Jahrgang 
1917
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Zur Geſchichte der Anſtalt

Das Schuljahr begann am 1. Mai 1916 mit einem Beſtande von 152 Schülern. An die Stelle des ſchon zu Ende des vorigen Schuljahres zum Heere einberufenen Lehramtsaſſeſſors Dr. Müller trat am 1. Mai der Oberlehrer Hans Will, bisher an der Oberrealſchule am Stadthaus zu Offenhach. Den Unterricht des ebenfalls ſchon vor den Oſterferien einberufenen Lehramtsaſſeſſors Schwarz übernahm bis zum 10. Juli 1916, an dem er wieder in den Dienſt eintrat, der Lehramtsreferendar Dr. Holzapfel. Dieſer war dann zunächſt hier als Volonter beſchäftigt, wurde am 12. Oktober mit der Verwaltung einer Lehrerſtelle an dem Gymnaſium zu Offenbach beauftragt und kehrte am 20. November als Volontär hierher zurück. Auf Präſentation Seiner Durchlaucht des Fürſten zu Yſenburg und Büdingen wurde der Lehr⸗ amtsaſſeſſor Dr. Walther Diemer am 22. November 1916 zum Oberlehrer hier ernannt. Der Hilfs⸗ lehrer für israelitiſchen Religionsunterricht, Lehrer Halberſtadt, wurde Anfang September zum Heere einberufen. Im Heeresdienſt ſtehen von unſern Lehrern außer ihm noch drei: Prof Dr. Kraemer als Hauptmann d. L., z. Z. im Oſten, Oberlehrer Keller als Leutnant d. L. und Aſſeſſor Dr. Müller als Landſturmmann, beide im Weſten. Der Unterricht wurde mehrfach durch Erkrankung einiger Lehrer geſtört, konnte aber ſonſt bei voller Lehrerzahl regelrecht gehalten werden. Die Unterrichtsverteilung wurde, von gelegentlichen kleineren Aenderungen abgeſehen, von Anfang bis Ende des Schuljahres beibehalten. Nur der israelitiſche Religionsunterricht mußte nach der Einberufung des Lehrers Halberſtadt ganz aus⸗ fallen, da kein Vertreter zu bekommen war. An wahlfreiem Unterricht nahmen teil: im Hebräiſchen 1, im Engliſchen 6, im Zeichnen 8, in Stenographie nach Gabelsberger 27 Schüler.

Jugendwehr, Wandervogel und Fußballklub litten ſtark darunter, daß gerade die eifrigſten Mitglieder teils einberufen wurden, teils als Fahnenjunker beim Heere eintraten. Hinderlich waren auch die außer⸗ gewöhnlich ungünſtigen Witterungsverhältniſſe in Sommer. Bezeichnend dafür iſt der Umſtand, daß der Unterricht nicht ein einziges Mal wegen zu geoper Hitze auszufallen brauchte. Ausflüge wurden deshalb ebenfalls nur wenig unternommen, im Herbſt beſonders zum Sammeln von Bucheckern, von denen eine nicht unbeträchtliche Menge eingebracht und abgeliefert werden konnte. Der Geſundheitszuſtand der Schüler kann trotz der Ungunſt der Witterung der ganzen Zeiten überhaupt faſt durchweg als erfreulich bezeichnet werden. So war auch der Schulbeſuch im ganzen ſehr regelmäßig. Störend wirkten auf der anderen Seite hin und wieder die unzuverläſſigen Zugverbindungen ein, um ſo mehr, als unter unſeren Schülern nicht weniger als 77, alſo die gute Hälfte, täglich die Eiſenbahn zur Fahrt hierher beuutzen mußten. Von dieſen auswärtigen Schülern haben mehrere die gütige Erlaubnis der Leitung der hieſigen Volksküche benutzt und an dem von dieſer gelieferten ebenſo äftigen und reichlichen wie billigen Eſſen teilgenommen. Wir fühlen uns verpflichtet, im Namen der beteingten Schüler für dieſe Berückſichtigung unſeren herz⸗ lichſten Dank zu ſagen.

Auf dem Gebiet der Kriegshilfe waren die Schüler tätig, ſoweit es ihnen möglich war. Mit der Goldſammlung hat es allerdings ſo ziemlich ein Ende, wenn auch gelegentlich noch einmal ein Schüler 100, ein anderer ſogar 500 Mk. in Gold ablieferte. Vielfach haben ſie während des Sommers teils zu Hauſe, teils bei anderen Leuten beim Einbringen der Ernte geholfen und im übrigen an Sammlungen verſchiedener Art teilgenommen.

Erfreulichen Erfolg hatte die von Oberlehrer Dr. Appel geleitete und eifrig betriebene Sammlung von alten Gold⸗ und Silberſachen für denBaterlandsdank. Es konnte eine ganz ſtattliche Kiſte voll