VI. Zur Geschichte der Anstalt.
Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 25. März 1905 wurde der Leiter unſerer Anſtalt, Herr Di⸗ rektor Dr. Franz Helm, mit Wirkung vom 1. Mai 1905 zum Direktor des Großherzoglichen Oſtergym⸗ naſiums zu Mainz ernannt. Herr Dr. Helm hat die Anſtalt während ſeiner viereinhalbjährigen Tätigkeit in verdienſtvoller Weiſe gefördert, wofür ihm die Schule den gebührenden Dank bekundet.
Durch Allerhöchſte Entſchließung vom gleichen Tage wurde der Großherzogliche Oberlehrer am Oſter⸗ gymnaſium zu Mainz Profeſſor Dr. Karl Denig zum Direktor der Großherzoglichen Realſchule und des Progymnaſiums zu Bingen ernannt und mit Beginn des Schuljahres, am 1. Mai 1905, durch Herrn Ge⸗ heimen Oberſchulrat Nodnagel in ſein Amt eingeführt.
Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 3. April 1905 wurde Herr Lehramtsaſſeſſor Philipp Gütlich vom Realgymnaſium in Darmſtadt, mit Wirkung vom 1. April 1905, zum Großh. Oberlehrer an hieſiger Anſtalt ernannt.
Am 12. April 1905 wurde Herr Reallehrer Jakob Horn auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. Mai 1905 aus dem Dienſte entlaſſen, um ſich dem akademiſchen Studium widmen zu können. An ſeine Stelle wurde Herr Schulverwalter Wilhelm Rügner, ſeither an der Volksſchule in Bingen, berufen.
Mit Beginn des Schuljahres wurde der im Vorbereitungsdienſt befindliche Lehramtsreferendar Herr Andreas Kaſter von unſerer Anſtalt an die Oberrealſchule in Offenbach zur Verwaltung einer Lehrſtelle berufen. 3
Für den zu Anfang des Schuljahres zu einer achtwöchigen militäriſchen Ubung einberufenen Oberlehrer Herrn Georg Flach trat Herr Lehramtsreferendar Jakob Müller aus Schorns⸗ heim ein und verließ unſere Anſtalt wieder am 31. Mai 1905.
Bei der Schillerfeier am 9. Mai 1905 hielt Herr Oberlehrer Simon die Feſtrede über den Werde⸗ gang und die Werke des Dichters.
Am 6. Juni 1905 wurde von den einzelnen Klaſſen der übliche Tagesausflug in die nähere und weitere Umgebung von Bingen unternommen.
Am 19. Juni 1905 beehrte der hochw. Herr Biſchof Dr. Kirſtein in Begleitung des Herrn Geiſtlichen Rats Engelhard unſere Schule mit ſeinem Beſuch und hielt eine Beſichtigung des Reli⸗ gionsunterrichts in allen Klaſſen ab.
Dem Herrn Oberlehrer Gütlich wurde zum Zweck einer Studienreiſe nach England ein Ur⸗ laub vom 24. Juni bis 6. Auguſt 1905 bewilligt.
Am 16. Juli 1905 verließ der katholiſche Religionslehrer Herr Kaplan Hillenbrand unſere Schule, um die Verwaltung einer Pfarrſtelle zu übernehmen. An ſeine Stelle trat Herr Kaplan v. Eiff in Bingen.
Den Sedantag feierte die Schule in der Weiſe, daß die einzelnen Klaſſen Ausflüge nach verſchie⸗ denen Zielen unternahmen, wobei an geeigneten Punkten durch Anſprachen auf die Bedeutung des Tages hingewieſen wurde.
Dem Lehramtsreferendar Herrn Jakob Como wurde Ende September 1905 zu weiterer Aus⸗ bildung ein vierwöchiger Urlaub nach Frankreich bewilligt. Derſelbe wurde durch Verfügung vom 1. Ok⸗ tober 1905 zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.
Mit Beginn des Winterhalbjahrs, am 16. Oktober 1905, wurde Herr Lehramtsreferendar Fried⸗ rich Lamby aus Bingen, vorher am pädagogiſchen Seminar des Großherzoglichen Realgymnaſiums zu Darmſtadt, zur Fortſetzung ſeines Vorbereitungs dienſtes an unſerer Anſtalt zugelaſſen. Er unterrichtete in Mathematik und Phyſik in den Klaſſen IV R, IIIaR und IIbG und übernahm am 14. März 1906 vorzugsweiſe die Vertretung des zu einer achtwöchigen militäriſchen Übung einberufenen Lehramtsaſſeſſors Herrn Jakob Como.
Am 16. September 1905, dem Geburtstage Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin, beſuchten etwa 100 Schüler unſerer Anſtalt unter Führung einiger Lehrer die landwirtſchaftliche Aus⸗ ſtellung in Mainz.
Zu Anfang des Winterhalbjahres richtete eine Anzahl Eltern unſerer Schüler eine Eingabe an den Unterzeichneten, worin um Einführung des ſogen. Vormittagsunterrichts, wie er an den meiſten Anſtalten des Landes beſteht, gebeten wurde. Eine auf Weiſung Großh. Miniſteriums veranſtaltete Umfrage durch gedruckte Fragebogen ergab eine weitaus überwiegende Mehrheit für die gewünſchte Einfüh⸗


