Jahrgang 
1912
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Zur Vertretung des nach der Versetzung des Prof. Schnädter fehlenden Oberlehrers war der Anstalt der Probekandidat August Schnell überwiesen worden, der nach Beendigung des Probe- jahres und erlangter Austeuungsfähigkeit, am 1. Oktober Wioder abzog, um seinen Militärdienst anzutreten.

An seine Stelle trat der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Gottschalk, der nach Beginn des Jahres 1912 definitiv angestellt wurde, sodass gegen Schluss des Seunljahros wieder sämtliche Lehrerstellen besetzt waren.

Otto Gottschalk, geboren zu Mainz am 19. Januar 1884, besuchte das humanistische Gymnasium seiner Vaterstadt, bestand 1902 die Reifeprüfung und bezog sodann nacheinander die Hoch. schulen zu Freiburg i. B, Berlin, München und Marburg, um sich dem Studium der Germanistik und der neueren Sprachen zu widmen. Im Sommer 1905 nahm er einen längeren Studienaufenthalt in Frankreich, erhielt 1906 den Doktortitel auf Grund der Inaugural-Dissertation:Der deutsche Minneleich und sein Verhältnis zu Lai und Descort und bestand 1907 die Staatsprüfung in Marburg. Sein Seminarjahr(1907/08) leistete er am Königl. Gymnasium zu Weilburg ab und war dazwischen von Ostern bis Pfingsten 1908 am Königl. Gymnasium zu Hersfeld beschäftigt Während des Probejahres(1908/09) war er ebenfalls am Gymnasium zu Weilburg. Von 1909 bis 1911 war er als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Ober- realschule II zu Cassel, wurde in gleicher Eigenschaft am 15. Oktober 1911 an das hiesige Königl. Real- progymnasium versetzt und vom 1. Januar 1912 ab zum Oberlehrer an dieser Anstalt ernannt.

Durch Verfügung vom 2. Dezbr. 1911 wurde der Oberlehrer Bauwens zum Professor ernannt

und am 24. Januar 1912 erhielt er den Rang der Räte vierter Klasse.

Am Donnerstag, den 1. Februar, besichtigte Herr Provinzial-Schulrat Kanzow die Anstalt und wohnte dem Unterricht in allen Klassen bei. In der darauf abgehaltenen Konferenz wurde über seine Wahrnehmungen und über die Schulangelegenheiten im allgemeinen eingehend verhandelt.

Der hiesige Zweigverein desWandervogel-Verbandes schlief wieder ein, weil sich niemand fand, der sich den recht erheblichen Verpflichtungen für Empfang, Führung und Unterbringung auswärtiger Wanderer unterwerfen wollte.

Die diesjährige Turnfahrt wurde unter Teinnalnne aller Lehrer mit Ausnahme des Herrn Dr. Kiesel am 31. Mai ausgeführt. Abmarsch morgens um 6 Uhr nach Eifa. Von da mit der Bahn über Allendorf nach Winterberg. Besteigung des hohen Astenbergs und Abstieg nach Neu- Astenberg zum Mittagessen im Gasthaus Rossel. Gegen Abend wurde dann der ziemlich weite Marsch nach Berleburg durch das schöne Odebachtal noch ohne kranke oder übermüdete Nach- zügler vollendet. In Berleburg blieb bis zur Abfahrt des nach Biedenkopf führenden Zuges hin- länglich Zeit zur Erholung. Die Aussicht vom Astenberg war leider auch bei diesem zweiten Besuche unserer Schule sehr getrübt.

Die Gedächtnistage wurden durch Ansprache an die Schüler in der Aula oder in den einzelnen Klassen gefeiert, der Sedantag durch Beteiligung an der vom Kriegerverein veranstalteten Feier und Kaisers Geburtstag im öffentlichen Aktus mit Klaviervortrag, Gesang, Deklamation und einer von dem Oberlehrer Dr. Gottschalk Lelaltallen Festrede über die deutsche Sprache als Spiegel- bild des deutschen Volkscharakters.

Am 22. Februar veranstalteten die Schüler unter Leitung und Mitwirkung der Herren Dr. Gottschalk und Henkel eine musikalische Abendunterhaltung im Interesse der Jugen dpflege Die Aufführung, deren Hauptstück die Kindersymphonie von Haydn war, fand grossen Beifall und soll auf Wunsch vieler Eltern und Interessenten demnächst wiederholt werden.

Die Badeanstalt wurde in dem heissen und trockenen Sommer viel besucht, auch der Spielplatz häufig benutzt; der Rodel- und Schlittschuhsport konnte dagegen nur wenig gepflegt werden, weil die Witterungsverhältnisse die Bildung guter Bahnen verhinderten.