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14 Tage lang aus.— Für die israelitiſchen Schüler wurde nach den Pfingſtferien durch Verfügung Großh. Miniſteriums ein wöchentlich zweiſtündiger Religionsunterricht eingeführt.
Lehramtsakzeſſiſt Schmidtgen wurde am 1. Oktober durch Verfügung Großh. Miniſteriums zum Lehr⸗ amtsaſſeſſor ernannt und promovierte am 30. Oktober in Gießen zum Dr. phil.— Durch Allerhöchſtes Dekret vom 18. Oktober wurde dem Oberlehrer Dr. Volp der Charakter als Proofeſſor erteilt.— Zum 25. November wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog dem Direktor Dr. Mohr das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war gut; nur kurz vor und nach Weihnachten fanden infolge von Erkältungen und Erkrankungen an Maſern und Scharlach, die jedoch ſämtlich günſtig verliefen, Schulverſäum⸗ niſſe in etwas größerer Zahl ſtatt. Die Ausflüge und Spaziergänge wurden, ſoweit es die Witterung zuließ, regel⸗ mäßig unternommen. Die Gelegenheiten zum Baden und Spielen wurden in dieſem Sommer fleißiger als im vorigen Jahre benutzt. Rege Beteiligung fand das Fußballſpiel, zu deſſen Pflege ſich ein beſonderer Schülerverein bildete. An der vom deutſchen Flottenverein veranſtalteten Schülerfahrt(26. Juni bis 3. Juli) nach Hamburg und Kiel nahmen bedauerlicher Weiſe nur 5 Schüler teil. Zu dem von Herrn Lehrer Bert hier geleiteten Handfertigkeitsunterricht konnten wegen Mangel an Mitteln aus einer weit größeren Zahl von ſich meldenden Schülern nur 12 zugelaſſen werden. An dem auch diesmal wieder von Herrn Medizinalrat Dr. Wießner geleiteten Lehrgang für freiwillige Krankenträger beteiligten ſich 12 Schüler aus Ober⸗ und Unterprima. Den beiden letztgenannten Herren, die in der uneigennützigſten Weiſe ihre Zeit zur Verfügung geſtellt haben, ſagen wir auch öffentlich unſern beſten Dank.
Die engliſchen Unterrichtsſtunden beſuchten in der unteren Abteilung 4, in der oberen Abteilung 5 Schüler, die hebräiſchen in der unteren 3, in der oberen im Sommer⸗ und Winterhalbjahr je 1 Schüler, den wahl⸗ freien Unterricht im Zeichnen 13 Schüler aus Üb, lla und lb. An dem von einem Oberſekundaner geleiteten Lehrgang in der Stenographie(Stolze⸗Schrey) nahmen 9 Schüler aus Ober⸗ und Unterſekunda teil.
Am 9. Mai fand im Kreiſe der Schule eine Schillerfeier ſtatt, bei der Oberlehrer Dr. Volp die Feſt⸗ rede hielt. Am 16. September fiel die Schule wegen des Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheit der Groß⸗ herzogin aus. Die Feſtrede am 24. November hielt, ebenfalls im Kreiſe der Schule, Oberlehrer Dr. Witte⸗ kind. Die öffentliche Kaiſergeburtstagsfeier, die am 26. Januar ſtattfinden ſollte und zu der Oberlehrer Dr. Krämer die Feſtrede übernommen hatte, fiel diesmal mit Genehmigung Großh. Miniſteriums aus, weil gerade an dieſem Tage Seine Durchlaucht Fürſt Bruno zu YRſenburg und Büdingen, der hohe Patron unſrer Anſtalt, plötzlich verſchid. Das Wolfgang Ernſt⸗Gymnaſium, das dem fürſtlichen Hauſe ſo viel verdankt, wird auch ſein Andenken immer in hohen Ehren halten. An der Beiſetzung, die am 30. Januar ſtattfand, nahmen alle Lehrer und Schüler teil..
An Geſchenken erhielt die Anſtalt im Laufe dieſes Schuljahres: von Herrn Forſtmeiſter Müller in Büdingen eine Sammlung Geweihe für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht, zuſammen 13 Stück(Reh, Damwild und Renntier), und einige Vögel zum Ausſtopfen; von dem Obertertianer Metternich: eine Schlangen⸗ haut; von dem Allgemeinen Deutſchen Sprachverein(aus der Diederichsſtiftung) ſeine Zeitſchrift für 1906; von dem Herrn Aſſiſtenzarzt in der kaiſerlichen Schutztruppe für Deutſch⸗Südweſtafrika, Dr. Clemm, zur Zeit hier, ein Straußenei; von dem Herbſtabiturienten M. J. Binder 100 Mk. für die Jubiläumsſtiftung von 1901; von der Landesuniverſität Gießen ein Exemplar der Feſtrede zum 25. November 1905; von Herrn Karl Hardt(†) in Hamburg ſein Drama„Demetrius“; von den Oſterabiturienten ein Bild für das Klaſſen⸗ zimmer der Oberprima, Antigone und Ismene von Teſchendorff.— Für die Geſchenke ſagen wir den Gebern im Namen der Schule auch hier verbindlichen Dank.
Mitteilungen an die Eltern, um deren Beachtung wir dringend erſuchen: Geſuche um Be⸗ freiung von der Zahlung des Schulgeldes ſind bis zum 12. Mai ſchriftlich bei der Direktion einzureichen; beizulegen iſt eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei über die Bedürftigkeit des Bewerbers. Es dürfen nur geiſtig beſonders begabte und ſtrebſame Schüler berückſichtigt werden; zu bevorzugen ſind


