Tur Anſtaltsgelchichte.
Das Schuljahr dauerte vom 20. April 1931 bis zum 19. März 1932.
Die verwaiſte Lehrerſtelle an unſerer Schule wurde dem Studienaſſeſſor Dr. Karl Obmann, vorher in Dieburg, übertragen. In den Herbſtferien verließ uns Studienaſſeſſor Heß, der nach Darmſtadt ging; dafür wurde uns zur Fortſetzung ſeines Vorbereitungsdienſtes Studienreferendar Lampas aus Nidda überwieſen und übernahm einige Wochenſtunden. Am 25. Juni erlitt Studien⸗ rat Schwarz einen ſchweren Krankheitsanfall; er mußte ſich einer Operation unterziehen und war bis Weihnachten ganz, ſeit dieſer Zeit halb beurlaubt; ſeine Vertretung lag vom 10. Auguſt bis zum 6. Januar in den Händen des Studienreferendars Dr. Seiler, der am 1. Oktober zum Aſſeſſor ernannt wurde, ebenſo wie der Studienreferendar Dr. Menges, der zwiſchen Sommer⸗ und Herbſt⸗ ferien den erkrankten Studienrat Dr. Kämmerer vertrat. Mit dem Ende des Schuljahres ſcheiden unſere beiden älteſten Kollegen, die Oberſtudienräte Prof. Dr. Wittekind und Prof. Müller aus dem aktiven Dienſte und damit aus dem Schulkollegium aus, dem ſie ſeit Oſtern 1899 bezw. Herbſt 1896 angehört haben; die herzlichſten Wünſche der Amtsgenoſſen begleiten beide Herren in den Ruhe⸗ ſtand, und Lehrer wie Schüler wiſſen ihnen für redliche und erfolgreiche Arbeit Dank.
Am 17. Auguſt beſuchte Herr Miniſterialrat Glückert die Schule und wohnte dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei. Beim Jugendtag(zugleich Gedächtnisfeier für den Freiherrn vom Stein) ſprachen Prof. Müller und als Gaſt Studiendirektor Dr. Treut. Die Rede bei der Verfaſſungs⸗ feier hielt Studienrat Dr. Becker, bei der Totengedenkfeier Studienrat Dr. Kraft. Für die Ober⸗ primaner waren belehrende Vorträge von Medizinalrat Dr. Balſer(Büdingen) und Dr. Rotten⸗ bacher(Arbeitsamt Gießen) beſtimmt. An Pfingſten fand im Gymnaſium eine Thylmann⸗ Ausſtellung ſtatt.
An der V. D. A.⸗Fahrt nach Aachen nahmen 2 Lehrer und 13 Schüler teil; 11 andere mit Aſſeſſor Heß zogen gleichzeitig als„Pfadfinder“ den Rhein hinab. Die Reichsjugendwettkämpfe brachten uns 8 Urkunden des Reichs⸗ und 67 des Staatspräſidenten. Am 8. und 9. Auguſt beging das Gymnaſium unter großer Anteilnahme der alten Schüler ſein 330. Stiftungsfeſt, bei dem dem Unterzeichneten die dankbar begrüßte Spende von 550 RM. für Schulausſtattungszwecke überreicht wurde. Monatsſpaziergänge wurden 8 gemacht, wenig vom Wetter begünſtigt war der Ausflug am 18. Juni, den die Oberklaſſen auch auf den folgenden Tag ausdehnten. Hitzfrei hatten die Schüler an 5 Tagen.
Das Schuljahr 1931/32 war für unſere Schule ein Rekordjahr, ſowohl was die Zahl der Schüler anbetrifft, wie die der Abiturienten, deren Prüfung der Unterzeichnete am 24. und 25. Februar leitete. Ein gewiſſer Rückgang im Schulbeſuch wird in den nächſten Jahren unvermeidlich ſein, doch iſt die Hoffnung berechtigt, daß Heſſens älteſte Schule wie ſo viele frühere Anfechtungen auch neue Rückſchläge ungefährdet überdauern wird, die ihr durch die allgemeine Not wie durch die wenig bildungsfreundliche Strömung unſerer Tage drohen könnten.
Die Direktion des Wolfgang Ernſt⸗Gymnaſiums: Dr. Keller.


