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land machte auf sie die lebhafte Industrie, die sich hier ausbreitet, einen großen Eindruck. Seitens der Lehrer und ortskundiger Mitreisender wurden den Schülern manche technischen Vorgänge und Einrichtungen des Industriebetriebes, soweit sie sichtbar waren, erklärt. Gegen Mittag fuhr der Zug über die Hohenzollernbrücke, die schönste Brücke des Rheins. Der Jubel der Schüler war hier groß, zumal die meisten von ihnen den herr- lichen deutschen Strom bisher noch nicht gesehen und sich während der ganzen Fahrt auf dessen Anblick gefreut hatten. Nach der Ankunft in Köln wurden, da die Besichtigung der Ausstellung erst um 3 Uhr an- gemeldet war, einige Sehenswürdigkeiten Kölns in Augenschein genommen, zunächst der Dom, dessen Bau und die wichtigsten Kunstwerke ein Führer erklärte. Um den Schülern Gelegenheit zu bieten, den Unterschied zwischen gotischem und romanischem Stil anhand größerer Werke kennen zu lernen, erfolgte sodann die Be- sichtigung der romanischen Kirchen St. Maria im Capitol, St. Aposteln und St. Martin und anschließend der Besuch einzelner geschichtlich wertvoller Teile von Alt-Köln, unter anderem des ältesten deutschen Bürger- hauses, des Gürzenich. Um 3 Uhr begann die Besichtigung der Jahrtausendausstellung. Von der Leitung der- selben freundlichst begrüßt, wurden die Schüler von sachkundigen Herren durch die mächtige Halle, in der in zwei Stockwerken die Sehenswürdigkeiten der Rheinlande untergebracht waren, geführt. Die Ausstellung machte auf alle einen erhebenden Eindruck. Man sah Werke der Kunst und Wissenschaft, Erzeugnisse der Klein- und Großindustrie, des Handels, Handwerks und Gewerbes, Verkehrseinrichtungen, kurz, man erhielt einen Uberblick über die Entwicklung der gesamten rheinischen Kultur seit dem Jahre 925. Nach beendeter Besichtigung wurde Quartier in einer Schule bezogen; Räume und Schlafeinrichtungen waren sehr reinlich, die verabreichte kleine Stärkung billig und gut. Am nächsten Tage wurde noch, um jede vorhandene Stunde auszunutzen, Neu-Köln mit den Ringen, dem Hochhaus und dem Zoo besichtigt. Darauf wurde die Rückreise angetreten. Lobend sei erwähnt, daß die Eisenbahndirektion von Köln den Schülern für die Rückfahrt Wagen II. Klasse zur Verfügung stellte.
2. Fahrt nach Wetzlar.
Die hohe Bedeutung der physikalischen Technik für das Wirtschaftsleben und die Kultur, die engen Be- ziehungen zwischen Physik und Technik, können den Schülern nicht besser zum Bewußtsein gebracht werden als durch Lehrausflüge.
Um diese Beziehungen zwischen Technik und Naturwissenschaften zu pflegen, wurde in diesem Jahre, nach einer um einige Wochen vorausgehenden Besichtigung der Wilhelmshütte, am 1. Juli mit der Unterprima und Obersekunda unter Führung des Studienassessors Dr. Nold eine Fahrt nach Wetzlar unternommen, da dort Gelegenheit geboten war, einen Einblick in die Herstellung von physikalischen Apparaten zu gewinnen, die teil- weise für die Anstalt bestimmt waren Schon die Fahrt nach Wetzlar über Dillenburg gab ein Bild von modernen Anlagen, von Aufbereitungen von Eisenerzen, von Hochöfen und Hüttenwerken. Die Besichtigung der physikalischen Werkstätten von Pfeiffer in Wetzlar zeigte die moderne Metallverarbeitung, die Zerlegung des Arbeitsprozesses in Einzelteile und die Zusammensetzung derselben zum fertigen Gegenstand. Eindringlich prägten sich die Maschinen als Kernstück der heutigen Güterherstellung ein, der Mensch wird fast selbst zur Maschine.—
Der Nachmittag gab Gelegenheit zur Besichtigung der Stadt. Enge Gassen, umrahmt von alten Fachwerk- häusern, führten zum Dom, den Kriegszeiten und Kriegsnöte, Geldmangel und Wandlungen im Baustil im Laufe der Zeiten nie seiner Vollendung entgegenführen konnten. Die vorgerückte Zeit machte einen Spaziergang in die Umgebung der Stadt unmöglich, wollten wir doch auch noch das„Lottehaus“ sehen und uns hineindenken in Goethes Wirken und Tun in seiner Wetzlarer Zeit. Gar zu schnell verrannen die letzten Stunden, doch der Zug mahnte zur Rückfahrt.—
Am 7. Februar fand eine Abendunterhaltung statt, die derartigen Beifall fand, dass sie am 12. Februar wiederholt werden musste. Nach einem schwungvollen Prolog erwiesen die Mädchen in kunstvollen Reigen ihre Anmut, die Jungen am Reck und in Freiübungen ihre Kraft und Gewandtheit. Gedichte und ein sinniges Märchenspiel(„Schneewittchen“) der Kleinen wechselten mit Vorträgen des durch musikliebende Herren verstärkten Schülerorchesters ab(Märsche und Ouvertüren), während den Schluss die sehr gut aufgeführten Rüpel-Szenen aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ bildeten. Ein gemütliches Zusammensein und ein flotter Tanz vereinigte die Lehrer, Eltern und älteren Schüler bis zur mitternächtlichen Stunde.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen ein guter.


