Jahrgang 
1875
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Vom 22. Februar bis 5. März 1875 war Herr Türck zu militäriſchem Dienſt einberufen und mußte für den Ausfall ſeiner Stunden durch Anordnung verſchiedener Claſſencombinationen Erſatz geſchafft werden.

Der jetzige Lehrplan iſt durch Anſtellung eines weiteren Lehrers endlich in der Art vervollſtändigt, daß die geſetzliche Schulzeit bei allen ſieben Claſſen nunmehr aus⸗ gefüllt iſt und für die einzelnen Claſſen ſehr weſentliche Unterrichtsfächer, welche bisher fehlten, jetzt in den Lehrplan aufgenommen ſind. Eine größere Anzahl von Combina⸗ tionen, zu welchen ſich die Schule bisher aus Mangel an Lehrkräften gezwungen ſah, und welche um ſo mehr ſchadeten, als es im Local an geräumigen Lehrſälen fehlt, worin die Vereinigung von Claſſen bequem thunlich wäre, hat jetzt aufgehört. Bei Verhinderung einzelner Lehrer durch Erkrankung oder ſonſtige Urſachen müſſen immerhin noch Com⸗ binationen der Claſſen vorgenommen werden, und die durch Raumbeſchränkung und üble Lage der jetzigen Lehrzimmer verurſachte Störung, welche mit dem Ueberzug der Schüler von Stube zu Stube jedesmal verbunden iſt, wird der Ordnung und Disciplin der Schule auch jetzt noch nachtheilig. So lange nicht der ſiebenclaſſigen Anſtalt ein paſſen⸗ des Lehrgebäude angewieſen iſt, wird die Schule nicht ihre ganze Wirkung zu erzielen vermögen.

Da die vielen bisherigen Combinationen der beiden oberſten Claſſen Ja und Ib (Ober⸗ und Unterprima) nun beſeitigt ſind, ſo iſt zu der ſeitherigen Bezeichnung der⸗ ſelben keine Veranlaſſung mehr und werden die Claſſen von nun an in fortlaufenden Zahlen bezeichnet; Ia iſt künftig Cl. I., Ib(Unterprima) heißt fortan Cl. II, die bis⸗ herige II. Claſſe Cl. III. u. ſ. f. Die Vorſchule erhält demnach fernerhin die Nummer VII anſtatt VI.

Die bisher durch Beiträge der Schüler beſchaffte und unterhaltene Schüler⸗ bibliothek der Realſchule hat es bereits auf ca. 500 Bände gebracht, wird aber, wegen Unterſagung fernerer derartiger Beiträge nach Erhöhung des Schulgeldes, nicht weiter vermehrt, ſondern künftig durch Gratisabgabe der Bücher an die Schüler zum Leſen nur praktiſch verwerthet. Mit den vorhandenen Ueberſchüſſen dieſer Schulkaſſe konnte der Director eine Anzahl zweckmäßiger Wand⸗Karten und ähnlicher Unterrichts⸗ mittel anſchaffen, ſowie die Anfertigung von Fahnen zur würdigen Begehung nationaler Feſttage beſtreiten..

Das Gräff'ſche Stipendium von 50 fl. wurde für das verfloſſene Schuljahr dem Schüler der lII. Cl., Joſeph Werner von Bingen, von dem Lehrercollegium einſtim⸗ mig zuerkannt. In den Genuß der Joſeph Meyer'ſchen Stiftung traten in derſel⸗ ben Zeit acht Schüler, welche den Bedingungen der Stiftung(Durchſchnittsnote ſehr gut in Fleiß und Betragen) genügten.

Durch Anordnung der Oberbehörde in Folge deßfallſiger Kammerbeſchlüſſe wurde im Laufe des Schuljahrs das Schulgeld ohne Rückſicht auf Wohnort der Eltern in drei Anſätze gebracht und für die drei Oberklaſſen(1, II und III) mit 60, für die drei Un⸗ terclaſſen IV, V und VI) mit 48, für die Vorſchüler(Cl. VIl) mit 36 Mark be⸗ rechnet. Ueber zu bewilligende Freiſtellen ſchweben noch die Verhandlungen.

In dem verfloſſenen Schuljahr wurde durch beſtändigen Wechſel der Lehrer der Unterricht noch in höherem Grad, als im vorigen geſtört; aber nichts deſtoweniger glaubte man dem Publikum die Abhaltung einer öffentlichen Prüfung ſchuldig zu ſein, nachdem dieſelbe im vorigen Jahr ausgeſetzt worden war.

Für die beiden abgegangenen bisherigen Lehrer der Anſtalt, die Herren Mühr und Würth, haben wir nur Worte der Anerkennung, da ſie, eben ſo tüchtig als eifrig in ihrem Berufe, um die Anſtalt ſich verdient gemacht haben und man nur mit Bedauern ihrer