Tur Anſtaltsgelchichte.
Das Schuljahr dauerte vom 28. April 1930 bis zum 28. März 1931.
Während es anfangs ſchien, als ob unſer Lehrkörper zum erſtenmal ſeit längeren Jahren un⸗ verändert bleiben werde, trat dann eine umſo verhängnisvollere Wendung ein: Studienrat Ludwig Bauder, der Lehrern und Schülern ein gleich lieber Freund und für unſere Schule eine der wert⸗ vollſten Stützen war, wurde am 30. Auguſt von einer heimtückiſchen Krankheit hinweggerafft, nach⸗ dem er beinahe 11 Jahre unter uns gewirkt hatte. Wir haben ihm eine ſchlichte Totenfeier gehalten; ſein Andenken wird in Büdingen innerhalb wie außerhalb des Gymnaſiums in Ehren fortleben. Zur Ausfüllung der Lücke wurde uns Studienreferendar Rudolf Seiler aus Horchheim über⸗ wieſen; eine endgültige Wiederbeſetzung der Stelle iſt noch nicht erfolgt. Während des Winter⸗ halbjahrs war Studienaſſeſſor Ferdinand Heß hier freiwillig tätig; ſeine Unterſtützung wurde beſonders dankbar empfunden, als zahlreiche Krankheitsfälle zwiſchen Weihnachten und Oſtern mehr⸗ fach 4 Lehrer gleichzeitig ausſchalteten. Auch die Geſundheit der Schüler ließ im ſelben Zeitabſchnitt viel zu wünſchen übrig.
Am 1. Juli feierten wir unſern Jugendtag zuſammen mit der Volksſchule, die diesmal in Lehrer Feick den Redner ſtellte. Bei der Verfaſſungsfeier am 29. Auguſt ſprach Prof. Weißbart, an ſie ſchloß ſich das heſſiſche V. D. A.⸗Jugendtreffen, deſſen Glanz leider für uns durch den er⸗ wähnten Todesfall getrübt war. Das Ergebnis der Reichsjugendwettkämpfe am 24. September waren 79 Ehrenurkunden(darunter 10 des Reichspräſidenten). Am 31. Oktober beging die Schule ihren eignen Reformationsgottesdienſt(Lic. Eidenmüller), am 15. November eine Keplerfeier (Aſſeſſor Dr. Freidank), die öffentlich wiederholt wurde, am 22. November das Totengedächtnis (Prof. Fecher). Bei allen Veranſtaltungen wirkten Schülerchor und ⸗orcheſter(Aſſeſſor Dr. Pfaff) aufs glücklichſte mit, mehrfach auch Studienrat Dr. Kämmerer als hervorragender Tondichter und skünder. Zu erwähnen bleiben noch die Vorträge des„alten“, aber noch immer begeiſterungsfriſchen Oskar Fiedler(König Oedipus), des von dreijähriger Islandreiſe zurückgekehrten Dr. Lotz (Modernes Island) und des Medizinalrats Dr. Balſer(Belehrung der Abiturienten).
Herr Miniſterialrat Glückert wohnte am 16. Juli dem Unterricht in den meiſten Klaſſen bei und leitete am 18. Februar die Abſchlußprüfung, die allen Oberprimanern das Reifezeugnis brachte.
Der Jahresausflug fand am 10. September ſtatt; die Oberklaſſen wanderten zum Teil mehrere Tage. Außerdem wurden 6 Monatsſpaziergänge gemacht, an deren Stelle im Februar ein Winter⸗ ſporttag im Bereich der Herchenhainer Höhe trat, dort wo das„Vater Bender⸗Heim“ das Andenken eines unſerer getreuſten früheren Pennäler wachhält(† Ende Februar 1931 zu Frankfurt). Hitzfrei hatten unſere Schüler an nicht weniger als 16 Tagen.
Ueber Lehrer⸗ und Schülerſchaft, Prüfungsergebniſſe uſw. unterrichten die Tabellen; vom Ab⸗ druck eines Lehrbücherverzeichniſſes ſehen wir diesmal wieder ab, weil(zum wievieltenmal ſchon!) durch„verbeſſerte Neuauflagen“ eines großen Verlags erneut die alte Unſicherheit eingeriſſen iſt. Möchte ſie bald verſchwinden, damit den Eltern überflüſſige Koſten, der Schule der leidige Wechſel erſpart bleiben!
Auf Anordnung des Kultusminiſteriums werden auch im neuen Jahre alle Schüler pflicht⸗ mäßig gegen Unfälle verſichert; die Jahresprämie beträgt 2 RM.
Die Direktion des Wolfgang Ernſt⸗Gymnaſiums: Dr. Keller.


