Jahrgang 
1903
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Auch Herr Profeſſor Joſt mußte vertreten werden. Zur Pflege ſeiner angegriffenen Geſundheit hatte er ſich bereits zwei Wochen vor Beginn der Herbſtferien in das Bad Neuen⸗ ahr begeben. 46

Ebenfalls beurlaubt, und zwar über die Herbſtferien, waren Herr Oberlehrer Profeſſor Dietrich und Herr Lehramtsaſſeſſor Simon zu Studienzwecken in London, bezw. Paris.

Herr Lehramtsaſſeſſor Simon wurde durch Allerhöchſtes Dekret mit Wirkung vom 16. Januar 1903 an zum Oberlehrer unſerer Schule ernannt.

Am 30. Mai beehrte uns Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel mit ſeinem Beſuch und nahm eine Beſichtigung des Unterrichtes in der Vorſchule, in der Realſchule und im Progymnaſium vor.

Ebenſo verweilten Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel und Herr Oberbaurat Klingelhöffer am 15. November hier, um über die Brauchbarkeit proviſoriſcher Schulräume, die uns ſtädtiſcherſeits angeboten waren, ein Urteil zu gewinnen.

Den Geburtstag S. K. H. des Großherzogs, ebenſo den Geburtstag S. M. des Kaiſers beging die Schule durch einen öffentlichen, zahlreich beſuchten Feſtakt. In dem einen Falle hielt Herr Profeſſor Dietrich die Feſtrede, in dem anderen Herr Profeſſor Joſt.

Leider haben wir auch den Tod eines braven und fleißigen Schülers zu beklagen. Es iſt der Quartaner Karl Mayer aus Dromersheim. Er ſtarb in den Weinleſeferien. Die Schule ſuchte den Schmerz der Eltern nach Kräften zu lindern.

Infolge äußerſter Unzulänglichkeit der räumlichen Verhältniſſe im Realſchulgebäude war uns im Schuljahr 1900/01 das ſog. Vitt'ſche Haus in der Grabenſtraße, dazu im Schuljahr 1901/02 das ſog. Badehaus zur vorläufigen Benutzung angewieſen worden. Wegen ſchwerer Mängel mußten aber auch dieſe Räume, wie früher das kleine C. A. Fiſcher'ſche Haus in der Kapuzinerſtraße, letzteres im Schülermund Tusculum genannt, im Laufe des Winterhalbjahres verlaſſen werden. Der beſtehenden Not und Verlegenheit half die Hochherzigkeit des Herrn Karl Puricelli auf Rheinböllerhütte noch rechtzeitig ab. Herr Stadtverordneter Richard Pennrich war auf den Gedanken gekommen, daß vielleicht das unterhalb des Friedhofes, mitten in Gärten gelegene, leer ſtehende Puricelliſche Haus erhältlich und für Schulzwecke verwendbar ſei. Auf ſeine Anregung wurde bei dem Herrn Eigentümer angefragt; dieſer ſtellte dann auch in höchſt dankenswerter Weiſe ſein Anweſen der Stadt und unſerer Schule koſtenlos zur Verfügung.

Seit dem 5. Jan. l. J. ſind im Puricelliſchen Hauſe außer den drei Voltksſchulklaſſen noch folgende Klaſſen untergebracht: Die Ila. des Progymnaſiums, die IIIb. des Progymnaſiums und die IV. des Progymnaſiums. Auch der israelitiſche Religionsunterricht wird zum Teil in dem neuen Heim erteilt. Immerhin ſind aber die dort gebotenen Räume nicht ſo groß, daß auch der Zeichenunterricht in ihnen gegeben werden könnte. Dieſer wird vielmehr nach wie vor im Zeichenſaal der ſtädtiſchen Knabenſchule erteilt. Der Gang von dem Realſchulgebäude nach dem Puricelliſchen Haus iſt zeitraubend und wirkt zerſtreuend. Daß unter allen dieſen Umſtänden wichtige Intereſſen des Schulbetriebes nicht zu ihrem Rechte kommen, braucht für jeden Ein⸗ ſichtigen nicht näher nachgewieſen zu werden.

Unter dem Druck dieſer ſchreienden und auf die Dauer unhaltbaren Zuſtände iſt aber zur Reife gelangt, was doch einmal dahin kommen mußte.

Im vorjährigen Schulbericht haben wir der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß das kommende Schuljahr endlich die frohe Botſchaft über den Beſchluß der Erbauung eines geſunden und ſchönen Schulhauſes bringen werde zum Segen unſerer Kinder, die ſchon ſo lange, ſehr zu ihrem Nachteile, den Genuß einer zweckentſprechenden Behauſung in der Schule entbehren müßten.

Dieſe Hoffnung iſt erfreulicher Weiſe in Erfüllung gegangen. re

Mit aufrichtigem Dank gegen alle dabei beteiligten Kräfte können wir in unſeren dies⸗ jährigen Jahresbericht die wichtige Mitteilung aufnehmen, daß die Stadtverordnetenverſammlung in der Sitzung vom 30. Januar 1903 die Erbauung eines neuen Schulhauſes einmütig beſchloſſen hat. Die verſchiedenen Vorarbeiten ſollen alsbald in Angriff genommen werden.

Wir ſprechen nur noch den Wunſch aus, daß dieſem erſten Schritte auch die weiteren erforderlichen zur gegebenen Zeit folgen möchten. 7

Herrn Kommerzienrat C. A. Fiſcher, der dem Unterzeichneten als Beitrag zur An⸗ ſchaffung eines Konzertflügels für die Schule Mk. 200 zur Verfügung ſtellte, ſagen wir für dieſe hochherzige Spende auch an dieſer Stelle verbindlichſten Dank.