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ihm verdanken, da mag es für ihn wohl ein wehmütiger, aber doch zugleich erhebender Augenblick gewesen sein, indem er sich sagen konnte, dass er für all' sein Mühen und Sorgen den schönsten Lohn seines Berufes gefunden habe.
Möge er sich recht lange noch der Früchte seiner Arbeit erfreuen!
Während des Sommers übernahm Herr Prof. Wehmeyer vertretungsweise die Leitung der Anstalt. Aus diesem Anlass wurde ihm später der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen.
Am 10. Oktober wurde der unterzeichnete Direktor durch den Herrn Vertreter des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums zu Cassel in sein neues Amt eingeführt. Namens des Kollegiums be- grüsste Herr Prof. Wehmeyer denselben sodann in längerer Ansprache, worauf dieser selbst das Wort ergriff, um zunächst den Gefühlen des Dankes gegenüber seinen vorgesetzten Behörden Ausdruck zu geben, deren Vertrauen ihn an diese Stelle berufen habe. Darauf gedachte derselbe des Herrn Direktor Esau mit dem Wunsch, dass das Verhältnis der Pietät und Treue zwischen der Anstalt und ihrem bisherigen Leiter auch in Zukunft unerschüttert bleiben möge und dankte Herrn Prof. Wehmeyer für die Hingebung, mit der er während des Sommers die Anstalt geleitet habe. Sodann sprach derselbe über die Stein'schen Ideen und ihre Uebertragung auf die Schule.
Wilhelm Paulus, geb. am 30. Mai 1873 in Cassel, evang. Konfession, studierte nach Absolvierung der Reifeprüfung Geschichte, Germanistik und Erdkunde an der Universität zu Marburg, München und Berlin, bestand 1899 das Staatsexamen und promovierte auf Grund einer Arbeit über die Entstehung der Stadtverfassung von Augsburg zum Doktor der Philosophie. Nach Ableistung des militärischen Dienstjahres wurde er dem pädagogischen Seminar zu Cassel überwiesen. Vom 1. Oktober 1901 bis 1. Oktober 1913 war er zunächst als Kandidat, seit 1904 als Oberlehrer am Realgymnasium i. E. zu Arolsen beschäftigt. Am 12. August erfolgte seine Ernennung zum Direktor des Realprogymnasiums zu Biedenkopf. Am 10. Oktober wurde ihm von Sr. Durchlaucht, dem Fürsten Friedrich zu Waldeck das Verdienstkreuz verliehen.
Ausser dem Wechsel, der in der Leitung der Anstalt erfolgte, brachte der letzte Sommer noch zahlreiche Veränderungen im Lehrerkollegium. Am 1. April wurde Herr Prof. Pellens an das Gymnasium zu Dramburg in Pommern und am 1. Oktober Herr Oberlehrer Kühn an das Gymnasium zu Hersfeld versetzt. Herr Prof. Dr. Kiesel erhielt für die Dauer des ersten Halb- jahrs einen Erholungsurlaub. Mit der Vertretung der versetzten bezw. beurlaubten Mitglieder des Lehrerkollegiums wurden die wissenschaftlichen Hilfslehrer, die Herren Dr. Weygandt, Schwalm und Reichenbecher, beauftragt. Sämtlichen Herren sprach Herr Prof. Wehmeyer bei ihrem Scheiden
den Dank der Anstalt aus. Am 1. Oktober kehrte der wissenschaftliche Hilfslehrer, Herr Groll, nach Ablauf des ihm
erteilten Urlaubs zurück und übernahm zur Entlastung des Herrn Prof. Dr. Kiesel einen Teil der Unterrichtstunden desselben. Gleichzeitig trat Herr Oberlehrer Appel sowie Herr Zeichenlehrer
Knolle in das Kollegium der Anstalt ein.
Wilhelm Appel, geb. am 4. August 1880 in Cassel, evangelischer Konfession, besuchte das Kgl. Friedrichs-Gymnasium in Cassel und das Gymnasium in Hann.- Münden. Nach der Reife- prüfung studierte er Mathematik, Physik, Chemie und Mineralogie in Leipzig, München und Marburg a. d. L. Im März 1908 bestand er die Turnlehrerprüfung und im Februar 1910 das Staats- examen an der Universität Marburg a. d. L. Das Seminarjahr leistete er an der Oberrealschule I in Cassel ab und das Probejahr am Reformrealgymnasium in Cassel. Darauf war er als wissen- schaftlicher Hilfslehrer an der Oberrealschule in Hanau und am Gymnasium zu Bad Homburg v. d. H. beschäftigt und wurde Oktober 1913 als Oberlehrer an das Kgl. Realprogymnasium in Biedenkopf berufen. Seiner militärischen Dienstpflicht genügte er im Inf.-Reg. v. Wittich(. Kurh.) Nr. 83 in Cassel.
Alfred Knolle, geb. am 20. September 1887 zu Rosperwenda, Grafschaft Stolberg- Roßla(Kr. Sangerhausen), legte die beiden Lehrerprüfungen in Erfurt ab, war als Lehrer in Wernburg b. Pößneck und Schmiera b. Erfurt tätig, trat dann aus dem Schuldienst aus und besuchte zur weiteren Ausbildung die Kunstgewerbeschule und das Konservatorium zu Erfurt und später die Kgl. Kunst- akademie zu Cassel.


