der Flottenspende höherer Lehranstalten mit einem Betrage von 206 Ml. beteiligt.