Jahrgang 
1912
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VI. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr hat am 24. April 1911 begonnen.

Mit der Erteilung des evangelischen Religionsunterrichts wurde mit dem Beginn des Schuljahres der zweite evangelische Pfarrer von Bingen, Herr Germer, beauftragt; er hat seinen Dienst am 1. Mai angetreten.

Am 30. Mai 1911 beehrten die Herren Geheimrat Süffert und Geh. Oberschulrat Nodnagel unsere Anstalt mit ihrem Besuch und besichtigten den Unterricht in den meisten Klassen; ebenso am 5. Dezember 1911 Herr Geh. Oberschulrat NNodnagel.

Herr Assessor Mischler war vom 5. Juli 1911 ab zu einer sechswöchigen Studienreise nach England beurlaubt.

An einem archäologischen Kursus, der vom 5. bis 7. Oktober 1911 in Gießen stattfand, hat Herr Oberlehrer Ensgraber teilgenommen.

Zur Ableistung des zweiten Vorbereitungsjahres wurde Herr Lehramtsreferendar W. Berghäuser aus Mainz zu Beginn des Winterhalbjahres unserer Anstalt zugewiesen.

Bei der Feier des Geburtstages Seiner Kköniglichen Hoheit des Großherzogs (25. November) hielt Herr Lehramtsassessor Dr. Brück die Festrede über: Das Alsfelder Passionsspiel von 1501.

Am 1. April 1911 wurde Herrn Oberlehrer Bock und am 1. Januar 1912 Herrn Ober- lehrer Simon von Sr. Königl. Hoheit der Charakter als Professor verliehen.

Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers(27. Januar) wurde durch eine öffentliche Schulfeier begangen. Die geräumige Turnhalle war mit Festgästen stark gefüllt. An dem von Herrn Musiklehrer P. Jäger geleiteten Orchester waren 27 Schüler beteiligt. In seiner Festrede entwarf der Direktor ein Lebensbild der ersten deutschen Kaiserin Augusta.

Einen schweren Verlust hat die Schule zu beklagen. Am 14. Februar 1912 starb nach überstandener Blinddarmoperation der kath. Religionslehrer, Herr Augustin von Eiff, im jugendlichen Alter von 35 Jahren. Seit 16. Juli 1905 hat er dem Kollegium angehört. Er war ein treuer Berater seiner Schüler und übte auf sie einen nachhaltigen Einfluß. Seine Mitarbeiter betrauern einen überaus liebenswürdigen Amtsgenossen von steter Hilfsbereitschaft. Bei der Uberführung der sterblichen Hülle zur Bahn beteiligte sich die ganze Schule. Die Beisetzung fand in seiner Heimat Groß-Steinheim statt. Bei der ergreifenden Leichenfeier beteiligte sich eine Abordnung von Amtsgenossen und eine größere Anzahl Schüler. Der Direktor legte mit ehrendem Nachruf im Namen der Amtsgenossen einen Kranz an der Bahre nieder; desgleichen die Schüler. Dem teuren Entschlafenen wird die Schule ein ehrendes Andenken bewahren.

Zur Vertretung war bereits am 1. Februar Herr Kaplan Blatz von Lämmerspiel an unserer Schule eingetreten.

Der von Herrn Lehrer Beck geleitete Stenographie-Unterricht(System Gabelsberger) wurde auch in diesem Schuljahr lortgesetzt.