IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr hat am 20. April 1914 begonnen.
Durch Dekret Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs vom 21. März 1914 wurde Herr Lehramtsassessor Heinrich Becker zum Oberlehrer ernannt.
Am 1. April 1914 wurde Herrn Oberlehrer Georg Flach von Sr. Königl. Hoheit der Charakter als Professor verliehen.
Der übliche Tagesausflug aller Klassen wurde am 25. Juni nach verschiedenen Zielen unternommen..
Der Direktor war vom 15. Juni bis 15. Juli zu seiner Erholung beurlaubt.
Der Sedantag(2. September) wurde in der seither üblichen Weise gefeiert.
Am 16. Oktober 1914 verließ der kathol. Religionslehrer Herr Kaplan Blatz unsere Schule, um eine Stelle als Pfarrverwalter zu übernehmen. Die Amtsgenossen und Schüler wer- den Herrn Blatz ein freundliches Andenken bewahren. An seine Stelle trat Herr Kaplan Eckstein aus der Pfarrei Bingen.
Die Mobilmachung hatte auch in unserer Anstalt große Störungen im Unterrichtsbe- trieb zur Folge. In den ersten Kriegswochen waren dem Schuldienst die Herren Prof. Kunkel, Prof. Flach, Oberlehrer Como, Oberlehrer Dr. Blecher, Oberlehrer Dr. Brück und Real- lehrer Steinbach entzogen. Dauernd blieben im Heeresdienst die Herren Prof. Flach, Ober- lehrer Como und Reallehrer Steinbach. Für die Amtsgenossen, die mit Begeisterung dem Rufe des Vaterlandes gefolgt waren, traten helfend mit großer Opferwilligkeit die übrigen Kol- legen ein und hatten zum Teil eine große Arbeitslast übernommen. Mit Dank muß namentlich die Opferfreudigkeit des Herrn Prof. Simon anerkannt werden, der den Hauptunterricht des Herrn Prof. Flach mitzuübernehmen hatte.
Zur Vertretung einer Lehrkraft hat sich uns zu Beginn des Krieges in dankenswerter Weise die geprüfte Lehrerin Frau Reallehrer Kopp zur Verfügung gestellt und wurde vom Großh. Ministerium bestätigt. Sie übernahm den Unterricht des Herrn Oberlehrers Como. Der sonstige Unterricht konnte namentlich durch Zusammenlegung von Klassen im großen und ganzen ohne Stõ- rung aufrecht erhalten werden, wenn auch einzelne Stunden, wie Gesang, infolge Einberufung des Gesanglehrers, ganz ausfallen mußten.
Auch von unseren Schülern der Untersekunda der Realschule und der Oberse- kunda des Progymnasiums haben sich, wie aus der Uebersicht für Ostern 1915 zu ersehen ist, eine Anzahl als Kriegsfreiwillige zur Fahne gemeldet und im ruhmvollen Kampfe bereits Verwundungen erlitten.
Den Heldentod ist gestorben der Obersekundaner des Progymnasiums Hans Lotz.
Sohn des Eisenbahnassistenten Herrn, Adam Lotz in Bingerbrück, der ebenfalls freiwillig dem Rufe des Vaterlandes gefolgt ist. Zu Beginn des Krieges ist er mit seinem älteren Bruder Paul Lotz bei dem Fußartillerie-Regiment No. 3 in Mainz eingetreten und wurde am 1. November beim Kampf um Quesnoy am Geschütz durch einen Granatsplitter vor den Augen seines Bruders, der dasselbe Geschütz bediente, so schwer verletzt, daß er in der darauffolgenden Nacht auf dem Verbandsplatze starb. In dem uns zugegangenen Schreiben des Hauptmanns der 4. Batterie heißt es:„Ich halte es für meine besondere Pflicht, dem Großh. Progymnasium mitzuteilen, daß der Kriegsfreiwillige Lotz ein sehr tüchtiger und tapferer Bedienungsmann seines Geschützes war, und bedauere, daß er schon so früh auf französischem Boden den Heldentod fürs Vaterland starb“. Hans Lotz, geboren am 3. Mai 1807 zu Stromberg, besuchte zuerst das Gymnasium in
Boppard und trat Ostern 1909 in die Ouinta unseres Progymnasiums ein. Ostern 1913 trat er 4
nach Abschluß der Obertertia aus, um in das St. Josefskolleg Watersleyde in Holland einzu-


