IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr hat am 31. März begonnen.
An dem kunstgeschichtlichen Lehrgang für Real- und Zeichenlehrer, der vom 25. bis 29. März 1913 in Dresden stattfand und eine Fortsetzung des vorigen bildete, hat wiederum Herr Reallehrer Gerhard teilgenommen.
Am 1. April 1913 wurde dem Herrn Oberlehrer Kunkel von Seiner Königl. Hoheit der Charakter als Professor verliehen.
Am 27. April veranstaltete die Ortsgruppe Bingen des Jungdeutschlandbundes ein Geländespiel im Binger Wald(Jägerhaus-Lendershof), an dem sich eine große Anzahl unserer Schüler beteiligte.
Am 29. Mai unternahmen sämtliche Klassen, wie alljährlich, ihren Tagesausflug nach verschiedenen Zielen. Auch sonst wurden Ausflüge von kürzerer Dauer von einigen Klassen gemacht.
Das silberne Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers am 16. Juni wurde durch eine Schulfeier mit Gesängen und Vorträgen begangen. Die Ansprache hielt der Direktor. Seine Ausführungen bewegten sich um das Dichterwort:„Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn“. Alle Taten und Tugenden des Kaisers lassen sich wie die Sonnenstrahlen in einem
Brennpunkte zusammenfassen: In der Treue zu seinem Volke— er hat mit starker, weiser Hand dem Volke den Frieden erhalten; in der Treue zu Gott— er ist durchdrungen von der leben.
digen Ueberzeugung, daß ihm von Gott seine Aufgabe zugewiesen ist. Seine ernste sittliche Lebensauffassung hat der Kaiser erst kürzlich bei der Jahrhundertfeier der Berliner Universität gegenüber der studierenden Jugend bekundet. Der Kaiser hängt fest an seinem angestammten Glauben und bekennt ihn freudig und vornehmlich. Er ist aber so gerecht, daß er auch anders Denkenden volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Als ein Mann von unerschütterlichem Gott- vertrauen legt der Kaiser die Geschicke seines Hauses in die Hände des Herrn, in der festen Jeberzeugung, daß auf dieser Grundlage das deutsche Reich unerschütterlich sei. Die einst hochgerühmte deutsche Treue darf nicht nur in Liedern oder Erzählungen einer vergangenen Zeit angehören, sie muß in der Jugend, der Hoffnung des Vaterlandes, auch jetzt fort und fort feste Wurzeln schlagen.“ An die Schulfeier schlossen sich Ausflüge der einzelnen Klassen an, die zum Teil mit Kriegsspielen verbunden waren.
Am 29. Juni beteiligte sich die Schule an dem von den hiesigen Vereinen veranstalteten Festzug zur Feier des Kaiserjubiläums.
Am 5. Juli wurde Herr Lehramts-Assessor Dr. Karl Brück durch Dekret Seiner Königl. Hoheit zum Oberlehrer ernannt.
Am 28. August hielt der hessische Lehrerturnverein, der sich die Pflege des Schulturnens zur besonderen Aufgabe gesetzt hat, seine Hauptversammlung in Bingen ab. Für das Schauturnen wurde dem Verein unsere Turnhalle zur Verfügung gestellt; daran beteiligte sich die Untersekunda der Realschule unter der Führung des Herrn Reallehrers Gerhard. Auch die anderen Herren Turnlehrer unserer Anstalt wohnten bei. Die Schulabteilung des Großh. Ministeriums war durch Herrn Staatsrat Süffert vertreten.
Der Sedantag(2. September) wurde in der seither üblichen Weise gefeiert.
Bei der Jahrhundertfeier von Blüchers Rheinübergang in Caub fand am Nach- mittag des 24. September eine Schülervorstellung des Festspiels„Caub“ von C. Spielmann statt, die von einer großen Anzahl unserer Schüler besucht war.


